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Speed-Dating in S-Bahn: Zwölf Dates in zwei Stunden

72 Singles probierten jetzt in Stuttgart das "S-Bahn-Dating" aus. Beim Speed-Dating in herzverzierten und mit roten Rosen geschmückten Waggons hatten die Kandidaten gerade mal zwei Stationen Zeit, um die wichtigsten Fragen zu stellen.

Nervöse Finger umklammern dankbar den Stiel des Sektglases. Ein bisschen Mut antrinken muss schon sein. Mit prüfenden Blicken werden die Umstehenden gemustert. An der S-Bahn- Haltestelle im Stuttgarter Westen bilden sich schnell kleine Gruppen. Noch bleiben Männer und Frauen jeweils unter sich. Erwartungsvolle Spannung liegt in der Luft. Einige Teilnehmer haben den Film "Shoppen" gesehen, der gerade in den Kinos läuft und eine noch relativ neue Form der Kontaktaufnahme behandelt: das "Speed Dating". Und jetzt sind sie selbst dabei: Unter dem Motto "Flirten leicht gemacht" stellten sich 72 mutige Singles der Herausforderung des ersten "S-Bahn-Datings" in Stuttgart.

Sybille (23) hat kurze schwarze Haare und ist modisch gekleidet. Sie hat sich keinen Plan zurecht gelegt, sie will einfach einen schönen Abend haben. Doch wer von ihr ein "Ja" bekommen will, muss schon etwas bieten. "Die Optik wird eine große Rolle spielen", gibt sie lächelnd zu. "Sympathisch muss er sein und die gleichen Interessen haben."

So locker sehen es nicht alle. Inge ist 44 und will nicht mehr alleine sein. Eigentlich sei sie sehr schüchtern, sagt sie und wischt sich verlegen die schwitzigen Hände an der Jeans ab. "Aber ich werde es schon hinkriegen", meint sie zuversichtlich, als die S-Bahn einfährt: An die regulären Waggons sind drei weitere für die Flirtenden angehängt worden. Ihre Fenster zieren Herzen, innen sorgen rote Rosen für die richtige Stimmung.

Flirten auf Kommando

In drei Altersgruppen werden die Teilnehmer auf die Waggons verteilt und sofort geht es los: Auf die Plätze, fertig, Flirt! Zwei Haltestellen haben die Pärchen Zeit, um sich näher kennen zu lernen. Dann müssen die Männer zur nächsten Dame und das Spiel beginnt von neuem. Viel Zeit für Charakterstudien bleibt nicht. Nach der Eisbrecherfrage: "Warum machst du denn hier mit?", sind Hobbys und Beruf die beherrschenden Themen.

Mancher Mann ist selbstbewusst, geht aus sich heraus und möchte am liebsten das Herz jeder einzelnen Dame im Sturm erobern. Andere sind so aufgeregt, dass sie vergessen, ihrem ersten "Date" die vorgesehene rote Rose zu geben. Und es kann noch schlimmer kommen: Dem 56 Jahre alten Ewald, einem ehemaligen Lokalpolitiker, verschlägt es bei der ersten Dame schlichtweg die Sprache. "Ich war wie blockiert."

Zwölf Dates in zwei Stunden

Auf die Sekunde spontan, witzig und charmant zu sein, ist eben gar nicht so leicht. Manchmal kommt die Aufforderung "Bitte Plätze tauschen" viel zu schnell und zuweilen wird sie schon sehnsüchtig erwartet. Für die meisten vergehen die zwölf "Dates" in knapp zwei Stunden aber wie im Flug. Bei der Ankunft am Stuttgarter Hauptbahnhof ist der Abend für die "Speed-Dater" aber noch nicht vorbei. Nachdem die Karten eingesammelt sind, auf denen die Singles angekreuzt haben, wen sie wiedersehen möchten und wen nicht, geht es zur Party im Bahnhofsturm. Bei Klaviermusik wird eifrig weiter geflirtet.

Bei Christin und Thorsten hat die Chemie gestimmt. "Ich habe nur ein Ja gegeben, wenn es charakterlich gepasst hat und die Sympathie da war", erklärt Christin. Die beiden werden sich wiedersehen, denn auf ihren Karten haben sie das gleiche angekreuzt: "Ja".

Catherine Simon/DPA / DPA
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