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Kuscheltier-Installation: Geschmust, geschlachtet, aufgehängt

Frauen finden es gemein, Männer lachen - die ersten Reaktionen auf das irritierende Schaufenster der Kunstgalerie sind immer gleich. Miroslav Menschenkind verleiht der Ausstellung den Plüschfaktor.

Plötzlich passt alles zusammen: Der Künstlername Menschenkind, das Ausstellungsthema "auf_hängen", die Tatsache, dass dieser Teil der 1886 fertiggestellten Hamburger Münzburg tatsächlich früher eine Schlachterei war. Dass das oberste Stockwerk damals der Bürgermeister bewohnt hat, tut hier allerdings nichts zur Sache.

Bis zum 2. März 2014 zeigen zwölf Künstlerteams in der xpon-art gallery ihre "auf_hängen"-Exponate, doch der von Miroslav Menschenkind gestaltete Empfangsraum, der ein großes Schaufenster zur Straße hat, lässt die Leute auf dem Bürgersteig stehenbleiben: Kopflose Kuscheltiere hängen dort aufgereiht an Schlachterhaken, so, als sollten ihre Körper zum späteren Verzehr angeboten werden.

Menschenkind selbst ist zwar seit vielen Jahren Vegetarier, doch mit den plüschigen Spielgenossen aus seiner Kindheit, die er vom Dachboden seiner Eltern geholt hat, kannte er kein Erbarmen. Mit denen seines Bruders ebensowenig. Und ein Spendenaufruf über Facebook brachte Berge weiterer abgelegter Stofftiere zusammen, sodass der Künstler noch immer über einen gewaltigen Fundus verfügt. "Für die Ausstellung habe ich natürlich nur Tiere verwendet, zu denen keinerlei emotionale Bindung mehr bestand", beteuert Menschenkind. "Viele Leute haben noch Kuscheltiere zu Hause, die sie nicht wegschmeißen möchten; aber an Kinderheime oder ähnliche Institutionen darf man sie in Deutschland auch nicht spenden."

Der Hund vorne rechts war einmal in Menschenkinds eigenem Besitz, nun hängt er an einem Haken, den einst sein Großvater, der Schlachter war, nutzte.