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Studentenproteste: Nackter Akt

Studenten in Bremen wehrten sich pfiffig gegen schlechte Studienbedingungen. Sie ließen die Hüllen für einen Aktkalender fallen. Der Erlös soll eine Bibliothek finanzieren.

Gestreikt haben sie schon, demonstriert ebenfalls. Jetzt gehen Sportstudenten der Universität Bremen einen neuen Weg, um etwas gegen schlechte Studienbedingungen und drohende Gebühren zu unternehmen: Unter dem Motto "Wir geben unser letztes Hemd für die Bildung" lassen sie für einen Foto-Aktkalender alle Hüllen fallen.

Irgendwann bei den Protesten der vergangenen Wochen sei die "fixe Idee" für den Semester-Aktkalender entstanden, erzählt die 24-jährige Sport- und Kunststudentin Nina Juretzek. Das Interesse der Studenten, Modell zu stehen, war groß: "Wir hatten wesentlich mehr Interessenten als auf den Kalender kommen können." Auf den Kalenderblättern turnen die nackten Studentinnen und Studenten am Pferd und im Rhönrad oder posieren mit Diskus und Fussball.

"Einfach kreativ"

Der 23 Jahre alte Sport- und Musikstudent Martin Seyer hält diese Form des Protestes für "einfach kreativ". "Das ist etwas anderes als womöglich randalierend durch die Stadt zu rennen." Auch Christina Behr hat sich entblättert. Sie studiert Religion und Kunst und ist damit die einzige Nicht-Sportlerin in dem Kalender. Mitgemacht hat sie, "weil die Aktion supergut ist und wir damit unsere Message (Botschaft) gut transportieren können", sagt die 23-Jährige. "Dafür bin ich notfalls auch bereit, mich auszuziehen."

Die Botschaft lautet zum Beispiel, dass immer weniger Professoren für immer mehr Studenten da sind. "Mittlerweile haben wir nur noch drei Professoren für 1200 Studierende", sagt Juretzek. Und in der Bibliothek des Fachbereichs seien oft gerade die Bücher ausgeliehen, die die Studierenden brauchen. Mit den Einnahmen aus dem Kalenderverkauf - 19,90 Euro je Exemplar - wollen die Studenten daher eine kleine Präsenzbibliothek mit aktueller Fachliteratur aufbauen.

Damit möglichst viel Geld übrig bleibt, haben die Fotografen bis auf einen Unkostenanteil auf ihr Honorar verzichtet. Bislang liegen laut Juretzek fast 400 Bestellungen vor. Der Kalender umfasst die Zeit von April 2004 bis März 2005, also das nächste Sommer- und Wintersemester. Jedes Monatsblatt ist beidseitig bedruckt - mit einem weiblichen und einem männlichen Akt. "Manche Leute haben gleich zwei Kalender bestellt, damit sie das Frauen- und das Männerbild gleichzeitig aufhängen können", sagt Juretzek.

Ulrich Steinkohl, DPA / DPA
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