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Daddylicious: Punk is Dad – Stimmt das wirklich?

Das Upgrade "Vater" bewirkt bei Männern so einiges. Männer verändern sich ab dem ersten Atemzug des Kindes. Sowohl biologisch als auch psychologisch. Hier ein paar Hormone weniger, da ein paar Endorphine mehr. Stolz paart sich mit Verantwortung, während die Geselligkeit und der Drang nach freier Unbestimmtheit im Nebel des Babypuders verschwinden. Und dann können viele Väter auf einmal durch die Elternzeit mehr Zeit mit der Familie verbringen, bestimmen mit und kümmern sich um Dinge, denen sie vorher nie Beachtung geschenkt haben. Ist das nun gut oder schlecht? Und was denken die Frauen darüber?

Wenn Männer erfahren, dass sie Vater werden, öffnet sich von einer Sekunde auf die andere ein Paralleluniversum. So war es bei mir und vielen Freunden, mit denen ich gesprochen habe. Du registrierst auf einmal, wie viele schwangere Frauen in Deinem Viertel so rumlaufen. Du checkst Kinderwagen nach Form und Größe ab. Du versucht spielende Kinder altersmässig einzuordnen: "Wie alt die blonde Nervensäge wohl ist, die dem kleinen Mädchen die Zöpfe lang zieht. Die ist doch bestimmt schon sechs. Wieso fährt die denn noch Dreirad? Und ab wann können Kinder eigentlich laufen?" Du fragst Dich, wann ihr das erste mal zusammen ein Wochenende mit Zelt, Lagerfeuer und Angel verbringen könnt. Papa und Sohn. Papa und Tochter. Das Stockbrot in der einen und eine Abenteuergeschichte in der anderen Hand. Ich kann nicht angeln und hab auch keine Ahnung wie man einen Fisch fängt. Erst recht nicht, was passieren soll, wenn das Vieh vor mir im Gras liegt. Aber die Angel ist im Kopf. Sie geht auch nicht weg. Du weisst in diesem Moment auch nicht, dass Du darauf noch rund sechs Jahre warten musst. Erst recht, wenn Mama an diesem Wochenende lieber zuhause bleiben soll oder möchte.

Testosteron zum Mitreisen gesucht

Und das ist nur die Vorhut. Ab der Geburt hat auch Dein Körper Kirmes. Ober vielmehr Kirmesabbau. Je nach Blickwinkel. Der Testosteron-Spiegel sinkt um ein Viertel. Je nachdem wieviel Zeit Du mit Deinem Neugeborenen verbringst, sinkt es sogar noch stärker. Das Kuschelhormon Oxytocin bestimmt die Maschine und schaltet ein oder zwei Gänge runter. Es sorgt zudem dafür, dass Du eine enge Bindung zum Nachwuchs aufbaust und festigst. Und Du hältst alles "Gefährliche" von Deiner neuen Familie fern. Doch das Hormon hat auch seine Schattenseiten: Forscher aus Wien stellten fest, dass sich frisch verliebte Meerschweinchen mit erhöhtem Oxytocin-Spiegel die Lage ihres Futterplatzes nicht merken können. Eine Studie in "PNAS-Journal" belegt, dass Rhesusaffen unter Einfluss des "Kuschelhormons" ein Problem mit der Wachsamkeit haben. Planlos und müde nach einer durchfeierten Nacht die Stamm-Dönerbude nicht mehr finden? Zum Glück hat das Leben jetzt andere Prioritäten.

In der neuen Rolle als Versorger nutzt Du Deine zurückgewonnene Energie ein Stück für den Job. Schließlich muss jetzt auch finanziell über den nächsten Gehaltsscheck hinaus geplant werden. Und die Liste der Anschaffungen für die Erstausstattung ist lang. Kinderwagen, Kinderzimmer, Klamotten, Gedöns für die Nahrungsaufnahme und vielleicht sogar ein neues Familienauto muss her. Endlich Volkswagen Caddy fahren. Super! Während die Frauen sich seelisch auf die Geburt vorbereiten, versuchen die meisten Männer diesen Stress von ihnen fernzuhalten. Und siehe da: Es klappt! Sowieso ist Stress ein Fremdwort. Erst recht als Familienvater sind Männer resistenter gegen den Stress. Im Familienverbund schalten Daddys schneller ab und tanken schneller wieder Energie.

Sie nehmen sich Zeit. Zeit für das Wesentliche. Und das ist ab jetzt die Familie. Alles fein? Könnte man meinen aber auch hier liegt der Hase im Auge des Betrachters. Was sagen eigentlich die Frauen über die "neuen" Stubenhocker? Vermissen Sie beim Partner nicht ein wenig die kreative Inkompetenz in Sachen Lebensorganisation? Jetzt wo alles so strukturiert, geplant und machbar organisiert zu sein scheint. Viel weniger Zeit für Freunde, Fussball, Fete und dann noch das silberfarbene Familienauto vor der Doppelhaushälfte. Ist das wirklich Punk? Verbirgt sich unter der babyweichen Schale noch der Typ von früher? Und muss dieser jetzt wirklich alle Kinderlieder so laut singen?

Fragen, die nur die Mamas da draußen beantworten können. Damit verbunden der klare Aufruf zum Dialog. Was ist wirklich nervig an uns und was ist wirklich schön? Was vermisst ihr wirklich und worüber seid ihr froh, dass es unwiderruflich verschwunden ist? Was müssen die Daddys da draußen unbedingt wissen? Vielleicht macht ja die eine oder andere Bloggerin mit? Zum Beispiel Patricia von dasnuf, Franziska von franziskript, Maret von Herzdamengeschichten, Anja von VongutenEltern, Sonja von Mama notes oder Mia von Mama Mia. Andere sind natürlich herzlich eingeladen. Wir sammeln mal unter #punkisdad.

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  • Mark Bourichter
    Mark Bourichter