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Hundezucht: Was kommt auf mich zu, wenn ich selbst züchten möchte?

Wenn sie an eine eigene Hundezucht denken, sollten Sie sich fragen: „Warum will ich züchten?“ Das klingt banal, wer aber vorher weiß, was auf einen gewissenhaften Züchter zukommt, lässt es manchmal sogar bleiben. Eine To-do-Liste in fünf Schritten.

Von Philip Alsen

Hundezucht: Was kommt auf mich zu, wenn ich selbst züchten möchte?

Hundezucht bedeutet nicht nur, kuschelige Welpen in den Armen zu halten. Wer selbst züchten will, sollte sich umfassend informieren

Getty Images

Die Vorstellung von Hundewelpen, die sich im eigenen Wohnzimmer kugeln ist verlockend - nicht nur für erfahrene Züchter. Viele Hundebesitzer denken immer mal wieder daran, selbst zu züchten - der Aufwand wird allerdings schnell unterschätzt. Wer sein Haus in einen Hundekindergarten verwandeln möchte, sollte sich gründlich mit der Hundezucht beschäftigen und der Frage auf der Grund gehen, was hinter diesem Wunsch steht. Den meisten reicht schon eine Auflistung der Verpflichtungen, um die eigene Zucht zu überdenken. Eine To-do-Liste in fünf Schritten gibt Ihnen einen Einblick, was auf Neu-Züchter zukommt. 

1. Mitglied im Zuchtverein werden

Die Welt der kontrollierten, verantwortungsbewußten Rassehundezucht ist hierarchisch aufgebaut: Weltweiter Dachverband (mit Ausnahme von Nordamerika und England) ist die FCI, die in Belgien sitzende „Federation Cynologique Internationale“, die in den einzelnen Ländern Verbände, in denen die Zuchtvereine Mitglied sind. Dachverband in Deutschland ist der „Verband für das Deutsche Hundewesen“ (VDH). In ihm sind 175 Rassezuchtverbände organisiert. Beispiel: Wenn sie Französische Bulldoggen züchten möchten, werden Sie Mitglied im „Internationalen Klub für Französische Bulldoggen e.V.“ (IKFB) und sind dadurch automatisch Mitglied im VDH und in der FCI. Frage: „Kann ich nicht auch in einem anderen Verband Mitglied werden?“ Ja natürlich, aber: Von züchterischen Idealen und der Liebe zum Hund mal abgesehen, kann keiner alle Hunde eines Wurfes behalten und wird sie verkaufen wollen. „Mit Papieren zu züchten“ ist da ein Qualitätsmerkmal. Problem: in den vergangenen Jahren haben sich eine Vielzahl von Verbänden gegründet, die teils sehr lockere oder gar keine Zuchtvorschriften haben, und deren Papiere tatsächlich nur ideellen Wert besitzen. Wenn Sie am internationalen Ausstellungswesen teilnehmen möchten, brauchen Sie Papiere der FCI.

2. Die Zuchthündin auswählen

Rassen sind „mensch-gemacht“ und wer züchtet, tut das mit einem gewissen Ziel: Bei Arbeitshunden geht’s um Leistung, in der Schönheitszucht geht’s darum, dem vorgegebenen Standard möglichst nahe zu kommen. Ein hübscher, rassetypischer Hund ist tatsächlich eine züchterische Leistung. Egal wofür Sie sich entscheiden: Ihre Hündin muss den vom Verein vorgegebenen Zuchtvorraussetzungen entsprechen und zur Zucht „gekört“ werden. Bis Ihre Hündin soweit ist, dauert es mindestens 1,5 bis zwei Jahre.

3. Einen Zwinger beantragen

Ist die Hündin gekört, können Sie einen Zwinger beantragen. Das läuft über den Hundeverein. Ist der Papierkram erledigt, bekommen Sie Besuch vom Zuchtwart des Vereins. Er guckt sich die Räumlichkeiten an, denn Welpen brauchen Platz, frische Luft und spätestens ab der dritten Woche (bis dahin stimuliert die Hündin die Verdauung der Welpen, und macht auch „sauber“), kommt die Verdauung der Welpen in Gang und die Welpenbox im Wohnzimmer wird nicht mehr reichen. Ist die sogenannte „Zwinger-Abnahme“ geschafft, könnten Sie Hunde züchten.

4. Einen passenden Rüden finden

Haben Sie bisher vielleicht noch nicht wirklich gewusst was der Hundeverein für Sie tun kann, spätestens jetzt erfahren sie es: bei der Zucht spielen Anlagen eine Rolle, vor allem aber geht es um Gesundheit – und dafür brauchen Sie die Datenbank des Vereins. Denn der Rüde, der ihre Hündin belegen soll, muss äußerlich und "innerlich" passen. Stammbaum, medizinische Daten, erbrachte Leistungen - der hinter den Daten stehende Genpool ist der wahre Schatz der Vereine. Vor der Verpaarung werden so Inzuchtkoeffizienten berechnet und eine Nachkommenanalyse erstellt.

5. Die Welpen kommen

Ist die Hündin belegt, kann der Tierarzt nach drei Wochen sehen ob sie aufgenommen hat, und nach durchschnittlich 63 Tagen fallen die Welpen. Spätestens jetzt müssen sich Züchter damit auseinandersetzen, Welpenkäufer zu finden. Bis zur Abgabe vergehen mindestens acht Wochen, und die sind mit Arbeit angefüllt. Denn die Welpen durchlaufen nach der Geburt verschiedene Phasen, und in jeder ist der Züchter gefragt: Sauber machen, umsorgen, prägen, sozialisieren und für eine gute Zukunft sorgen. Das ist die Arbeit eines Züchters. Vielleicht viel mehr, aber auf keinen Fall weniger.

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