Technik-Trend Handys für Oldies


Senioren tun sich mit Mobiltelefonen im Miniformat oft schwer. Zwei Erfinder zeigen, wie ein altersgerechtes Gerät aussehen könnte.

Das 50er-Jahre-Sofa und der mit Spitzendeckchen geschmückte Kaffeetisch könnten direkt aus dem Wohnzimmer einer 80-jährigen Dame stammen. In dieser Idylle empfängt Darius Khoschlessan seine Kunden. Der Geschäftsführer der Heidelberger Firma Senio hat sich auf den Handel mit Produkten für ältere Menschen spezialisiert. Deshalb kann man in seinem Laden nicht nur Wecker mit extragroßen Ziffern und Tasten, Leselupen oder Venenkissen kaufen, sondern auch nur auf einen Kaffeeschwatz vorbeikommen.

Auf Khoschlessans Sofa saßen auch schon Entwickler von Siemens. Mit ihnen hat der Senioren-Experte über Festnetztelefone für ältere Kunden diskutiert. Ein Ergebnis steht im Regal des Heidelberger Fachgeschäfts: das Schnurlostelefon Gigaset E150. Es hat große Tasten, große Ziffern im Display, eine einfache Menüstruktur und - ungewöhnlich für ein Schnurlostelefon - Kurzwahltasten.

Zu klein, zu überfrachtet

Dennoch hat das Angebot für die stets wachsende Zielgruppe der Älteren noch Lücken: "Es gibt kein wirklich geeignetes Handy für Senioren", sagt Khoschlessan. Winzige Tasten und Displays, überfrachtete Menüs und viel zu komplizierte Funktionen - all das macht moderne Mobiltelefone für Senioren nicht nur unattraktiv, sondern oft zu einem großen Problem.

Als Notbehelf bieten Senio und andere Firmen ihrer älteren Klientel Handys aus früheren Produktgenerationen an, bei denen Displays und Tasten noch größer ausfielen. Doch diese älteren Geräte sind am Markt kaum noch erhältlich.

"Die Handyhersteller trauen sich einfach nicht, ein Mobiltelefon für ältere Leute zu entwickeln", hat der Senio-Geschäftsführer beobachtet. Vor der älteren Zielgruppe hätten die meist jungen Marketing-Experten schlicht und einfach Angst. Khoschlessan glaubt jedoch, ein Senioren-handy habe das Zeug zum Hit. Also nahm er gemeinsam mit dem Industriedesigner Stefan Eiler die Konzeption eines Mobiltelefons für ältere Menschen selbst in die Hand: griffsicher, mit großen Tasten, einfacher Bedienung und gut ablesbarem Display. Bislang gibt es allerdings nur Kunststoffmodelle und ein Pflichtenheft.

Ein Bild zu jeder Nummer

Gedanken über ein Seniorenhandy hat sich auch Peter Faessen, Geschäftsführer und Entwickler der Firma Secufone im niederländischen Heerlen, gemacht. Sein Secufone hat nur vier Steuertasten. Nummern werden direkt über das berührungsempfindliche Display gewählt. Dort lässt sich zu jeder Rufnummer ein Foto abspeichern. "So haben die Senioren immer auch gleich ein Fotoalbum mit ihren Kindern und Enkeln dabei", schwärmt Peter Faessen. Beim Übertragen der Bilder soll eine Service-Zentrale helfen.

In den Niederlanden, Deutschland, Belgien und Großbritannien soll das Secufone bis September auf den Markt kommen. Allerdings kostet so viel High Tech auch eine Stange Geld: 800 Euro ohne Kartenvertrag, um 350 Euro mit Vertrag soll das Secufone kosten. Hinzu kommt eine monatliche Abogebühr für die Service-Zentrale, die im Notfall auch einen Arzt oder den Schlüsseldienst benachrichtigen soll.

Der Heidelberger Erfinder Darius Khoschlessan führt seit kurzem Gespräche mit einem großen Handyhersteller. Wenn alles klappt, könnte sein Senio-Handy bis Sommer 2005 in den Läden stehen. Khoschlessan kann es kaum erwarten: "Dann wird sich zeigen, ob sich zielgruppengerecht entwickelte Handys wirklich nur an Teens und Business-Kunden verkaufen lassen."

Hannes Rügheimer print

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