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Zu Hause bleiben, Kind mit ins Büro? Diese Rechte haben Eltern beim Kita-Streik


Der angekündigte unbefristete Kita-Streik stellt Eltern vor viele Fragen: Was mache ich, wenn ich arbeiten muss? Darf das Kind mit ins Büro? Darf ich zu Hause bleiben? Wir sagen, was erlaubt ist.
Von Susanne Baller

Ab Freitag streiken in Deutschland 240.000 Erzieher für eine bessere Eingruppierung im Tarif und für eine größere Anerkennung von Menschen, die mit Menschen arbeiten. Das Aufgabenfeld der Erzieher hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt, die Kitas sind zu Bildungseinrichtungen geworden. Hatte eine Kita früher den Ruf einer Fütter- und Versorgestation, wissen Eltern inzwischen genau, was Erzieher alles leisten müssen. Von der individuellen bis hin zur vorschulischen und sprachlichen Förderung der Kinder wissen sie ihre Kinder gut betreut. Der Streik der Erzieher findet daher bei den Eltern grundsätzlich Sympathie, aber stellt sie auch vor große Probleme. Was macht man mit den Kindern, wenn beide Elternteile berufstätig sind? Nicht alle Eltern haben Oma und Opa vor Ort, die gesund und willig genug sind, einzuspringen.

Darf das Kind mit zur Arbeit?

Diese Frage stellt sich eigentlich nur Berufstätigen, die einem Bürojob nachgehen. Es gibt kein pauschales Recht darauf, das Kind mitzunehmen, es muss die Erlaubnis des Arbeitgebers eingeholt werden. Wenn dieser ja sagt, sollten Eltern auch mit den Kollegen besprechen, ob sie sich durch ein Kind im Raum gestört fühlen, weil dadurch größere Ablenkung entsteht. Für einen überschaubaren Zeitraum können sicherlich manche Arbeitnehmer mit Wohlwollen und Verständnis von Chef und Kollegen rechnen, aber zieht sich der Streik über Wochen, braucht es Alternativen - auch dem Kind zuliebe.

Darf ich zu Hause bleiben?

Da es länger als 24 Stunden bekannt ist, dass die Kitas streiken werden, darf man nicht einfach zu Hause bleiben. Das Recht gewährt § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches nur, wenn kurzfristig gestreikt wird, dann wird der Arbeitnehmer "ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert". Und selbst dann muss mit dem Arbeitsgeber abgesprochen werden, ob der individuelle Arbeitsvertrag nichts Gegenteiliges enthält. Auf keinen Fall sollten Sie einfach zu Hause bleiben, das kann ein Kündigungsgrund sein.

Darf ich spontan Urlaub nehmen?

Wenn Sie während des Streiks zu Hause bleiben möchten, können Sie, wie sonst auch, Urlaub beantragen. Sprechen keine wichtigen betrieblichen Gründe dagegen, sollte Ihr Chef Ihnen frei geben. Es muss es allerdings nicht.

Wer zahlt den Babysitter?

Sie können es sich wahrscheinlich denken. Kosten für einen Babysitter tragen allein die Eltern.

Bekomme ich wenigstens die Kita-Gebühren zurück?

Ärgerlich an diesem Streik ist, dass er voll zu Lasten der Eltern geht. Das heißt, die Eltern müssen Kita-Gebühren zahlen, zudem aber eventuell noch alternative Betreuungskosten, falls sie etwa einen Babysitter brauchen. Während die Kommunen während des Streiks keine Gehälter zahlen, fallen also für die Eltern noch zusätzliche Kosten an. Allerdings besteht zwischen Eltern und der Kita ein Betreuungsvertrag, in dem genau geregelt ist, wie lange die Kita maximal geschlossen bleiben darf. Wenn dieser Zeitraum durch den Streik überschritten wird, können Eltern versuchen, einen Teil der Kitagebühren zurückzuverlangen. Dazu müssen sie einen Antrag auf Rückerstattung bei dem jeweiligen Träger einreichen.

Wie überbrücke ich denn nun diese Zeit?

Am besten, Sie denken die Kinderbetreuung von allen Seiten an. Können Sie ein paar Tage von zu Hause aus arbeiten? Haben Sie noch Überstunden, die Sie abbummeln können? Oder Resturlaub? Können Sie mit anderen Eltern ein Rotationsmodell schaffen und wechselseitig für die Kinder da sein? In Hamburg beginnen am Montag die einwöchigen Maiferien, vielleicht finden Sie einen Schüler, der sein Taschengeld aufbessern möchte? Und wenn Sie alles gut geregelt haben, denken Sie daran, dass auch die Eltern bei den Streiks Präsenz zeigen sollten. Die Erzieher brauchen Solidarität und Unterstützung.


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