HOME

Erste Hilfe: Das Buch der Bücher

Häufig stehen Schüler ratlos vor dem Bücherregal: Was soll ich lesen? Was muss ich lesen? Eine Orientierung im Bücherdschungel bietet Pascal Frey.

Von Björn Erichsen

"Was lesen?" ist nicht die Frage, die der Sender ZDF seinen Zuschauern fast täglich in der Prime Time stellt, sondern der Titel eines Lexikons zur deutschen Literatur. Dieses neue Nachschlagewerk enthält kurze Werkbeschreibungen von mehr als 400 Erzählungen, Romanen und Dramen deutscher Sprache. Wer aber umfassende Inhaltsangaben oder Interpretationen erwartet, wird enttäuscht. "Was lesen?" gibt lediglich kurze Einführungen über die Handlung und den Entstehungskontext sowie Informationen über weitere Werke der Autoren. Am Ende eines jeden Beitrags findet sich darüber hinaus eine Einschätzung des Leseanspruchs, in dem auf eventuell vorhandene Schwierigkeiten und Tücken bei der Lektüre hingewiesen wird. Die Werkbeschreibungen stammen aus den Redaktionen der verschiedenen Verlage und sind leicht verständlich, da auf Fachjargon gänzlich verzichtet wird. Dadurch eignet sich das Buch ausschließlich als Hilfestellung bei der Literaturauswahl, die Originallektüre kann und will es nicht ersetzen.

Nun ist die Zusammenstellung eines Literaturführers hierzulande immer eine strittige Sache. Darüber, was in eine solche Sammlung hinein sollte und was eben nicht, streiten sich nicht nur Gelehrte. Herausgeber Pascal Frey - von Beruf Deutschlehrer - richtet sich mit seiner Auswahl in erster Linie an eine sehr junge Zielgruppe - seine Schüler. Seine Motivation: Schülern mit "Was lesen?" eine Orientierungshilfe an die Hand geben, sie so zum Lesen motivieren. Bevorzugt wurden daher Texte ausgewählt, die sich nach seiner Erfahrung "im Unterricht der Sekundarstufe II für eine vertiefte Auseinandersetzung eignen". Behandelt werden Werke von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis hin zur Gegenwart. "Klassiker" und große Werke deutscher, österreichischer und schweizerischer Autoren sind selbstverständlich vorhanden. Darüber hinaus sind aber auch "moderne" Schriftsteller wie etwa Rolf Hochhuth, Ingrid Noll und Bernhard Schlink enthalten. "Was lesen?" ist mit dieser thematischen Vielfalt ein durchaus nützliches Nachschlagewerk, das einen facettenreichen Überblick die über deutschsprachige Literatur ermöglicht.

In erster Linie ein Nachschlagewerk für Schüler

Eine Stärke des Literaturlexikons liegt in dem umfangreichen und gut strukturierten Registerteil im Anhang. Die einzelnen Werktitel werden sowohl chronologisch als auch nach Epoche und Gattung aufgeführt und eingeordnet. Das thematische Register erweist sich vor allem dann als hilfreich, wenn nach themenverwandten Bücher gesucht wird: Welche Titel behandeln beispielsweise Gerechtigkeit, Charakterschwäche oder Nationalsozialismus? Eine Übersicht über alle aufgeführten Autoren und ihre Werke runden den Registerteil ab.

"Was lesen?" eignet sich in erster Linie als Nachschlagewerk für Schüler, kann aber auch angehenden Studenten der Germanistik oder Literaturwissenschaft gute Dienste leisten. Schnell und komprimiert lassen sich mit dem Buch Informationen über Epoche, Gattung, und Autoren recherchieren und durch den Registerteil Querverweise finden. Bedacht werden muss jedoch, dass in dem Nachschlagewerk bewusst nicht auf analytische Tiefe, sondern auf literarische Breite gesetzt wird. Das Buch versucht in etwa die Fragen "Worum geht es, wie hat es dir gefallen?" zu beantworten, wie sie einem mündlichen Leserkreis gestellt werden. Einem jungen Menschen mit Lesefreude und Interesse, kann das Buch durchaus eine Grundlage für weitere literarische Ambitionen geben.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

  • Björn Erichsen