HOME

Fette Sachen!

Durch Manipulation und Übertreibung treten die Zustände manchmal klarer zutage. Die türkische Fotokünstlerin Nur Gürel hält in ihrem Projekt "Toy With Proportions" dem Sexismus der Konsumgesellschaft den Spiegel vor.

Fotografie kann vieles: Sie kann die Realität abbilden, die Fantasie beflügeln, sie kann Schönheit produziert. Oder aber sie kann auf gesellschaftliche Misstände hinweisen. Im besten Falle gelingt ihr alles gleichzeitig. 

Das Schaffen der türkischen Fotokünstlerin Nur Gürel lässt sich ganz klar der gesellschaftskritischen Kunst zuordnen. Das lässt sich gut an ihrer Serie "Toy With Proportions" erkennen. Darin knöpft sich Gürel die Inszenierung und das gängige Schönheitsideal von Frauen in Magazinen vor. In Abkehr der realistischen Fotografie, die lediglich die Wirklichkeit und damit die gesellschaftlichen Machtverhältnisse reproduziert, greift die Türkin gezielt in die Darstellung ein und verändert die Originalmotive mithilfe manipulativer Verfahren. Nur Gürel bedient sich besonders gerne der Übertreibung, um Konstraste herauszustreichen: Sie trägt im wahrsten Sinn des Wortes dick auf.

Nur Günel trägt in "Toy with Proportions" dick auf

Grundlage ihrer Serie war die Darstellung von Frauen in verschiedenen Magazinen. Die entsprachen fast alle dem gleichen Schönheitsideal: schlank, in erotischer Pose und mit viel Haut. So sahen die Models zumindest vor Gürels Eingriffen aus. Ihr Vorgehen beschreibt die Künstlerin selbst so: "I made very sexy women a bit fatter". Dazu verwendete sie Ölfarbe, die sie auf die Magazinseiten auftrug. 

Nur Gurel studierte an der Istanbul Anatolian Fine Arts High School sowie am Department of Arts at Mimar Sinan Fine Arts University. Ihr Schaffen war von Anfang an geprägt von dem Interesse daran, wie sich die Konsumgesellschaft auf das Zusammenleben und die Identitäten auswirkt. Immer wieder zielt sie auf einen größtmöglichen Kontrast ab, um der Botschaft ihrer Bilder die entsprechende Wucht und Klarheit zu verschaffen. So auch bei "Toy With Proportions": Was vorher besonders dünn war, wirkt nach ihrer Bearbeitung recht üppig. Und doch wohnt ihren manipulierten Bildern eine eigentümliche Schönheit inne. Wer sagt denn, dass gesellschaftlich relevante Kunst nicht auch schön sein kann?

che

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren