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Zukunft: Abi bestanden! Uni gesucht

Immer mehr Unis suchen sich ihre Studenten selbst aus - und dabei zählt nicht nur die Note. Sieben Abiturienten erzählen, wie sie einen Studienplatz ergattert haben.

Benedikt Fraunhofer, 21, Abi-Note: 3,5, Bayern, Leistungskurse: Mathematik und Wirtschaft

"'Hauptsache, du hast den Wisch'", hat mein Vater gesagt. Mit meiner Freundin war Schluss, und ihr neuer Freund saß bei mir im Leistungskurs - ich hatte keine Lust auf Schule. Ich habe lieber mit Freunden in einer Dachkammer Computer zusammengeschraubt und das erste Bürgernetz in unserer Gemeinde gegründet. Das Abi habe ich gerade so bestanden, mit 104 von 100 nötigen Punkten. Und dann war auf einmal ein Numerus clausus auf Informatik. Zum Glück gibt es an der TU München jetzt 'AbiPlus' - Leute mit schlechterem Abi werden zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ein paar Professoren hatten meine Zukunft in der Hand. Sie fragten mich, ob ich mir mit meinen schlechten Englisch- und Mathe-Noten ein Informatikstudium zutraue. Da habe ich ein Informatikfachbuch auf Englisch gezückt, das ich gerade las. Noten sagen doch nichts über das Können eines Menschen aus - wenn mich was interessiert, dann kann ich das auch."

Pia Popal, 20, Note: 2,2, Nordrhein-Westfalen, Leistungskurse: Englisch und Geschichte

"Das Schlimmste ist das Gefühl der eigenen Mittelmäßigkeit. Seit ich in Hamburg Jura studiere, merke ich jeden Tag, dass ich nie gelernt habe zu lernen. An meiner Gesamtschule stand soziales Verhalten im Mittelpunkt. Ich war immer unter den Besten und bin fast ohne Lernen durchs Abi gekommen. Heute denke ich: Man hätte mich ruhig mehr fordern können. Ich musste mir in der Schule nie selbstständig was erarbeiten - an der Uni wird das aber verlangt. Hier drücken sie dir ein paar Zettel in die Hand und lassen dich dann allein. Jetzt übe ich mit einer Kommilitonin, und im nächsten Semester mache ich mir einen Lernplan."

Jörn Kreuzer, 21, Note: 1,9, Baden-Württemberg, Leistungskurse: Geschichte und Mathematik

"Ich wollte unbedingt Geschichte und Journalismus in Karlsruhe studieren, weil die Uni familiär und praxisnah ist. Außer dem Abi musste ich noch ein Motivationsschreiben, die Empfehlung eines Lehrers und einen Essay einreichen. Ich habe kurz entschlossen was über den 11. September zusammengekleistert. Dann kamen noch Aufnahmegespräche in beiden Fächern. Ich habe mich schick angezogen, Pulli und Jeans. Die Journalismusprofessoren kamen sehr zwanghaft rüber, mit steifen Fragen zur Pressefreiheit. In Geschichte gab es erst mal Kaffee, und ich durfte auch Fragen stellen. Ich finde solche Gespräche sinnvoll - einen guten Journalisten oder Historiker erkennt man nicht an der Note. Trotzdem fand ich das Abi wichtig für meine Allgemeinbildung."

Thomas Tritsch, 21, Note: 2,5, Baden-Württemberg, Leistungskurse: Deutsch, Geschichte

"In meinem Semester habe ich noch keinen Studenten getroffen, der ein schlechteres Abi hat als ich. Ich habe immer viel neben der Schule gemacht, mich zum Beispiel parteipolitisch bei den Jusos engagiert und ein Praktikum am Gericht gemacht. Im schriftlichen Mathe-Abi hatte ich null Punkte - und damit auch null Chancen auf mein Wunschfach Psychologie, der NC ist dort zu niedrig. Auch für Jura in Heidelberg war ich eigentlich zu schlecht - aber ich habe ganz gut in einem Test abgeschnitten, den die Uni seit kurzem durchführt. Der Test ist zwar verbesserungswürdig, aber ich glaube schon, dass Leute, die durch Auswahlverfahren an eine Uni kommen, motivierter sind und seltener abbrechen als andere Studenten."

Jeannette Hensler, 23, Note: 2,7, Brandenburg, Leistungskurse: Englisch und Biologie

"Meine Chancen standen 3:1 - im ZVS-Fach Medizin werden immer dreimal so viele Bewerber zum Interview eingeladen, wie Studienplätze zu vergeben sind. Medizin war immer mein Traumfach. Ich hatte schon im Abi Fächer gewählt, von denen ich dachte, ich könne sie später im Studium brauchen - Biologie, Latein, Englisch. Für das Aufnahmegespräch an der HU Berlin habe ich mich komplett neu eingekleidet und mit Hilfe von Büchern trainiert. Freunden habe ich probeweise Vorträge über Medizin gehalten. Im Interview war ich dann trotzdem furchtbar nervös. Erst habe ich nur gestottert, aber dann hat doch alles gut geklappt. Die haben gemerkt, dass ich Medizin nicht nur aus Prestigegründen studieren will."

Hannah Kopietz, 21, Note: 1,9, Baden-Württemberg, Leistungskurse: Englisch und Deutsch

"Mein Abi war klasse! An unserer Waldorfschule musste man ständig Referate halten und eine 'Jahresarbeit' von 80 Seiten abgeben. Mein Thema war Hermann Hesse, mein Betreuungslehrer hat mir erklärt, wie man wissenschaftlich arbeitet. Als an der Uni die anderen Geschichtsstudenten rätselten, wie man eine Fußnote setzt, konnte ich es ihnen erklären. Ich habe auch am Anfang als Einzige laut gesagt, dass ich etwas nicht verstanden habe. Dann riefen die anderen auf einmal: 'Wir kapieren's auch nicht.' Viele wollen nicht als Dummchen dastehen und machen alles mit sich aus. Dabei kommt man als Einzelkämpfer an der FU Berlin nicht weit. In den Schulen müsste es mehr Teamarbeit geben und weniger Notendruck auf den Einzelnen."

Victoria Rietig, 21, Note: 1,0, Baden-Württemberg, Leistungskurse: Englisch und Geschichte

"Ich dachte, mit einem 1,0-Abi aus dem Pisa-Musterländle Baden-Württemberg kann mir nichts passieren. Doch dann stand ich in meinem ersten Semester Nordamerikanistik an der FU Berlin ganz erschlagen vor riesigen weiten Bücherwänden. Bei meiner ersten Hausarbeit packte mich die Panik - an meinem Gymnasium musste ich nie einen Text über mehr als drei Seiten abgeben. Jetzt mache ich den Kurs 'Systematisch studieren' der Studienberatung und lerne, wie man ein Studium organisiert und wissenschaftlich arbeitet. Ich finde es gut, wenn die Abi-Note nicht mehr das einzige Kriterium bei der Studienplatzvergabe ist. Bis jetzt war man zu notenfixiert und hat die Fächer in der Schule gewählt, die man gut kann, nicht unbedingt die, die einen wirklich interessieren."

Nikola Sellmair / print

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.