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Daddylicious: Wie Väter im Auto für kulturelle Vielfalt sorgen

Rolf Zuckowski - ein Name, der so manchen Eltern die Tränen in die Augen treibt. Mark Bourichter hat ein paar Tipps, wie man den Musikgeschmack der eigenen Kinder verbessern kann.

Zuerst fängt es bei einem selbst an. Frischgebackene Väter müssen wieder Kinderlieder lernen. "Bruder Jakob" ist da noch vermeintlich einfach. Den Biba Butzemann und "Hejo! Spannt den Wagen an" bekommen die meisten auch noch hin. Bei "Horch, was kommt von draußen rein" wird es dann schon schwieriger. Bis ich die Nummer 1 der Einschlaflieder meines Sohnes fehlerfrei drauf hatte, vergingen so einige Monde. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Ab dem 2. Lebensjahr sind viele Väter der Dauerbeschallung überdrüssig und es beginnt die Mission "kulturelle Vielfalt". Wie jede Revolution beginnt es im Kleinen, ganz verschwiegen, in den paar Minuten auf dem Weg zu Kita, zum Schwimmbad oder zu den Großeltern wird im Auto versucht, den Funken der Revolte überspringen zu lassen.

Zuerst einmal sei zu sagen, dass nicht alle Interpreten von Kinderliedern die Ohren beleidigen. Trotz kreativen Stillstands im Genre "Kinderlieder", wo Titan Zuckowski (leider) immer noch das Zepter schwingt. Die restlichen ein Prozent schaffen es, alte Lieder neu zu interpretieren und mit wirklich guter Musik zu untermalen. Hervorzuheben sei hier das Werk "Die schönsten Kinderlieder" von Heike Makatsch und derhundmarie, die mit einem wirklich guten Mix aus Gitarre, Bass und Drums und teils neuen Melodien ein sehr runde Scheibe alter Evergreens abgeliefert haben, die auch Erwachsenen nach unzähligen Repeats nicht die Tränen in die Augen treibt.

Der erste Schritt, sich von seiner eigenen Vergangenheit zu lösen, sind die Bands, die eigene Kinderlieder produzieren. Die Bielefelder Band Randale bietet feinste Rockmusik mit einschlägigen Texten feil. Der Hardrockhase Harald ist der vermeintliche Star der Kinder-Gitarrenmusik. Ein Ohrwurm ist das Biberlied, welches gerne auch mal das abendliche Zähneputzen einläutet. Sie feiern gerade ihr zehnjähriges Jubiläum! Unseren herzlichsten Glückwunsch und bitte weiter so!

Fettes-Brot-DJ Markus Pauli, “Tigerentenclub”-Moderator Lukas Nimscheck und Ex-Echt-Drummer Florian Sump sind das Musiker-Trio DEINE FREUNDE, die mit fetten Beats jede Kinderzimmer-Spieluhr zum Schweigen bringen. Ein Ohrwurm ist Gute-Laune-Gassenhauer "Deine Mudder", der das Tanzbein der Kleinen zum Schwingen bringt. Die Band sagt: „Das Album soll so gut produziert sein, dass auch die Eltern kein Problem damit haben, zu unserem Sound bei heruntergelassener Autoscheibe durch die Stadt zu fahren.“ Recht so!

Und jetzt kommen die Väter, die sich langsam und meist im Auto an ihre eigenen Scheiben wagen. Die sich fragen, wie der Nachwuchs musikalisch wirklich tickt. Green Day-Frontmann Billy Joe gab mal zum besten, dass seine Kids zuhause nur Mainstream-Pop auf die Ohren bekommen, in der Hoffnung, sie rebellierten später mit Punkrock dagegen. Auch eine Strategie, aber auch eine Qual für einen selbst. Das Radio bleibt im Auto meist aus, denn leider beschränkt sich die Einfalt der deutschen Radiolandschaft auf eben nur das eine Genre: Mainstream.

Es gibt viele Videos auf YouTube, die Väter mit ihren Kindern im Auto zeigen, wie sie lauthals zu Iron Maiden, Marilyn Manson oder KORN mitgrölen. Letzteres ist vielleicht nicht so pädagogisch wertvoll und sicherlich eine Eintagsfliege. Aber die eingängigen Rhythmen von Rockbands wie AC/DC, Maiden oder Manowar werden durchaus gerne gehört. "The Jack" von AC/DC wird zum Beispiel auf der Fahrt zur Kita verlangt. Auch "The Crown and the ring" der "Kings of Metal" gehört auf die Lebens-Playlist meines Sohnes. Es sind die ruhigen Songs der sonst eher "lauten" Bands, die durchaus für musikalische Abwechslung sorgen. "Evidence" von Faith No More wird zehn mal hintereinander gefordert, wenn wir länger unterwegs sind. Das Album "King for a day. Fool for a Lifetime" ist übrigens eine der besten Scheiben fürs Autofahren. Mein zweijähriger Sohn hat echt Geschmack!

So oder so ist Musik immer Geschmacksache. Und natürlich versuchen Väter ihrem eigenen Nachwuchs einen Stempel aufzudrücken. Die einen machen das mit Rockmusik, die anderen bevorzugen Reggae, Folk, Hip Hop, Klassik oder Pop. Was letztendlich daraus wird, lässt sich sicherlich nicht stark beeinflussen. Ist letztendlich aber auch völlig egal, solange alle Spaß im Auto haben. Im Hier und Jetzt. Ohne sich Gedanken darüber zu machen, weil es nicht in einem Ratgeber steht.

Was sind Eure Erfahrungen oder wie sieht Eure Playlist aus? Wir freuen uns über Kommentare...

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