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Daddylicious: Kinder und Medien? Gib mal Papa den Controller…

Die Daddylicious-Blogger predigen stets, dass Väter "Quality Time" mit ihren Kids verbringen sollen: lesen, spielen, rausgehen. Aber wenn alle im Bett sind, leben sie ihre heimliche Liebe aus.

Da predigen wir fast täglich eine möglichst medienfreie Erziehung unserer Kinder, fordern die in unserem Magazin lesenden Väter auf, Baumhäuser zu bauen, im Tiefschnee zu toben, Bilder zu malen, Geschichten zu lesen und gemeinsam "Quality Time" mit dem Nachwuchs zu verbringen. Und kriegen dann aber bei der Meldung zum 20. Geburtstag der Sony Playstation selbst feuchte Augen vor Rührung. Denn auch für uns war alles mit Strom die verbotene Frucht unserer Jugend. Irgendwie verrückt.

Na klar, wir sind Kinder der Siebziger und Achtziger. Da waren wir nicht gerade verwöhnt in Sachen Elektronik. Fernsteuer-Autos hatten noch Kabel. Telefone auch. Auf der ersten Atari-Konsole haben wir vor dem schwarz-weiß-Röhrenfernseher stundenlang Tennis gespielt. Mit zwei weißen Balken aus 5 fingerdicken Pixeln. Wer total up to date war, hatte dann später einen hellbraunen Commodore 64, zärtlich auch C64, 64er oder Brotkasten gerufen. Mit Summergames auf Datasette. Beim Hürdenlauf und Weitsprung wurden unhandliche Joysticks aufs Übelste malträtiert. Aber es hat Laune gemacht. Ich selbst hatte keine Konsole, daher hab ich bevorzugt einen Kumpel besucht, der daneben sogar noch einen VHS-Videorekorder im Zimmer hatte. Ein echter Medien-Toyboy der Stunde Null.

Meine Konsolen-Spur setzt sich fort, mein jüngerer Bruder brachte mit dem Super Nintendo Anfang der Neunziger dann doch den ersten grauen Kasten ins Haus. Tagelang wurde Zelda am NES-Controller gedaddelt, fast sowas wie ein Open World Spiel. Soweit es die Mama und Papa zuließen. Schon damals gab es Diskussionen um negative Folgen von zuviel Zockerei. Und was war das Ergebnis? Man hat als Kind die Argumentation der Eltern nicht verstanden, sie für altmodisch gehalten, von Freunden erzählt, die das alles dürfen und überhaupt wussten sie offensichtlich einfach nur nicht, was gerade bei den Teenies angesagt ist.

Heute bin ich in der Rolle des Erziehers. Ich habe eine Meinung zu Leuten, die ihren Lütten zur Einschulung ein Handy schenken, die ihre zweijährigen Babys schon die Sesamstraße gucken lassen, deren Kinder am iPad schneller Fotos finden als im Familienalbum...ja, da bin auch ich altmodisch und ein Spießer. Denn Medien sind nur in der richtigen Dosis zu empfehlen. Und die zu finden ist eine der größten Herausforderungen junger Familien.

Warum erzähle ich Euch das alles? Na, weil die Playstation wie Eingangs erwähnt tatsächlich schon 20 Jahre alt wird. Und weil wir dazu auf unserem Väter-Magazin eine Playstation 4 20th Anniversary Limited Edition verlosen. Und weil ich in dem Zusammenhang über die guten alten Zeiten nachgedacht habe. Ohne Kind, ohne Freundin und mit den Eltern aus dem Haus. Nur zusammen mit ein paar Kumpels und einer Pizza vom Service. Und Need for Speed. Und Tekken. Medal of Honor. Grand Theft Auto. Gran Turismo. Splinter Cell. Fifa... Ich kriege Bock, gib mir den Controller. Ach ne, erst mal Kind (und Frau) ins Bett bringen.

Fotos: © Daddylicious

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