HOME

Editorial: Abschied vom "Oberauge"

Wir trauern um Rolf Gillhausen. Der langjährige Art Director des stern starb am vergangenen Sonntag im Alter von 81 Jahren. Gillhausen war das "Oberauge", der ebenso gefürchtete wie geachtete Chef der Fotografen und Layouter

Liebe stern-Leser!

Wir trauern um Rolf Gillhausen. Der langjährige Art Director des stern starb am vergangenen Sonntag im Alter von 81 Jahren. Henri Nannen machte ihn 1965 zu seinem Stellvertreter. Gillhausen war das "Oberauge", der ebenso gefürchtete wie geachtete Chef der Fotografen und Layouter. Er prägte die Bildsprache, die den stern zum größten aktuellen Wochenmagazin in Deutschland und ganz Europa gemacht hat. Sein Credo: Bringt Fotos groß, am liebsten auf Doppelseiten, vertraut auf die Kraft des stehenden Bildes. Wir werden es nicht vergessen. Einen Nachruf auf diesen außergewöhnlichen Journalisten lesen Sie auf Seite 214.

Beste stern-Tradition

im Sinne von Nannen und Gillhausen - das heißt: Ein Reporter und ein Fotograf fahren zusammen los und berichten, was sie gesehen und erlebt haben. Für Stefanie Rosenkranz und Bruno Stevens war die Recherche auf den Spuren des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux beklemmender als manche Reportage in Kriegs- und Krisengebieten. Sie besuchten die Tatorte, lasen Berge von Akten, sprachen mit Beteiligten. Und suchten Antworten auf die Frage, die ganz Belgien entzweit und ab Montag im Prozess geklärt werden soll: War Marc Dutroux ein isolierter Täter, der zusammen mit seiner Frau und wenigen Komplizen seine Verbrechen beging? Oder war er Teil eines Pädophilen-Rings, der die Kinder im Auftrag von Unbekannten folterte und missbrauchte, gedeckt von allerhöchster Stelle?

Beide Reporter kennen das Land gut: stern-Autorin Stefanie Rosenkranz wuchs als Tochter einer EU-Beamtin in Belgien auf und ging dort zur Schule, Bruno Stevens ist Belgier. Ihre Reportage über den "Fall Dutroux" lesen Sie ab Seite 26.

Die Fastenzeit

hat begonnen, und mindestens 9,6 Millionen Deutsche wollen laut einer vom stern in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage mal wieder Diät machen. Für die meisten eine sinnlose Quälerei, denn nur wenige schaffen es, ihr Gewicht auf Dauer zu verringern. Woran liegt das?

In unserer Titelgeschichte beschreibt stern-Mitarbeiterin Cornelia Stolze, studierte Biologin, die wichtigsten Hürden und verrät Tricks, wie sie überwunden werden können (Seite 54).

Wer nicht abspecken muss oder will, kann die Zeit bis Ostern trotzdem nutzen, um in seinem Leben etwas zu verändern. Zum Beispiel durch "7 Wochen ohne". Diese Aktion wurde vor über 20 Jahren von Journalisten und Theologen nach einer langen Kneipennacht ins Leben gerufen. "7 Wochen ohne" will Menschen einladen, eingeschliffene Alltagsgewohnheiten zu überdenken, auf lieb gewonnene "Sünden" wie Alkohol, Nikotin oder Süßigkeiten zu verzichten und Platz zu schaffen für Veränderungen, für etwas Neues im Leben. Das Motto in diesem Jahr lautet "auf!klären". Gemeint ist: Ran an die Probleme. Dann klärt sich vieles auf, an Ärger, an Unzufriedenheit oder Streit mit anderen Menschen. In diesem Sinne.

Herzlichst Ihr
Thomas Osterkorn

print