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Daddylicious: Trotzkopf oder Terrorkrümel – Tipps gegen Wut bei Kindern

Wie kommt man nur dem Psychoterror von Kindern in der Trotzphase bei? Erstmal ganz ruhig bleiben, sagt Kai Bösel, auch wenn's schwerfällt. Für alles weitere hat er konkrete Tipps für ein friedliches Miteinander.

Was ist der häufigste Spruch, der Eltern in schwierigen Situationen entgegengeworfen wird? "Es ist nur eine Phase ...". Das ist ja auch soweit korrekt. Aber so wie die Pubertät teilweise über Jahre für ein turbulentes Miteinander sorgen kann, so können auch schon die ganz Kleinen mit ihrem Willen für mächtig Krawall sorgen. Ablehnung eines Elternteils, Verweigerung der Nahrungsaufnahme, keine Mithilfe beim morgendlichen Ankleiden oder auch das Nichtbefolgen des Einsteigebefehls ins Familienauto können binnen Sekunden für Spannungen sorgen. Wir haben ein paar Tipps für euch.

Wie ist nicht geht, zeigt euch der Terminator Arnold Schwarzenegger in dieser Szene aus seinem Film "Kindergarten Cop", denn Gewalt ist natürlich keine Lösung. Lustig ist der Film im Übrigen trotzdem:

In der Ruhe liegt die Lösung

Was also tun, wenn ihr nicht so richtig vorankommt mit dem holden Nachwuchs? Wichtigster Tipp, ähnlich wie bei anderen Katastrophen: Ruhe bewahren. Klar, das ist einfacher gesagt als getan. Aber gerade bei kleinen bockigen Kindern führt ein verschärfter Ton häufig nur noch zu einer Steigerung des Ärgers. Das habt ihr bestimmt auch schon erlebt: Euer Kind fängt aus einem belanglosen Grund - wenn überhaupt - an zu schreien. Ihr seid davon genervt, versucht mit Ermahnungen zu beruhigen und am Ende brüllt ihr euer Kind an, droht mit Konsequenzen, schickt es zur Beruhigung ins Kinderzimmer oder schaukelt euch durch andere laute Aktionen mit hoch. In dieser Situation klappt das "Mach endlich, sonst ..."-Spiel aber nicht mehr. Denn bei Überreizungen setzt bei Kindern ein Schutzmechanismus ein, der die Anweisungen quasi ungehört verpuffen lässt.

So ein resistentes Verhalten wertet ihr wiederum als respektlose Missachtung eurer recht deutlichen Anweisungen. Und schon ist die gute Stimmung auf beiden Seiten im Keller. Eure Kinder wollen euch persönlich aber gar nicht noch mehr verärgern, sie sind dann eben nur in ihrer ganz eigenen Umgebung versunken und nicht offen für eine Problemlösung.

Zum Ziel von "Peace and Harmony" kommt ihr besonders schnell, wenn ihr beruhigend auf eure Kinder einwirkt. Das erreicht ihr, indem ihr Euch die Situation anguckt, in der sich eure Kinder befinden und sie dann entsprechend abholt. Dabei solltet ihr aber nicht zur Stressvermeidung auf Forderungen eingehen. Wenn zum Beispiel Süßigkeiten im Supermarkt oder zu Hause nicht mehr gegessen werden sollen, dann solltet ihr sie auch nicht zur Vermeidung eines Wutausbruches oder zur Beruhigung am Ende doch noch verteilen. So ein Verhalten festigt sich. Euer Kind lernt, durch spontanes Aufdrehen zum Ziel zu kommen. Drei- und Vierjährige versuchen sowas ganz gern. Manchmal stellt ihr während des Wutanfalls fest, dass die Forderung eures Kindes eigentlich nachvollziehbar ist und ihr vielleicht zu hart entschieden habt. Trotzdem solltet ihr von der ursprünglichen Ansage nicht mehr abweichen. Ihr solltet dem Ärger anders begegnen:

Blickkontakt und Ich-Form

Zuerst einmal ist ein persönlicher Kontakt notwendig. Ruft nicht aus dem Nebenzimmer, diese Botschaft wird den aufgebrachten Stöpsel nicht erreichen. Geht zu eurem Kind, guckt ihm in die Augen, berührt es vielleicht an der Schulter oder haltet die Hand und redet dann mit ruhiger Stimme. Das ist schwer in so einer Situation, ist aber der erste Schritt zum Beruhigen. Was ebenfalls hilft, sind klare Ansagen, am besten in der Ich-Form. Denn die Botschaft: "Ich möchte, dass du deine Sachen in den Schrank räumst" wird mit großer Wahrscheinlichkeit besser verstanden als "Klamotten wegräumen" oder "Räum jetzt deine Sachen ein". Wenn ihr aber merkt, dass ihr in der aktuellen Situation gar nicht durchkommt, dann könnt ihr euer Kind auch eine Weile allein lassen. Erklärt mit ruhiger Stimme, dass ihr den Ärger versteht und euch gern drüber unterhaltet, wenn euer Kind sich beruhigt hat.

Klare Ansagen

In so aufgeheizter Atmosphäre eine Frage zu stellen, ist wenig sinnvoll, denn das bietet dem Gegenüber immer die Chance, auch "nein" zu antworten. Insofern sollte die Ansage nicht lauten: "Räumst du jetzt bitte deinen Kram in den Schrank?", sondern sollte als klare Message mit einer direkten Handlungsanweisung formuliert werden. Also bestenfalls ein Satz wie: "Ich möchte, dass du bitte jetzt alle deine Sachen in den Schrank einräumst."

Konsequentes Handeln

Und der abschließende Hinweis ist eine konsequente Vorgehensweise. Wenn euer Ziel ist, dass Euer Kind seine Klamotten in den Schrank räumt, dann sollte diese Forderung auch bis zur Erledigung bestehen bleiben. Ihr solltet die Bitte weder auf später verschieben, sie komplett aufheben oder sie am Ende vielleicht sogar selbst erledigen. Wenn also die oben genannten Punkte keine Wirkung zeigen, dann wäre es jetzt der richtige Moment für das Aufzeigen einer Konsequenz. Hilfreich ist, wenn die Konsequenz direkt mit der Forderung in Verbindung steht. "Räum jetzt deine Sachen weg, sonst gibt es kein Fernsehen" zieht deutlich weniger als "Räum jetzt deine Sachen weg, sonst können wir nicht zusammen auf dem Boden liegen und ein Buch durchblättern". Bleibt selbst ruhig, sprecht in klaren und kurzen Sätzen und nehmt euch etwas Zeit, um den Ärger runterzufahren.

Klar, das ist alles sehr theoretisch und bestimmt auch kein Allheilmittel. Aber nicht selbst in Rage zu geraten, ruhig zu bleiben und nach einer Lösung zu suchen ist schon mal ein guter erster Ansatz.

Fotos: © Daniela Stärk (Fotolia) // © lassedesignen (Fotolia)

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