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Ex-Dr.-Sommer geht auf Jugendmagazin los: "Was in der 'Bravo' geschieht, ist sexistisch und frauenfeindlich"

Immer wieder gibt es Ärger um die "Bravo", die altbackenen Flirttipps brachten dem Jugendmagazin einen Shitstorm ein, die peinliche Sammlung aus Foto-Lovestorys Hohn und Spott. Der stern hat die ehemalige Dr. Sommer gefragt, was da gerade los ist.

Von Susanne Baller

Das aktuelle "Bravo"-Titelbild

Was derzeit bei der "Bravo" geschieht, kann Jutta Stiehler, die ehemalige Dr. Sommer, nicht gutheißen. Sie sieht keine Zukunft für das Blatt.

In der vergangenen Woche waren es die 100 Flirttipps, nun ist es eine Sammlung frauenfeindlicher Foto-Lovestorys, die der "Bravo" im Internet mächtig Ärger bescheren. Mit fragwürdigen Inhalten sucht die "Bravo" nach Lesern - und erntet nur Hohn und Spott. Was ist los bei dem Jugendmagazin, das früher mal das Aufklärungsorgan für eine ganze Generation war?

Was denkt Dr. Sommer?

Jutta Stiehler hängt immer noch an der "Bravo". 16 Jahre lang hat sie die Fragen von Jugendlichen beantwortet, die bei ihr Rat suchten. Hat jede einzelne ernst genommen. "Aber was seit einiger Zeit in 'Bravo' geschieht, ist überwiegend sexistisch und frauenfeindlich. Das sieht man auch an den Foto-Lovestorys: Die Darstellung der Menschen ist einfach nur dämlich", sagt sie dem stern. "Es gibt kein Frauenbild bei 'Bravo', das ich gutheißen würde. Früher gab es männliche Chefredakteure, die hätten sich nie getraut, so sexistisch zu sein."

Die "Bravo" habe nie den Anspruch gehabt, einen Erziehungsauftrag zu erfüllen, erzählt Stiehler weiter, sie habe immer nur unterhalten wollen. "Dagegen ist auch nichts zu sagen. Aber die Art wie es geschieht, nach dem Motto 'Sex sells', das ist meiner Wahrnehmung nach das Letzte. Wenn die Auflage sinkt, müssen wieder mehr Nackte sein."

Was läuft falsch?

Die "Bravo" erschien 1956 zum ersten Mal, seit 1968 gehört sie zur Bauer Media Group. Der erste Dr. Sommer war ein Mann, Dr. Martin Goldstein, inzwischen beantwortet eine Erzieherin die Fragen der Jugendlichen.

"Ich glaube, das Selbstbewusstsein von 'Bravo' ist sehr, sehr gesunken. Das tut mir so leid. 'Bravo' war wirklich ein supertolles Jugendheft. Und das mehr als 50 Jahre lang", erinnert sich Stiehler. "Für mich war das 16 Jahre lang ein wunderbares Arbeiten und zwar für Jugendliche. Im Moment habe ich den Eindruck, ist es nicht für Jugendliche. Das ist was, von dem Erwachsene meinen, dass Jugendliche es toll finden. Immer anzüglich. Das ist peinlich."

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