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Daddylicious: Warum ich mir insgeheim eine Tochter gewünscht habe…

Natürlich ist die Gesundheit das Wichtigste, wenn es um die Geburt eines Babys geht. Doch Kai Bösel ist ganz ehrlich und gibt zu, dass er sich eine Tochter gewünscht hat. Warum? Weil er mit zwei Brüdern aufgewachsen ist ...

Wahrscheinlich darf man so eine Überschrift gar nicht verwenden. Im Angesicht einer bevorstehenden Geburt ein Geschlecht zu favorisieren, ist sicherlich für viele Menschen ein "no go". Wie oft hört man "hauptsache gesund" auf der Frage "was wird es denn?". Und das ist natürlich auch das Wichtigste. Aber so richtig möchte sich wohl auch kein angehendes Elternpaar davon freimachen, zumindest vorab einmal die Möglichkeiten "Junge" oder "Mädchen" diskutiert zu haben.

So war das auch bei mir. In meiner Patchwork-Familie gab es bereits eine Tochter und einen Sohn und somit keine Verteilung, die mich beeinflusst hat. Allerdings komme ich selbst aus einem testosteronhaltigen Haushalt, denn ich bin der mittlere von drei Brüdern. Ich fand das immer super, hatte jederzeit einen Spielkameraden, ohne das Haus verlassen zu müssen, war im Urlaub nie allein mit dem Erzieherpärchen und konnte auch mal jemanden sanft schubsen, um Dampf abzulassen. Meist saß mein großer Bruder kurz danach triumphierend auf meinem Rücken und fragte mich, wer denn wohl dieses ungleiche Duell gewonnen hätte. Meine Brüder sind die Besten und ich fragte mich oft, wie langweilig es für Einzelkinder sein muss, immer nur allein mit den Eltern zu sein. Mittlerweile weiss ich, dass das gar nicht so ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wir waren also drei Jungs, haben zusammen Sport gemacht, sind nachts um die Häuser gezogen, meine Mutter hat bergeweise Essen zubereitet und etwas mehr als die mütterliche Weiblichkeit kam erst mit den ersten Freundinnen ins Haus. Als ich nun also mit frischen 40 Jahren mein erstes und einziges eigenes Kind erwartete, wünschte ich mir eine Tochter. Ich hatte diese romantische Vorstellung, dass ein süßes zartes Wesen seine kleinen Arme um meinen Hals legt und mir liebevoll "Papa" ins Ohr flüstert. Das war meine Vision. Ich wollte keinen Sohn, um mit ihm Fussball zu spielen, ihm meine Carrera-Bahn zu vererben oder ihm Skateboard fahren beizubringen. Ich wollte Flechtezöpfe machen, mich mit einem Pinsel schminken lassen und mit meiner Tochter zum Pony reiten gehen. Und an alle Gender-Experten: ja, auch Jungen können reiten und Mädchen skateboarden. Das sind nur Beispiele.

Einmal die Woche gehe ich mit Ihr zum Kinderturnen einer Gruppe von Zwei- und Dreijährigen. Und da sind es derzeit eine Handvoll Jungs, die etwas wilder und ruppiger sind und somit regelmäßig von den Müttern und Vätern unter Protest in die Umkleide geschliffen werden. Allerdings ist mir wohl bewusst, dass das Streßkonto beider Geschlechter beim Erreichen des 18. Lebensjahres wahrscheinlich wieder ausgeglichen ist.

Neuerdings ist auch meine Tochter manchmal bockig. Kürzlich sagte sie dann den Satz: "Dann bin ich nicht mehr Deine Tochter". Da musste ich kurz durchatmen, denn damit hatte sie mich erwischt. Aber "es ist nur eine Phase", Ihr Eltern wisst das. Und wenn sie dann schlaftrunken die Arme um meinen Hals legt und "Papa" in mein Ohr flüstert, empfinde ich ein unbeschreibliches Glück. Jeden Tag aufs Neue.

Mein Daddylicious-Kollege Mark hat übrigens auch bereits beschrieben, warum es bei ihm unbedingt ein Sohn werden sollte. Wir sind also auch hier wieder ausgeglichen...

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