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Der geheime Code der Liebe Meine Sommeraffäre ist schwanger von mir! Ich will nicht Vater werden


Ein Seitensprung mit Folgen: Daniel hatte eine Affäre mit einer anderen Frau, die nun von ihm schwanger ist. Er ist verzweifelt, schließlich versuchen seine Freundin und er schon lange ein gemeinsames Kind zu bekommen. Julia Peirano drängt ihn zu einer Entscheidung.

Hallo Frau Peirano,
vor drei Wochen hat mich eine Frau, mit der ich im Mai eine kurze Affäre hatte, angerufen und mir gesagt, dass sie von mir schwanger ist. Wir hatten im Mai/Juni ein paar Mal Sex und sie war auch verliebt, ich nur etwas. Das Ganze hat sich schnell zerschlagen. Uns beiden war klar, dass es nichts Ernstes wird, da ich eine Freundin habe.
Jetzt weiß ich nicht, was ich machen soll. Meine Freundin fällt aus allen Wolken, wenn ich ihr erzähle, dass eine andere Frau ein Kind von mir bekommt. Sie hatte Anfang des Jahres eine Fehlgeburt und will unbedingt Kinder haben. Ich selbst bin nicht so der Typ Vater, wollte bisher nie Kinder, mit meiner Freundin kann ich es mir vorstellen. Aber das Kind von der anderen Frau will ich auf keinen Fall! Ich habe ihr das auch gesagt, aber sie hat geweint und gesagt, dass sie das Kind auf jeden Fall bekommen wird und ich mir überlegen soll, welche Rolle ich dabei spielen will.
Mir dreht sich der Kopf. Was soll ich machen?
Viele Grüße
Daniel K.

Lieber Daniel K.,
das klingt ja nach einem richtigen Schlamassel, in dem Sie da stecken.
Wenn man diesen Knoten etwas entwirrt, gibt es drei Dinge zu klären:
1. Welche Rolle wollen Sie im Leben des Kindes spielen?
2. Wie verhalten Sie sich gegenüber der Mutter Ihres Kindes?
3. Wie klären Sie das Thema mit Ihrer Freundin?
Wenn ich mich in Ihre Situation hinein versetze, kommt da eine ganze Menge auf Sie zu!
Fangen wir einmal an mit Punkt 1. Der Vaterrolle. Sie sagen zwar, dass Sie nicht Vater sein wollen, aber dafür ist es jetzt zu spät, wenn ich das einmal so deutlich sagen darf. Sie sind der Vater des Kindes (sofern ein Vaterschaftstest das bestätigt), und Sie werden im Leben dieses Kindes immer der Vater sein. Egal, ob Sie sich jedem Kontakt verweigern oder ob Sie sich kümmern: Das Kind wird Ihr Verhalten zu spüren bekommen und gegebenenfalls auch sehr darunter leiden. Ich habe einige Menschen in Therapie, deren leiblicher Vater aus ihrem Leben verschwunden ist und sich nicht gekümmert hat. Das reißt in den meisten Fällen tiefe seelische Wunden. Junge Männer ohne Vater sind oft orientierungslos, junge Frauen suchen sich oft Männer, die nicht wirklich interessiert sind und wiederholen so das Drama ihrer Kindheit.
Wenn ich Ihren Bericht lese, wird mir die Ethik Ihres Handelns nicht wirklich deutlich. Um das zu erklären. Einige Menschen leben heute noch nach der alttestamentarischen Ethik: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Heute hat sich allerdings, ob man Christ ist oder nicht, der neutestamentarische Grundsatz durchgesetzt: "Ich behandele andere so, wie ich gerne selbst behandelt werden möchte." Ihre Ethik klingt ganz anders, eher nach dem Motto: "Ich hole mir, was mir gefällt. Ich mache, was ich will, ohne Rücksicht auf Verluste." Das ist auch der Grund, warum Sie jetzt in dieser Situation stecken. Sie habe Ihre Freundin betrogen, die selbst einen Kinderwunsch hat. Sie haben sich mit einer Frau eingelassen, die anscheinend in sie verliebt war und auch gerne ein Kind mit Ihnen hätte. Dabei haben Sie anscheinend gar nicht oder nicht sorgfältig genug verhütet. Und jetzt steht die schwangere Frau alleine da und kann sich mit den ganzen Veränderungen in ihrem Leben alleine auseinander setzen. Das ist garantiert nicht einfach und löst viele Ängste aus. Es werden sicher auch finanzielle Ängste eine Rolle spielen. Auf die Idee, dieser Frau zu helfen, scheinen Sie nicht zu kommen, sondern Sie sehen Ihre eigene Situation und sagen schnell: "Damit habe ich nichts zu tun, hoffentlich kommt das nie heraus." Und Sie wissen, dass Ihre Freundin extrem verletzt wäre, wenn herauskommt, was Sie getan haben.
Ich sage das so deutlich, weil ich Ihnen mal einen Spiegel vorhalten möchte. Wenn Sie so weitermachen wie bisher, wird das garantiert in einem Chaos enden. Das Kind wächst mit einem Vater auf, der keinen Kontakt will und die Existenz des Kindes verleugnet. Die Mutter des Kindes steht mit der gesamten Verantwortung alleine da und die Überforderung, die oft daraus entsteht, wird sich auf das Kind übertragen. Und Ihre Freundin wird wahrscheinlich über kurz oder lang trotzdem davon erfahren - denn die Mutter des Kindes wird berechtigterweise Unterhalt einfordern. Das wird irgendwann auffallen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass die Mutter des Kindes eines Tages mit dem Kind vor der Tür steht oder Ihre Freundin anruft und ihr alles erzählt.
Auch wenn das wahrscheinlich nicht das ist, was Sie hören möchten, würde ich Ihnen also zur Fragestellung Nummer 3. empfehlen, sich der Situation und Ihrer Verantwortung zu stellen. Schenken Sie Ihrer Freundin reinen Wein ein, dann kann sie selbst entscheiden, ob Sie weiterhin bei Ihnen bleiben möchte. Je früher Sie das machen, desto besser. Wenn diese Lebenslüge erst in einigen Jahren herauskommt, wird es nur noch schlimmer.
Ich würde Ihnen auch raten, das Ganze nicht so negativ zu sehen. Ein Kind zu bekommen kann eine große Chance auf eine Persönlichkeitsveränderung beinhalten. Man erfährt eine Art von Liebe, die man bisher nicht kannte! Es verändert einen, nicht nur für sich selbst zu denken, sondern auch an die Bedürfnisse eines anderen, schutzlosen Menschen zu denken. Vielleicht können Sie diese Erfahrung auch annehmen, um etwas mehr Mitgefühl und Reife zu entwickeln.
Es kann Ihnen sicher helfen, wenn Sie sich mit Vätern treffen, die schon früh von der Mutter ihres Kindes getrennt waren und trotzdem Verantwortung übernehmen. Schauen Sie sich an, wie deren Modelle sind: Einige werden sich sicher sehr regelmäßig kümmern und z.B. ab einem bestimmten Alter jedes zweite Wochenende mit dem Kind verbringen, andere stehen für stundenweise Treffen zur Verfügung oder melden sich an Geburtstagen und Weihnachten. Wieder andere sind dann da, wenn das Kind oder deren Mutter das Bedürfnis nach Kontakt äußert. Je nach Alter des Kindes wird es unterschiedliche Phasen geben: Ein neugeborenes Kind, das gestillt wird, kann nicht mehrere Stunden am Stück mit dem Vater zusammen sein, schon gar nicht ein ganzes Wochenende. Wenn Sie von Anfang an Kontakt mit dem Kind haben und es sich an Sie gewöhnt, könnten Sie mal stundenweise bei dem Kind sein. Später könnte man die Zeiten dann ausdehnen. Am Besten, Sie informieren sich über das Leben mit Kindern und deren Bedürfnisse in den einzelnen Lebensphasen. Ganz wichtig ist auch, dass Sie sich mit der Mutter des Kindes zusammen setzen, wie diese es auch vorgeschlagen hat. Fragen Sie sie, wie diese sich Ihre Mitwirkung bei der Erziehung des Kindes vorstellt. Sie haben ja noch einige Monate Zeit, bis das Kind geboren wird. Sie können sich langsam an den Gedanken gewöhnen, Vater zu werden. Wenn Sie sich recht bald nach der Geburt des Kindes treffen, wird die Schutzlosigkeit des Kindes sicher auch einiges in Ihnen bewirken.
Liebe Grüße
Julia Peirano

Liebe Leserinnen und Leser,
ich bin in diesem Blog sehr an Ihren Kommentaren interessiert. Ihre Erfahrungen und Gefühle beim Lesen der Fragestellung sind eine große Bereicherung!
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Herzliche Grüße
Julia Peirano


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