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Der geheime Code der Liebe : Der Ex-Mann meiner Freundin grenzt mich aus

Hallo Frau Peirano,

meine Lebenspartnerin und ich leben seit 4 Jahren zusammen. Wir haben uns über ihren Beruf kennen gelernt und hatten zunächst eine Affäre. Ich war sehr verliebt in sie und habe sie immer wieder gedrängt, dass Sie sich von ihrem Mann trennen soll. Sie hat sich wegen ihrer beiden Kinder sehr lange mit der Entscheidung herum geschlagen und ihrem Mann unsere Affäre verheimlicht. Das war eine sehr anstrengende Zeit. Nach ca. 8 Monaten hat ihr Ex-Mann von uns erfahren und hat sich nach ein paar Monaten von ihr getrennt. Meine Freundin und ich zogen zusammen und leben seitdem mit ihren beiden Kindern zusammen. Am Anfang waren die Kinder sehr gegen mich und haben monatelang nur das Nötigste mit mir geredet. Mittlerweile geht es besser und wir führen ein normales Leben.
Aber nun zu meinem Problem: Ich ertrage es nicht, dass ich in der Familie meiner Partnerin der "Buhmann" bin. Sie hat wegen der Kinder weiterhin recht viel Kontakt mit ihrem Ex-Mann, und sie überschlägt sich teilweise vor Freundlichkeit ihm gegenüber. Sie sagt, dass sie ein schlechtes Gewissen hat, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie ihn nicht doch zurück will. Ihr Ex-Man verweigert seit der Trennung jeden Kontakt zu mir, ruft sie nur auf dem Handy an, kommt nicht zu uns ins Haus und sorgt dafür, dass ich keinen Fuß auf Familienfeste (Kindergeburtstage, Konfirmation des Sohnes etc.) setzen darf. Mittlerweile denke ich, dass es doch auch mal gut sein sollte- immerhin ist die Trennung vier Jahre her und es lief auch vorher nicht gut mit den beiden. Ich bin total genervt, wenn meine Frau Umgang mit ihm hat und auf Veranstaltungen war, und ich muss wie ein Aussätziger vor der Tür bleiben.
Was raten Sie mir?

Viele Grüße
Matthias K.

Lieber Matthias K.,
ich kann gut verstehen, dass Sie sich mit der Situation sehr unwohl fühlen. Zum Einen damit, dass Sie anscheinend ausgegrenzt werden wie ein "Aussätziger", obwohl Sie seit Jahren mit den Kindern zusammen leben. Und auch damit, dass Ihre Partnerin noch einen intensiven und -wie Sie befürchten- nicht ganz geklärten Kontakt mit Ihrem Ex-Mann hat, in dessen Augen Sie nicht existieren.
Allerdings war ich etwas befremdet darüber, wie Sie die Geschichte darstellen. Sie schildern es so, als wären Sie das Opfer der Umstände. Aus meiner Sicht, und das werden Sie sicher nicht gerne hören, hat ihr Verhalten aber viele Täter-Anteile: Sie haben eine heimliche Affäre mit einer verheirateten Frau und Mutter von zwei Kindern angefangen. Sie haben sie gedrängt, sich von ihrem Mann zu trennen, obwohl Sie sich nicht sicher war. Natürlich sind Sie nicht der einzige Täter: Auch Ihre Freundin hat ihren Mann betrogen und die Affäre aktiv verheimlicht, anstatt Ihre Eheprobleme zu lösen. Und hier gibt es eine Ursache und Wirkungsbeziehung: Die Art, wie Ihre Beziehung begonnen hat, hat Sie selbst und die Menschen im Umfeld stark verletzt.
Die Kinder haben Ihre Ursprungsfamilie verloren, und sie waren darüber so verletzt, dass sie monatelang nicht mit Ihnen gesprochen haben. Und auch heute gibt es große Spannungen in der Familie der Kinder (z.B. dass Sie nicht an Festen teilnehmen dürfen, obwohl Sie ein Teil der Familie sind) - und die Kinder werden dadurch belastet.
Ihre Lebensgefährtin leidet an Unklarheit: Sie war damals nicht in der Lage, sich zwischen Ihrem Mann und Ihnen zu entscheiden. Die Entscheidung wurde ihr durch Ihren Ex-Mann abgenommen, der einen Schlussstrich gezogen hat. Es hört sich für mich so an, als wenn sie sich bis heute nicht sicher ist, was sie eigentlich will und ob Ihre Entscheidung richtig war.
Und last but not least ist der Ex-Mann Ihrer Frau bis heute sehr gekränkt von der Affäre seiner Frau und dem damit einhergehenden Vertrauensbruch sowie dem Zerbrechen seiner Familie. Seine Kränkung zeigt sich unmissverständlich in seiner Weigerung, Ihnen zu begegnen und Ihnen einen Platz auf Familienfeiern einzuräumen.
Alles zusammen ist das ein ziemlicher Schlamassel, oder, wie man auch sagen könnte: "Eine riesige Baustelle". Wenn Sie diese Baustellen wirklich aus der Welt räumen wollen, wird ein ganzer Haufen Arbeit und Klärung auf Sie zukommen. Deshalb sollten Sie zuerst einmal in sich gehen und herausfinden, ob Sie dazu bereit sind.
Aus meiner Sicht klärt sich Ihre Familiensituation nur, wenn Sie in Zukunft dem Ex-Mann begegnen können. Er ist eine zentrale Figur, da er die Macht hat, Sie weiterhin aus Familienfesten auszugrenzen und seine Ex-Frau zu zweit zu treffen (was, nebenbei gemerkt, sicher auch ein Ausdruck von Rache ist). Wenn Sie das Verhältnis zu ihm klären wollen, könnten Sie ihm einen Brief schreiben, in dem Sie sich dafür entschuldigen, dass Sie ihn und die Beziehung zu seiner Frau nicht respektiert haben und ihm so gewaltigen Schaden zugefügt haben. Sie könnten ihn fragen, ob oder was Sie dafür tun können, um das belastete Verhältnis zwischen Ihnen beiden zu entlasten. Dieser Brief hat allerdings nur eine Chance, wenn er aufrichtig ist und von Herzen kommt. Ich würde Ihnen auch empfehlen, den Brief von wirklich kompetenten Beratern durchsehen zu lassen, bevor Sie ihn abschicken, damit es nicht zu weiteren Verletzungen kommt. Möglicherweise fühlt der Ex-Mann sich durch Ihre Entschuldigung gesehen und erklärt sich zu einem Treffen bereit. Das wäre ein wirklich großer erster Schritt, wenn Sie zusammen sitzen und darüber sprechen können. Denn dann könnte sich das Verhältnis normalisieren, indem Sie sich ab und zu begegnen und ein paar Worte wechseln können.
Um zu veranschaulichen, wie Schuld und Ent-Schuldigung funktioniert, ein alltägliches Beispiel: Wenn man jemandem mein Auto leihe und er eine riesige Beule reinfährt und dann einfach untertaucht, kann man die Angelegenheit vermutlich niemals auf sich beruhen lassen. Man bräuchte eine Ent-Schuldigung und eine Entschädigung, zum Beispiel tatkräftige Unterstützung bei der Reparatur sowie selbstverständlich ein Aufkommen für den Schaden. Und da liegt der Ball in Ihrem Feld!
Ich hoffe, dass Sie den ersten Schritt wagen, um Ihre Baustelle in Ordnung zu bringen. Es wird sicher seine Zeit brauchen, aber in vielen Fällen raufen sich die Beteiligten zusammen. Schließlich sind diejenigen, die am meisten unter Spannungen leiden, die Kinder, und denen zuliebe ist vieles möglich.
Liebe Grüße
Julia Peirano

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Herzliche Grüße
Julia Peirano

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.