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Der geheime Code der Liebe : Mein Freund lässt mich nicht in sein Leben

Liebe Frau Peirano,

vor mehr als einem Jahr habe ich einen zehn Jahre älteren Mann (38 Jahre) kennen gelernt. Er hat zwei Kinder, die bei seiner Ex-Frau leben und die er alle zwei Wochenenden zu sich holt.
Da er beruflich auch noch eingespannt ist, beschränkt sich unsere gemeinsame Zeit auf zwei Abende unter der Woche.

Er beteuert mir immer, wie sehr er mich liebt und wie gerne er mit mir zusammen ist. Leider stellt er mir keinen seiner Freunde oder seine Familie vor, seine Kinder kenne ich auch noch nicht. Das heißt in dieser Zeit bin ich Luft und existiere nicht. Ich fühle, dass ich die Einzige bin, die unser Beziehung zum nächsten Schritt führen möchte. Vor Kurzem habe ich ihn so lange genervt, bis er mir seine Schwester und seine Mutter nach über einem Jahr Beziehung vorgestellt hat.

Mein Problem ist, dass ich nie mehr Zeit mit ihm verbringen kann, wenn ich nicht Teil seiner Familie werde. Zwei Abende unter der Woche sind mir auf Dauer einfach zu wenig. Ausgemachte Abende werden einfach kurzfristig abgesagt, wenn seine Familie dazwischen kommt. Ich stehe dann immer alleine da und von seiner Seite kommt wenig Verständnis für meine Situation. Leider schmettert er jeden Versuch, mit ihm darüber zu reden und eine Lösung zu finden, ab. Seine Kinder möchte er mir nicht vorstellen, obwohl sie wissen, dass er eine Partnerin hat.

Leider verunsichert mich sein Verhalten dermaßen, weil ich mich nicht ernst genommen fühle. Es verletzt mich unendlich! Ich möchte ihn eigentlich nicht verlieren, weil wir uns wirklich gut verstehen und sonst auch alles gut passt. Aber ich komme mit dieser Situation nicht mehr klar.

Mittlerweile ist von meinem Selbstbewusstsein nichts mehr übrig. Ich bin auch ziemlich verbittert, weil sich nichts tut und ich nicht mehr weiß, was ich noch alles machen soll. Bei allem, was nur annähernd nicht klappen könnte, werde ich zur Furie. So kenne ich mich selbst gar nicht!

Im Moment weiß ich nicht weiter. Können Sie mir bitte einen Rat geben - ist es sinnvoll in so eine einseitige Beziehung noch zu investieren?

Vielen Dank!

LG Dorothee

Liebe Dorothee,
ich kann gut mit Ihnen mitfühlen, dass Sie so verletzt und frustriert sind. Denn Sie möchten mit Ihrem Partner Ihr Leben teilen, und dazu gehört, dass Sie auch vor seinen Kindern und Freunden als Paar auftreten. Sie stellen sich vor, dass Sie mehr Zeit miteinander verbringen und beide Schritte unternehmen, um immer mehr zusammen wachsen. Doch Ihr Plan scheitert. Denn Ihr Freund scheint völlig andere Vorstellungen zu haben: Ihm genügt es offensichtlich, Sie an zwei Abenden die Woche zu sehen - und ansonsten lebt er sein eigenes Leben weiter. Das passt schon einmal nicht gut mit Ihren Vorstellungen zusammen! Und darüber hinaus nimmt Ihr Freund Sie nicht ernst, wenn Sie das Gespräch suchen und von ihm fordern, dass er mehr Zeit mit Ihnen verbringt und Sie seinen Kindern oder Freunden vorstellt. Wenn man nicht gehört wird und die eigenen Wünsche wieder und wieder vorbringen muss, ohne dass sich etwas verändert, macht einen das wütend!
So wie es beschreiben, klingt das Verhalten Ihres Partners wenig partnerschaftlich. Ich habe den Eindruck, dass er derzeit nicht wirklich eine Beziehung mit Ihnen eingehen kann (jedenfalls nicht so, wie Sie es brauchen). Gehen Sie davon aus, dass sich sein Verhalten nicht verändern wird, egal was Sie machen. Ihre Befindlichkeit setzt Ihnen deutliche Zeichen, wie es Ihnen damit geht. Ihr Selbstbewusstsein wird beschädigt. Das ist dramatisch. Meistens ist das der wahre Grund, warum es einem so schlecht geht- und nicht das Verhalten des Partners. Sie schreiben auch, dass Sie sich vor Bitterkeit und Anspannung nicht wieder erkennen und schon bei kleinen Anlässen zur Furie werden. Auch das ist kein gutes Zeichen.
Deshalb rate ich Ihnen, sich selbst treu zu bleiben und eine klare Ansage zu machen. Sagen Sie ihm, wie Sie sich fühlen und dass diese Art der Beziehung schädlich für Sie ist. Wahrscheinlich fühlen Sie sich nach einiger Zeit besser, wenn Sie den vergeblichen Kampf aufgeben.
Alles Gute für Sie!
Ihre Julia Peirano

Liebe Leserinnen und Leser,
ich bin in diesem Blog sehr an einem lebendigen Dialog interessiert und freue mich, wenn Sie Ihre eigenen Erfahrungen, Empfindungen und Tipps schreiben. Aber bitte bleiben Sie dabei allen gegenüber respektvoll und konstruktiv!
Herzliche Grüße
Julia Peirano

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