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Lehrer-Vorurteile Kevin bekommt schlechtere Noten


Vornamen können beeinflussen, wie Lehrer ein Kind benoten. Wer Kevin oder Justin heißt, hat es schwerer als Alexander oder Maximilian. Das berichten Oldenburger Wissenschaftler.

Der Name eines Kindes kann die Notengebung der Lehrer beeinflussen. Das haben Oldenburger Wissenschaftler in einer Studie ermittelt. "Aufgaben, die unter dem Namen Maximilian verfasst wurden, erhielten zum Beispiel eine bessere Bewertung als die gleichen Aufgaben unter dem Namen Kevin", sagt Astrid Kaiser vom Institut für Pädagogik. Die Unterschiede waren allerdings gering - sie machten etwa eine Viertelnote aus.

Für ihre Masterarbeit hatte eine Pädagogikstudentin mehr als 200 Grundschullehrern die schriftlichen Antworten von Kindern auf Aufgaben aus dem Sachunterricht vorgelegt. Diese sollten die Lehrer nach Rechtschreibung, Stil, Inhalt und Gesamtnote auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten.

Bewertungen der Lehrer wichen stark voneinander ab

Die Lösungen stammten immer von denselben Kindern, mal trugen sie aber einen mit Vorurteilen belasteten Vornamen wie Kevin oder Celina, mal einen positiv empfundenen wie Maximilian und Charlotte.

Bei der Auswahl der Namen stützte sich die Studentin auf eine vorangegangene Studie der Oldenburger Arbeitsstelle für Kinderforschung, die gezeigt hatte, dass Lehrer bei bestimmten Vornamen Vorurteile hegen. Damals zeigte sich, dass besonders der Vorname Kevin negative Assoziationen hervorruft - er wird sogar als verhaltensauffällig wahrgenommen. Auch Justin und Maurice sowie die Mädchennamen Chantal und Mandy weckten Vorurteile. Jungen, die Alexander, Maximilian, Simon, Lukas oder Jakob heißen oder Mädchen mit den Namen Charlotte, Sophie oder Marie trauten die Lehrer dagegen mehr zu.

In der aktuellen Arbeit wichen die Bewertungen der Lehrer stark von einander ab, teilweise variierten sie um neun Punkte. Das führt Wissenschaftlerin Kaiser darauf zurück, dass die Notengebung bei offenen gestellten Fragen selten objektiv ist. Zugleich zeigte sich aber auch, dass die Vornamen die Bewertungen zusätzlich beeinflussten. Die war vor allem bei Jungen der Fall.

Jungen werden eher negativ eingeschätzt

"Insgesamt konnten wir feststellen, dass Jungen aufgrund eines vorurteilbehafteten Namens schlechter bewertet werden als Mädchen", sagt die Erziehungswissenschaftlerin. Auch bei der ersten Studie hatten die Testpersonen die weiblichen Vornamen weniger negativ eingeschätzt als die männlichen.

Das lässt sich nach Angaben von Kaiser damit begründen, dass Lehrer generell mehr Vorbehalte gegenüber Jungen haben. Dass diese schlechter in der Schule seien, könnte also nicht nur an ihren Leistungen liegen, sondern auch an der Wahrnehmung der Lehrer, folgert die Professorin.

DPA DPA

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