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10 Cent pro WC-Gang: Hamburger Schule stößt mit Toilettengebühr-Idee auf heftige Kritik

Hilft eine Toilettengebühr gegen Verschmutzung und Vandalismus? Eine Hamburger Schule erwog diese Idee und sieht sich seitdem erbosten Elternvertretern gegenüber. Auch von der Politik gab es Kritik. Der Schulleiter selbst kann die Aufregung nicht verstehen. 

Blick hinter eine geöffnete Toilettentür

Verschmutzte Toiletten, zerstörtes Inventar: Mit einer Gebühr fürs WC wollte eine Hamburger Schule Vandalismus bekämpfen  - und sieht sich dafür heftiger Kritik ausgesetzt 

Dieser Vorschlag sorgte für Aufregung, mitunter gar Empörung: Um das Problem verschmutzter und zerstörter Sanitäranlagen in den Griff zu bekommen, erwog eine Hamburger Stadtteilschule, für eine Art Sondertoilette mit extra abgestellter Reinigungskraft künftig eine Gebühr von zehn Cent zu erheben. Scharfe Kritik folgte prompt. Von einer inakzeptablen "Zwei-Klassen-Gesellschaft" war schnell die Rede - schließlich sei absehbar, "dass sich nicht jedes Kind die Gebühr werde leisten können", sagte ein Mitglied des Elternrats der "Welt". Es komme überhaupt nicht in Frage, "dass Kinder bezahlen oder schmutzige Toiletten besuchen müssen", zitierte das "Hamburger Abendblatt" einen anderen Elternvertreter.

Matthias Greite, Leiter der betroffenen Irena-Seidler-Schule in Hamburg-Wellingsbüttel, kann die Aufregung indes nicht so richtig verstehen. Dass eine mögliche Toilettengebühr im Rahmen der Schulkonferenz diskutiert wurde, will Greite auf Anfrage des stern nicht dementieren. Dass die Maßnahme aber - wie teilweise berichtet - längst beschlossen sei, stimme nicht. "Es war lediglich eines von mehreren Gedankenmodellen, das wir ausgelotet haben, um dem Problem Abhilfe zu verschaffen", sagt Greite. Dafür habe man vor einiger Zeit eine Projektgruppe mit Vertretern aus Eltern-, Schüler- und Lehrerschaft sowie Schulleitung gebildet, die "unter dem Motto 'Toiletten machen Schule' frei von Denkverboten mögliche Optionen durchspielt".

Bunte Toilette

Den pfleglichen Umgang mit fremdem Eigentum lernen

Ziel dieser Gruppe sei es, den Schülern gemeinsam beizubringen, dass man - da nun mal auch zum eigenen Vorteil - mit fremdem Eigentum pfleglich umgehen sollte. Tatsächlich habe die Schule regelmäßig mit verschmutzten oder durch Vandalismus beschädigten Toiletten zu kämpfen. "Das Problem ist aber nicht größer oder kleiner als an anderen Schulen auch, aber ein beständiges", so Greite, der es deshalb nicht gut fände, "es zu verschweigen". Richtig sei nun mal, dass sich ein kleiner Teil von Schülern über die Situation beschwert habe.

Dass in den Medien nun dennoch von "Luxustoiletten" die Rede sei und das Thema derart hochgekocht werde, sieht Greite vor allem in einer Pressemitteilung der Hamburger Linken begründet. Darin hatte die Fraktionsvorsitzende und schulpolitische Parteisprecherin in der Hamburgischen Bürgerschaft, Sabine Boeddinghaus, neben der Gebührenidee vor allem kritisiert, die Schüler müssten sich im Falle eines Toilettengangs im Unterricht einer "Bedürfnisprüfung" unterziehen. Dass sich Schüler im Beisein der Klasse für ihren Wunsch erklären müssten, sei "inakzeptabel und entwürdigend" und könne zu "Mobbing und Stigmatisierung" führen, schrieb Boeddinghaus.

Idee einer Toilettengebühr ist vom Tisch

Seitens Greite stößt dieser Vorwurf auf Unverständnis, "weil er einfach falsch ist. Natürlich werden Schüler, wenn sie nur zwei Minuten nach der großen Pause auf Toilette müssen, auch mal gefragt, ob sie das nicht vor Unterrichtsbeginn hätten erledigen können. Das passiert dann aber im Einzelgespräch und nicht vor versammelter Klasse".

Von der angedachten Toilettengebühr, Greite selbst hatte in Medienberichten von einem "Obolus" gesprochen, habe man sich inzwischen verabschiedet. "Die Idee ist vom Tisch, weil sie nicht durchsetzbar ist", so der Schulleiter. Stattdessen setze man nun auf bereits bewährte Maßnahmen wie Zeitschlösser an den WC-Anlagen oder Zugangsschlüssel, die die Schüler auf Nachfrage von den Lehrkräften ausgehändigt bekommen.

Dass Greite mit der Idee einer Gebühr kein Neuland betritt, zeigen indes die Beispiele anderer Schulen in Deutschland. Bereits 2010 berichtete die "Süddeutsche Zeitung" von Fällen - vornehmlich in Nordrhein-Westfalen -, wo Schüler fürs Stille Örtchen zur Kasse gebeten wurden. Auch dort regte sich schnell Widerstand seitens der Eltern und zuständiger Behörden.

Der Wellingsbütteler Irena-Sendler-Schule bleibt also zu wünschen, dass ihre Maßnahmen für mehr Sauberkeit und Verantwortung Früchte tragen. Oder dass die Schüler sich auf der Toilette einfach mal so verhalten, wie sie es auch im elterlichen Zuhause tun.


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