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muenster: Von Füxen und Damen

Helenia Monasteria - das Verbindungsleben aus Frauenperspektive

Helenia Monasteria - das Verbindungsleben aus Frauenperspektive

Männlich, katholisch und auf Zimmersuche? Knapp 200 Mark garantieren dem Interessenten ein gediegenes Zuhause, zumindest bei fehlender Antipathie gegen das studentische Verbindungsleben. Studentenverbindung - ein Begriff, den viele mit gesichtsverletzten Studenten assoziieren, die der ersten Strophe des Deutschlandliedes nicht abgeneigt sind. Am eigenen Horizont endet offensichtlich auch der Tellerrand des AStA, der seine Schäfchen schon früh auf den rechten - ähm, eigentlich mehr linken - Pfad der Tugend führen will: »Lasst euch nicht keilen!« tönt es regelmäßig warnend aus dem AStA-Häuschen links vor dem Schloss.

»Der AStA predigt Toleranz und wirft dabei alle Verbindungen in einen Topf«, kritisiert Anna-Katharina Bexten den Studierendenausschuss. »Dabei sind rechtslastige Verbindungen eine Ausnahmeerscheinung, auch wenn die Medien einen anderen Eindruck vermitteln.« Anna-Katharina weiß, wovon sie redet, denn die Kunstgeschichtsstudentin ist verbindungserprobt. Allerdings nicht als schmückendes Beiwerk einer Herrenverbindung, sondern als »Seniora«- also Chefin - der einzigen Studentinnenverbindung Münsters, der Helenia Monasteria . »Mangelndes Wissen ist für viele Vorurteile verantwortlich. Bei uns geht es um die Wahrung der Traditionen und die Pflege der Freundschaft über die Studienzeit hinaus. Wir möchten das studentische Brauchtum wieder aufleben lassen, politischen Extremismus in jeder Form lehnen wir ab.« Mitglied werden kann jede Frau, die an der WWU oder der FH studiert, unabhängig von Konfession und Fachrichtung.

Für das Interesse an einer Damenverbindung sind oft Männer verantwortlich - allerdings nicht die feschen Mittzwanziger der Herrenverbindungen, wie oft unterstellt wird, sondern die Väter der Helenen. Diese sind während ihrer Studienzeit in den Genuss des traditionsreichen Verbindungslebens gekommen. Interesse allein ist für die Mitgliedschaft jedoch lediglich notwendig, aber noch nicht hinreichend: Nach zwei Semestern und einer bestandenen Prüfung wird aus dem »Fux« eine Dame. Bis dahin werden grundlegende Kenntnisse des Verbindungsdaseins vermittelt, wie beispielsweise die Bedeutungen der Verbindungsfarben: Das Silber des Bandes steht für die Wahrheit, Grün für das Münsterland, Gold für die Freundschaft. Nach dem Studium bleibt man der Helenia als »Hohe Dame« dem Lebensbundprinzip gemäß ein Leben lang erhalten.

Die Herrenverbindungen akzeptieren die Damen in unterschiedlicher Art und Weise: In den Augen der einen sind die Damen ein »Lesbenverein«, der das farbige Band als »Tittenteiler« missbraucht. Mit den anderen finden sich die Helenen gern zu Kneipen oder Kommersen ein, laut Anna-Katharina den »geordneten Formen einer Feier.« Und dass es dabei durchaus unverkrampft zugehen kann, zeigen die traditionell in das Kommersbuch eingearbeiteten großen Biernägel: Im Falle einer Bierpfütze sollen sie das in dem Buch enthaltene studentische Liedgut vor dem alkoholischen Nass schützen. (dg)

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