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Twitter-Diskussion Lehrerin kritisiert Hausaufgabe und löst Genderdebatte aus

Mädchen im Prinzessinnenkostüm im Wald
Klar gibt's kämpfende Prinzessinnen! Sogar in der echten Welt, nicht nur im Märchen.
© Imgorthand/Getty Images
Er hat für die Schule ein Märchen geschrieben und darin eine kämpfende Prinzessin untergebracht. Die Lehrerin kritisierte die Hausaufgabe des Jungen mit einer Randnotiz. Seine Mutter korrigierte die Lehrerin.

Wenn Kinder noch klein sind, denken sie nicht in Kategorien. Sie spielen mit denen, die sie mögen, egal ob Junge oder Mädchen. Sie tragen Kleidung, die ihnen gefällt, egal ob blau oder rosa. Ihr Lieblingsspielzeug wählen sie mit dem Herzen aus und nicht danach, bei welcher Zielgruppe der Hersteller es platzieren möchte.

Und dann kommen die Erwachsenen ins Spiel. Und damit die Klischees, die so schwer zu überwinden sind. Farben bekommen geschlechtsspezifische Bedeutungen, Puppen sind was für Mädchen, Mädchen prügeln sich nicht. Trotz aller feministischen Bemühungen in puncto Gleichstellung halten sich die binären Ansichten, wie ein Junge und wie ein Mädchen zu sein und zu denken und zu empfinden hat, hartnäckig. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis sich daran wieder einmal etwas ändert – so wie damals bei den Farben: Bis in die 1940er Jahre trugen Mädchen Blau und Jungen Rosa.

Wertekonservativ oder reine Lehre?

Bricht mal einer aus, aus den tradierten Denkweisen, wird er dafür kritisiert. So passierte es dem Sohn von Twitter-Userin _setzkasten_, der in seiner Deutsch-Hausaufgabe ein Märchen verfasste und darin eine Prinzessin kämpfen ließ. Er kassierte dafür eine Anmerkung seiner Lehrerin, die im Idealfall nur zu pauschal formuliert ist: "Es passt nicht zu Märchen, dass die Prinzessin kämpft." Wer ahnt schon, dass so etwas viral geht? Die Mutter des Schülers entdeckte die Notiz, fotografierte und veröffentlichte sie und stieß damit eine Diskussion an.

An die Lehrerin schickte sie eine eigene Anmerkung im Heft ihres Sohnes.

Twitter-Diskussion: Lehrerin kritisiert Hausaufgabe und löst Genderdebatte aus
© _setzkasten_/Twitter

Die Verfasserin des Tweets lebt mit ihrer Familie in Bayern, was sämtliche Klischees einer wertekonservativen Erziehung bestätigen könnte. Deshalb wollen wir das mal außen vor lassen. Da wir die exakte Aufgabenstellung für die Hausaufgabe nicht kennen, könnte man zu Gunsten der Lehrerin vermuten, dass sie von ihren Schülern "ein typisches Märchen" lesen wollte. Aber was ist ein typisches Märchen?

Userin kontaktgefühl, die in ihrem Twitter-Account gerne mal einen kritischen Blick auf sexistische Werbung wirft, fällt zu dem Tweet ein Artikel aus der "Cicero" ein, in dem Märchenforscher Heinz Rölleke die Arbeit der Gebrüder Grimm beschreibt. Viel klassischer als Grimm geht es als Vorbild für den Deutschunterricht kaum. Doch selbst Jakob und Wilhelm Grimms Märchen wurden für jede Neufassung ein wenig abgewandelt, damit sie lebendig blieben, lernen wir im "Cicero"-Interview. Röllekes wohl wichtigste Aussage lautet: "Kinder brauchen Märchen. Sie sind wichtig für die kindliche Frühentwicklung. Sie lernen Literatur kennen. Ein Vierjähriger, der Hänsel und Gretel hört, identifiziert sich mit den Kindern. Auf einmal ist da ein Stück Literatur, in das ein Kind förmlich hineinsteigt."

Kämpfende Prinzessinnen bieten genau das: die perfekte Vorlage für Identifikation und Fantasie. Also well done, kleiner Bayer, du hast alles richtig gemacht!

Zeigt auf einem Foto für das US-Magazin Vanity Fair ein bisschen ihrer Brust: Schauspielerin Emma Watson

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