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Wasserknappheit Las Vegas geht das Wasser aus – deshalb gibt es jetzt strikte Regeln

Das Las Vegas-Ortsschild mit der Skyline im Hintergrund bei Dämmerung
Der berühmten Wüstenstadt Las Vegas droht das Wasser auszugehen (Symbolbild)
© LPETTET / Getty Images
Las Vegas, der Casino-Stadt inmitten einer Wüste, geht langsam das Wasser aus. Regeln und Gesetze sollen den Verlust der wertvollsten Ressource bremsen.

Las Vegas gilt als die schillernde Oase in Nevadas staubtrockener Wüste: Neben Casinos, in denen die Besucher:innen Tag und Nacht ihr Vermögen verspielen oder verdoppeln können, weltberühmten Unterhaltungsshows und einer grell erleuchteten Hauptstraße und Lebensader der Stadt, gehören auch andere Kuriositäten wie weitläufige Golfplätze oder ein Nachbau venezianischer Kanäle samt Gondolieres zum Erlebnis Las Vegas dazu. Wer den Spruch "Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas" hört, dem wird schnell klar: Dies ist eine Stadt der Extreme – in vielerlei Hinsicht. Denn dieses funkelnde Eiland passt so gar nicht in seine Umgebung – und bezahlt nun den Preis dafür, eine eigene Welt mitten in einer Wüste aus dem Boden gestampft zu haben. Neben Hitzewellen und Temperaturen um die 47 Grad Celsius im Juli kämpft das Glücksspielparadies schon lange um jeden Tropfen seiner wertvollsten Ressource: Wasser.

Wasserverschwendungsermittler:innen im Einsatz

Einer, der diesen Kampf an vorderster Front mit austrägt, ist Perry Kaye. Er ist einer von 50 Ermittler:innen gegen Wasserverschwendung in Las Vegas. Kaye ist im Einsatz für die örtliche Wasserbehörde, sein Auftrag: auch nur dem kleinsten Fall von Wasserverschwendung nachzugehen. Seine Arbeitsschicht beginnt dabei bereits um vier Uhr morgens: "Viele Leute denken, weil wir Regierungsangestellte sind, sind wir zu dieser Zeit nicht da draußen, aber wir sind rund um die Uhr unterwegs, jeden Tag im Jahr", sagt Kaye dem "Guardian". Seine Arbeit ist dabei in diesem Jahr wichtiger als je zuvor.

Nachdem der Westen Amerikas bereits seit rund zwei Jahrzehnten von Dürren immer weiter ausgetrocknet wird, wurde in Las Vegas im vergangenen Jahr ein neuer Rekord verzeichnet: An mehr als 240 aufeinanderfolgenden Tagen hatte es in der Wüstenstadt nicht geregnet. Der Lake Mead, der riesige Stausee, welcher 90 Prozent des Wassers von Las Vegas zur Verfügung stellt, ist in diesem Sommer auf einen historischen Tiefstand gesunken – er ist kaum zu einem Drittel mit Wasser gefüllt. "Der See wird um diese Zeit nicht voller, also müssen wir jeden einzelnen Tropfen sparen", weiß auch Wasserverschwendungsermittler Perry Kaye.

Aktuell gilt für die Anwohner:innen in Las Vegas: keine Bewässerung zwischen elf und 19 Uhr oder an Sonntagen. Außerdem darf das Wasser, was beispielsweise Landschaftsgärtner:innen zur Pflege akkurater Gartenanlagen nutzen, nicht vom Grundstück abfließen. Wasser, welches auf diese Art verschwendet wird, verdunstet in wenigen Minuten und geht verloren. 80 Dollar Bußgeld kann Perry Kaye in Fällen einer solchen Verschwendung verhängen, die Summe verdoppelt sich dann bei jedem weiteren Vergehen.

Leben in der Wüste: "Wir müssen uns auch so verhalten"

Dass jedoch mehr getan werden muss, um die Ressource Wasser zu schützen, scheint mittlerweile auch auf behördlicher Ebene angekommen zu sein. Im Juni verabschiedete der Bundesstaat Nevada ein Gesetz, das vorsieht, "nicht-funktionale" öffentliche Rasenflächen in Las Vegas wie Gras, das neben Straßen oder auf Kreisverkehren gepflanzt wurde, innerhalb der nächsten fünf Jahre zu entfernen. Auf diese Weise könnten rund zehn Prozent des städtischen Wasserverbrauchs eingespart werden. Auch Perry Kaye hält die Entfernung dieser Grünflächen für sinnvoll: "Die sind einfach verschwenderisch – die einzige Person, die darauf läuft, ist die Person, die sie mäht." 

Auch Hausbesitzer:innen sollen weiter ermutigt werden, Wasser zu sparen: Wer das durstige Gras in seinem Garten durch widerstandsfähigere Wüstenpflanzen und Felsen ersetzt, auf den warten finanzielle Anreize seitens der Stadt. "Wir leben in der Wüste. Wir sind die trockenste Stadt der Vereinigten Staaten, im trockensten Bundesstaat der Vereinigten Staaten", sagt Colby Pellegrino, stellvertretende Managerin für Ressourcen bei der Southern Nevada Water Authority dem "Guardian". "Wir müssen uns auch so verhalten." Sie sei jedoch zuversichtlich, dass weitere Einsparungen möglich seien, und auch das Wasser, welches in den allgegenwärtigen und bei den glühend heißen Temperaturen bitter nötigen Kühlsystemen der Casinos in Las Vegas verwendet wird, soll genauer geprüft werden.

Ausreichende Maßnahmen?

Trotz aller geplanten und bereits umgesetzten Bemühungen zur Einsparung von Wasser ist und bleibt Las Vegas jedoch voraussichtlich dazu verdammt, Zaungast bei seinem eigenen Schicksal zu werden: So hängt die Wasserversorgung der Stadt doch mehr von den Schneemengen ab, die weit entfernt in den Rocky Mountains schmelzen und über den Colorado River transportiert werden, als von einigen gut gemeinten, aber geringfügigen Einsparungen in den Vorstädten.  "Vegas hat schon großartige Dinge getan, wie zum Beispiel das Entfernen des Grases, aber wir haben seit dem Jahr 2000 20 Prozent des Durchflusses des Colorado River verloren und ein weiterer Verlust von zehn Prozent bis 2050 ist durchaus möglich", erklärt Brad Udall, ein Wasser- und Klimawissenschaftler an der Colorado State University, dessen Forschung sich auf die Belastungen des Flusses konzentriert hat, im "Guardian". "Ich befürchte, es könnte sogar noch mehr sein, und das sollte jeden erschrecken."

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Las Vegas bedeutet im Spanischen ironischerweise so viel wie "Die Wiesen", was auf die natürlichen Quellen zurückzuführen ist, die dort vor vielen Jahren entsprangen. Ab den 1960er Jahren waren diese jedoch leer gepumpt und die Stadt musste sich nach neuen Wasserquellen umsehen. Heute ist sich die Wüstenstadt ihrer prekären Lage scheinbar bewusst und versucht ernsthaft etwas zu ändern – an einem Ort, an dem mittlerweile nur noch ein paar Sträucher, Büsche und Steppengräser auf natürliche Weise überleben können. Auch Perry Kaye fügt sich nach mehr als 16 Jahren im Kampf gegen Wasserverschwendung in das Schicksal seiner Stadt: "Ich hatte gehofft, dass ich inzwischen arbeitslos geworden wäre. Aber es sieht so aus, als würde ich zuerst in Rente gehen."

Quelle: "The Guardian"

as

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