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Aufklärung: Sexuelle Aufklärung mangelhaft

Erziehungswissenschaftlerin Alexandra Klein hat das sexuelle Aufklärungsverhalten von Jugendlichen untersucht. Ihre Studie wirft Eltern und Schulen Versagen vor.

Die sexuelle Aufklärung von Kindern und Jugendlichen ist noch immer mangelhaft. Das ist das Ergebnis einer Studie, in der die Erziehungswissenschaftlerin Alexandra Klein das sexuelle Aufklärungsverhalten von Jugendlichen untersucht hat. „Es ist verblüffend, wie wenig Jungen und Mädchen über verschiedene Vorgänge in ihren eigenen Körpern wissen„, sagte die Forscherin der Freien Universität Berlin. Nach ihren Erkenntnissen wird der Gesprächsbedarf von Mädchen und Jungen zu sexuellen Themen von den Eltern oftmals nicht hinreichend abgedeckt.

Bravo als Lebenshilfe


Auch die schulische Sexualerziehung werde dem Bedarf von Jugendlichen nicht gerecht. Die Schüler fänden wegen der verbreiteten gemischtgeschlechtlichen Klassen und des fehlenden Vertrauens in Lehrer und Mitschüler kaum Möglichkeiten, ihre Informationsbedürfnisse zu stillen. Statt den Schülern Diskussionsanlässe zu bieten, die es ihnen ohne Angst vor Gesichtsverlust ermöglichten, sich mit sexuellen Standards auseinander zusetzen, werde Sexualkunde in der Schule noch immer auf die biologischen Aspekte der Sexualität reduziert, kritisierte Klein. Deshalb wendeten sich viele Jugendliche anderen Informationsquellen zu.

Die Jugendzeitschrift Bravo„ spielt dabei nach wie vor eine besondere Rolle. Die Auseinandersetzung mit der Bravo„ nimmt bei jungen Menschen eine herausragende Bedeutung als vorbereitende Lebenshilfe ein„, erklärte die Wissenschaftlerin. Allerdings würden in dieser Zeitschrift hauptsächlich Schwierigkeiten in Partnerschaften, mit Eltern, in der Bezugsgruppe sowie der Umgang mit der eigenen Körperlichkeit thematisiert. Außerdem sei das Medium für Jugendliche über 15 Jahren nicht mehr interessant

Laut Klein ist es daher notwendig, vor allem für ältere Jugendliche eine Informationsquelle als eine Art „Bürgerservice„ einzurichten. Geeignet dafür sei das Internet, da es die Möglichkeit biete, anonym über persönliche und sexuelle Themen zu kommunizieren. Auf diese Weise könnten Jugendliche nicht nur Einblick in schambesetzte Themenfelder erhalten, sondern sie verwirklichen mit der Hinwendung zu dieser internetbasierten Ressource ein Maß an Kontrolle und Selbstbestimmung, das ihnen bei ihren sexuellen Erfahrungen und bei der Bearbeitung sexueller Themen oftmals vorenthalten wird."

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