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Der geheime Code der Liebe : Meine Freundin kann nicht allein sein

Meine Freundin kann nicht allein sein
Liebe Frau Peirano,
ich (24) bin seit zwei Jahren mit meiner Freundin (22) zusammen. Sie ist wirklich eine sehr liebe und ehrliche Frau, sie würde alles für mich tun. Nur in letzter Zeit streiten wir uns häufig um das gleiche Problem: Sie mag es nicht, wenn ich weggehe. Wenn ich mich nach der Arbeit noch mit ein paar Kollegen treffe oder ins Fitnessstudio gehe, sehe ich schon an ihrem Blick, dass ihr das nicht passt. Ich würde gerne mal wieder ein Wochenende alleine nach Berlin fahren und mal nur machen, was ich will. Als ich ihr das gesagt habe, meinte sie sofort, dass wir doch zusammen nach Berlin fahren können und dass das bestimmt schön wird. Ich will aber alleine fahren, ich brauche auch mal Zeit für mich. Sie wirft mir dann vor, dass ich sie nicht richtig liebe.
Wir sind sehr viel zusammen (oft auch auf ihr Bestreben), sitzen oft zusammen vor dem Fernseher, treffen Freunde und unterhalten uns. Sie ist sehr zärtlich, und dauernd will sie mich anfassen. Jeden Abend vor dem Einschlafen sagt sie mir, dass sie mich liebt. Manchmal erdrückt mich das. Für mich ist das Wort "Ich liebe dich" eine große Sache, und nichts, was man so routinemäßig und oft sagt wie "Gute Nacht". Ich merke, dass es mich erstickt.
Meine Freundin kann nicht gut allein sein. Ihre Eltern waren anscheinend immer für sie da. Wenn sie alleine ist, fühlt sie sich schlecht. Ich musste mal beruflich auf eine Fortbildung, da ist sie zu ihren Eltern gezogen.
Geredet haben wir schon so oft, aber es bringt nichts. Was raten Sie mir?
Gero G.

Lieber Gero,
ich kann mir gut vorstellen, dass Sie sich erdrückt fühlen. Sie haben ein ganz anderes Nähebedürfnis als Ihre Freundin. Ihre Freundin hat ein extrem hohes Bedürfnis nach Nähe und hat ihre Fähigkeit zur Autonomie (Selbstständigkeit) bisher nicht ausgebildet. Bei Ihnen besteht neben dem Wunsch nach Nähe, den Sie ja unzweifelhaft haben, auch ein Wunsch nach Autonomie. Es ist normal und wünschenswert, dass man in einer sicheren Bindung sowohl das Bedürfnis nach Nähe als auch das Bedürfnis nach Autonomie verspürt und diese beiden Bedürfnisse etwa gleich stark sind.
In Ihrer Beziehung gerät das allerdings aus dem Gleichgewicht, weil Ihre Freundin es nicht ertragen kann, wenn Sie alleine etwas unternehmen. Das Fatale ist, dass die Gegensätze zwischen Ihnen beiden sich immer weiter hochschaukeln: Je mehr der eine klammert, desto weiter will der andere sich entfernen. Und je mehr man sich entfernen will, desto mehr klammert der andere.
Es ist bei Ihnen und Ihrer Freundin ein bisschen wie bei dem Zusammensein von einem Hund und einer Katze. Die Katze kann sehr kuschelig sein und schläft auch gerne bei jemandem im Bett. Viele Katzen sind auch gerne bei ihren Menschen und sitzen jemandem auf dem Schoß. Aber irgendwann reicht es der Katze und sie verschwindet nach draußen, geht alleine spazieren und legt sich ganz für sich ruhig hin und hält etwas Abstand zum Geschehen. Sie braucht das.
Der Hund hingegen ist ganz auf seine Gruppe fixiert und leidet (man sagt nicht umsonst: jemand leidet wie ein Hund), wenn sein Herrchen oder Frauchen aus dem Raum geht. Hunde sind nur dann wirklich entspannt, wenn sie mit ihren Lieben zusammen sind.
Wenn Hund und Katze einander schon nicht verstehen, liegt es auf der Hand, dass auch Ihre Freundin Sie nicht versteht und Ihnen vorwirft, dass Sie sie nicht richtig lieben. Ich würde an Ihrer Stelle jedoch ganz deutlich klarstellen, dass Ihre Art der Liebe auch beinhaltet, dass Sie einander Freiraum lassen.
Ich denke, dass Sie Ihrer Freundin nicht helfen, wenn Sie rund um die Uhr für sie da sind und Ihre eigenen Bedürfnisse ersticken. Dann kommt es zur Trennung, und das hilft keinem weiter. Sie können ihr nur in helfen, wenn Sie sie in klaren Schritten dazu führen, alleine Spaß zu haben und die Zeit für sich zu genießen. Wenn das nicht klappt, wird es auf Dauer sicher schwierig für Sie beide.
Sprechen Sie am besten immer wieder Ihre Wünsche aus und sorgen Sie dafür, dass Sie zu Ihren Freiräumen kommen (das heißt: Treffen Sie sich mit Kollegen, gehen Sie entspannt zum Sport und planen Sie das Wochenende in Berlin ein). Sie töten auf Dauer Ihre Gefühle für Ihre Freundin, wenn Sie sich eingeengt fühlen, das ist keine Lösung. Sagen Sie ihr klar, wo ihre Grenzen liegen, und sagen Sie "Gute Nacht" statt "Ich liebe Dich", wenn das für Sie besser passt. Sie können Ihrer Freundin liebevoll, aber klar zu verstehen geben, dass Sie nicht dafür verantwortlich sind, dass sie nicht allein sein kann. Es wäre ein sehr wichtiger Entwicklungsschritt für Ihre Freundin, wenn sie sich langsam mit dem Alleinsein anfreundet und auch ihre Autonomie entwickelt.
Mit freundlichen Grüßen
Julia Peirano

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Julia Peirano

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.