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Inkasso-Regeln: Was Schuldner wissen sollten

Seit die Verschuldung in deutschen Haushalten steigt, boomt die Branche der professionellen Geldeintreiber. Doch auch Inkasso-Unternehmen müssen sich an Regeln halten.

Immer mehr Menschen in Deutschland können ihre Schulden nicht mehr begleichen. Und immer mehr Gläubiger beauftragen Dritte mit der Eintreibung offener Rechnungen (Inkasso), statt sich auf mitunter langwierige Verfahren vor den Mahngerichten einzulassen. Der Bundesverband Inkasso geht derzeit von bis zu 750 in Deutschland aktiven Inkassounternehmen aus, vor zehn Jahren waren es noch 200 weniger.

Ohne Vollmacht nicht zahlen

Jedes Inkassobüro braucht eine Zulassung vom Präsidenten des zuständigen Land- oder Amtsgerichts. Sie muss aus dem Anschreiben des Unternehmens ersichtlich sein. Inkassounternehmen oder -anwälte treten beim säumigen Schuldner nicht immer im Auftrag des Gläubigers auf, sondern mitunter auch auf eigene Rechnung. Das ist dann der Fall, wenn der Gläubiger seine Forderung an das Inkassounternehmen verkauft hat. Schuldner sollten zunächst immer überprüfen, ob eine gültige Vollmacht beziehungsweise Abtretungserklärung des Gläubigers vorliegt. Kann das Inkassobüro keines dieser Schriftstücke vorweisen, darf es auch keine Zahlungen verlangen.

Hatten Sie schon mit einem Schulden-Eintreiber zu tun?

Grundsätzlich sollten Schuldner kein Formular unterschreiben, mit dem sie ihre Zahlungsverpflichtung anerkennen. Legt das Inkassounternehmen ein entsprechendes Schreiben vor, ist die Beratung durch die Schuldnerberatungsstelle, Verbraucherzentrale oder auch einen Rechtsanwalt dringend zu empfehlen.

Vorsicht bei Gebühren

Selbstverständlich arbeitet das Inkassounternehmen nicht umsonst. Der Gläubiger kann die Kosten für den Inkassoauftrag jedoch nur dann auf den Schuldner abwälzen, wenn er zuvor die Begleichung der Rechnung ordentlich angemahnt hat oder vereinbarte Raten nicht bezahlt wurden. Hat der Schuldner seinem Gläubiger jedoch schon vor dem Inkassoauftrag mitgeteilt, dass er die Rechnungen nicht bezahlen kann, hätte das Inkassounternehmen gar nicht tätig werden dürfen. Damit muss der Schuldner auch keine Inkassogebühren übernehmen.

Zudem sollten Schuldner genau prüfen, welche Gebühren das Inkassounternehmen in Rechnung stellt. Eine verbindliche Gebührenordnung gibt es zwar bislang nicht, die Gerichte haben jedoch als Richtschnur für Inkasso-Honorare die Rechtsanwalts-Gebührenordnung festgelegt. Für ein Mahnschreiben beispielsweise können nach Auskunft der Verbraucherzentralen zwischen 5 und 15 Euro fällig werden. Arbeitet ein Inkassobüro auf eigene Rechnung, weil es die offene Forderung vom Gläubiger abgekauft hat, dürfen gar keine Inkassogebühren verlangt werden.

Kein Anrecht auf Betreten der Wohnung

Im Gegensatz zu Gerichtsvollziehern haben Inkassomitarbeiter übrigens kein Anrecht darauf, in die Wohnung des Schuldners gelassen zu werden. Inkassobüros dürfen Schuldner auch nicht unter Druck setzen. Nächtliche Telefonanrufe oder Erkundigungen bei den Nachbarn beispielsweise muss niemand hinnehmen. Gegen derartige Praktiken können sich Schuldner bei dem für das Inkassounternehmen zuständige Amts- oder Landgericht beschweren. In gravierenden Fällen kann auch eine Strafanzeige hilfreich sein.

Hendrik Roggenkamp/DDP / DDP
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