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MÜNCHEN: Uni non olet?

Müssen oder nicht müssen, das ist für viele Münchner Studenten die Frage

Müssen oder nicht müssen, das ist für viele Münchner Studenten die Frage

16.00 Uhr, die meisten Germanistikvorlesungen sind vorbei. Doch in den Klos des philologischen Seminars finden sich die traurigen Hinterlassenschaften eines Uni-Tages: meterhoch stapelt sich dreckiges Papier.

Leider nicht nur in den dafür vorgesehenen Mülleimern, von sechs Toiletten sind nur noch zwei überhaupt zu gebrauchen. In den restlichen sorgt ein nicht mehr definierbares Gemisch aus Klorollen und Abfällen dafür, dass das Wasser nicht mehr abfließen kann. »Tobias und Sabine - forever in love« sagt die Edding-Schmiererei, die eine ganze Tür bedeckt. Die Toiletten der LMU sind ein Ort, den jeder Student mal braucht, den aber keiner gerne aufsucht, wenn er mal ehrlich ist.

Wer im Seitenflügel des Hauptgebäudes seinem Bedürfnis entsprechen will, muss schon ein Akrobat sein. Die Toilette ist so klein, dass man sich erst einmal breitbeinig über die Schüssel stellen muss, um die Tür aufzukriegen.

Auch am Geschwister-Scholl-Institut wird der unvermeidliche Gang nicht zum Vergnügen: Wer am Nachmittag noch muss, hat oft Pech. Das herausziehbare Handtuch hängt meist klitschnass und dreckig am Boden, Papier Fehlanzeige.

Ein besonderer Brennpunkt waren bisher die Toiletten des Schweinchenbaus. Drogenabhängige suchten hier ein warmes Plätzchen, um sich ihre Spritze zu setzen. Oft lag benutztes Fixerbesteck herum. Erst mit der Installation einer Blaulichtanlage wurde hier Abhilfe geschaffen.

Die Schuldfrage

Gehen Münchner Studenten besonders sorglos mit öffentlichem Eigentum um? Oder ist einfach zu wenig Geld da, um die Klos gründlich zu reinigen? Klar, dass die Schuldfrage für Zündstoff sorgt. Eindeutig will sich dazu auch kein Vertreter der LMU äußern. »Wir haben eigentlich zu wenig Geld für eine umfassende Reinigung«, gibt Angela Fuß vom Pressereferat zu. Dennoch habe die LMU vor kurzem beschlossen, alle Toiletten in Hörsaalnähe zweimal am Tag zu reinigen, statt nur einmal wie bisher. Doch die Studentenschaft bleibt nicht ganz von Kritik verschont: »Wir haben eindeutig festgestellt, dass die Personaltoiletten viel sauberer sind«, meint Angela Fuß. »Die Situation in den Klos ist manchmal schon extrem, auch Vandalismus gibt es«, bestätigt ein Mitarbeiter der LMU, der für die Auswahl der Reinigungsfirmen zuständig ist. »Aber man sollte sich vor Augen halten, dass die Toiletten von jedem benutzt werden können, Obdachlose und Touristen eingeschlossen.«

Klogebühren oder Wachdienst?

Viel wird sich wohl auch in Zukunft für Münchner Studenten nicht ändern. Die Uni will weder eine Klogebühr verlangen, noch Kontrollen in den Toiletten durchführen. Denn das würde dem Selbstverständnis der LMU als offene und freie Institution widersprechen. Oder auch ihren Geldbeutel zu sehr belasten. Für die Studis bleibt nur ein Weg: Das Klo so verlassen, wie man es zuhause auch machen würde oder auf höhere Stockwerke ausweichen, wo es auch am Nachmittag noch Papier und relativ saubere Toiletten gibt. (ns)

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