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Daddylicious: Kinder, die Sache mit dem Obst

Zusammen mit seiner Frau hat Mark Bourichter wirklich alles versucht, um seinen Sohn für Obst zu begeistern. Aber der Kleine mag es einfach nicht - außer, das Obst kommt in der Tüte daher ...

Die Vorsätze waren da. In Sachen Ernährung. Viel Obst und Gemüse - natürlich alles Bio. Nach dem Stillen möglichst vieles selber kochen und nicht immer auf Kindernahrung aus Gläschen zurückgreifen. Wir wollten die guten Eltern sein, die ihr Kind nach gesundem Menschenverstand ernähren. Wir wollten immer ein paar Obst- und Gemüsesnacks in der Tupperdose mitführen, um auf dem Spielplatz, im Zoo, beim Ponyreiten oder Kinderschwimmen für ausreichend Vitaminzufuhr zu sorgen. Ach, was wäre das schön gewesen. Aber unser Sohn isst kein Obst und keine Rohkost. Wir haben alles versucht. Jetzt hängt er an der Nadel der pürierten Freunde mit den Augen auf der Schale.

Als ich mir überlegt habe, diesen Artikel zu schreiben, poppten bei mir im Kopf schon die Kommentare der Leser auf: "Das ein Kind kein Obst mag, habe ich noch nie gehört", "Wenn Kinder kein Obst mögen, dann liegt das sicherlich nicht an den Kindern - sondern den Eltern!", "Selbst Schuld!". Zu meiner Verteidigung kann ich wirklich sagen, dass wir alles versucht haben. Wir haben Möhren als Sticks geschnitten oder als Scheiben, Gesichter aus Gurke, Tomate, Möhre und Kohlrabi gestaltet oder die Obststücke in Joghurt versenkt. Sie wurden wieder rausgefischt. "Mag ich nicht!" war die Antwort. Das Gesicht verzogen als handele es sich um eine Prüfung im Dschungelcamp. Da sich das bereits abgezeichnet hat, als mein Sohn noch nicht der deutschen Sprache mächtig war, haben wir zu den pürierten Obst-Snacks gegriffen. Mit Erfolg! Für uns und in erster Linie für die Hersteller der Einstiegsdroge für gesunde Ernährung. Quasi die gern genommene Win-Win-Situation.

Wenig später gab es auch schockgefrorenes Trocken-Obst. Himbeeren und Mango. Einen Test war es wert, dachte ich. Und natürlich wurde auch dieses Obst sehr gerne als Ergänzung zur "normalen" Mahlzeit mit Genuss vertilgt. Da wären wir dann bei der Win-Win-Win-Sitaution. 2:1 für den Hersteller. Ich gab mich endgültig geschlagen, als dann auch noch Rosinen ins Programm kamen und ebenfalls Anklang fanden. Klares Konter-Tor. 3:1. Abpfiff.

Auch Apfelringe oder getrocknete Pflaumen stehen mittlerweile hoch im Kurs. Nur eben nicht dieses frische, leckere und saftige Obst in seiner natürlichsten Form. Mein Sohn kauft sogar auf dem Markt mittlerweile selbstständig Obst ein. Mit 2,5 Jahren geht er alleine zu seinem Dealer des Vertrauens. Er werden eine Banane und ein Apfel gekauft. Für Papa. Auf die Frage, ob er denn auch mal probieren möchte, kommt dann jedes mal ein freundliches "Nein Danke!".

Kurz danach dreh´ ich dann immer so einen "Snack" auf. Mindestens drei davon werden täglich vertilgt. Kostenpunkt pro Stück: rund 1 Euro. Ich stelle mir dann immer vor, wie die Gründer unserer Stammmarke auf dem Sechs-Meter-Brett stehen und in ihren Geldspeicher voll Taler springen. Meine Taler.

War in der Vergangenheit der Verbrauch von Wegwerf-Windeln der Indikator für die Pulverisation des Kapitals, so könnte zukünftig der Konsum an Flüssigobst das Maß aller Dinge werden. Bei uns sind das mittlerweile nach Adam Riese rund 100 Euro im Monat. 100 Milliarden Euro geben Eltern pro Jahr für Ihre Kinder aus. Das macht 526 Euro monatlich für jedes Kind. Und rund ein Fünftel soll ich dann für pürierte Bananen ausgeben? Es soll wohl so sein.

Jedenfalls entwickelt sich mein Sohn prächtig. Er ist kerngesund und war in den vergangenen 2,5 Jahren nur einmal krank *klopftmehrmalsaufholz*. Und wenn "diese Dinger" dazu beigetragen haben, dann ist das gut so. Schließlich habe ich ja viele Mücken für Medikamente, Tee oder Erkältungsbäder gespart. Irgendwie muss ich mir das ja schön rechnen.

Ich bin gespannt auf die Kommentare! Gibt es ähnliche "Sonderfälle" in Deutschland? Wem ist das nicht fremd? Und natürlich bin ich gespannt auf die "Häme" oder auf die Tipps, das Zeug selber herzustellen. Wie Walter White. Oder auf die Verwender von Stoffwindeln in Anlehnung an meine Vorliebe für die Einmal-Variante. Ich lehne mich zurück und dreh´ mir eins dieser Dinger auf, die sind nämlich enorm lecker. Ich würde fast behaupten, sie machen süchtig.

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