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Pulitzerpreis: Höchste Auszeichnung für Katrina-Berichte

Zwei Regionalzeitungen haben für ihre einfühlsame Berichterstattung über Hurrikan Katrina den höchsten Pulitzerpreis gewonnen. Die "Washington Post" stellte dagegen einen neuen Rekord auf.

Das Pulitzer-Komitee der Columbia-Universität in New York hat zwei Regionalzeitungen für ihren "Dienst an der Öffentlichkeit" die Goldmedaille zuerkannt, die nur in dieser Kategorie vergeben wird. "The Times-Picayune" in New Orleans und "Sun Herald" in Biloxi im US-Bundesstaat Mississippi hatten ihren Lesern nicht nur ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung geboten. Sie hätten den Not leidenden Menschen am Golf von Mexiko trotz widrigster Umstände geholfen, Angehörige wieder zu finden und dringend benötige Unterstützung zu bekommen, begründete die Jury ihre Entscheidung am Montag (Ortszeit).

"The Times-Picayune" war am 30. August 2005 von der Flut aus ihrer Redaktion vertrieben worden und richtete sich behelfsmäßig in Baton Rouge ein, mehr als 120 Kilometer von New Orleans entfernt. Die Nachricht von der Pulitzer-Medaille und einem zweiten Preis in der Kategorie "Breaking News" löste bei den Journalisten der Zeitung am Montagabend dankbaren Applaus und Tränen aus.

Gedämpfte Freude

Gefeiert wurde mit Tee und Keksen. Angesichts der Tragödie vor einem guten halben Jahr, bei der nach derzeitiger Schätzung etwa 1600 Menschen starben und Hunderttausende obdachlos wurden, seien Sekt und Konfetti fehl am Platz, erläuterte einer der Herausgeber. Das Blatt hatte nicht einen Erscheinungstag verpasst und ist inzwischen wieder bei zwei Dritteln seiner ursprünglichen Tagesauflage von 269.000 Exemplaren angekommen.

Den Rekord von vier Pulitzerpreisen stellte in diesem Jahr die "Washington Post" auf. Er ist gleichzeitig ein Rekord des liberalen Hauptstadtblattes, das noch nie so viele Auszeichnungen auf ein Mal gewonnen hatte. Die Jury würdigte seine Berichterstattung über geheime CIA-Gefängnisse außerhalb der USA sowie die Aufdeckung der Bestechungspraktiken des republikanischen Lobbyisten Jack Abramoff. Eine Serie über Washingtons Bemühen, Jemen zu demokratisieren, wurde ebenfalls belohnt.

Reportage über Bespitzelung ausgezeichnet

Die "New York Times", ebenfalls ein Flaggschiff des liberalen Journalismus, darf sich über drei der begehrten US-Medienpreise freuen. In der Kategorie "Nationale Reportage" gewann die Zeitung mit ihren Berichten über Washingtons Bespitzelung von US-Bürgern unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung. In der Kategorie "Internationale Reportage" machte sich die "New York Times" mit ihrer Schilderung des Justizwesens in China verdient. Ein Kommentator der Zeitung, Nicholas Kristof, kam mit seinen aufrüttelnden Worten zum Genozid in der sudanesischen Krisenprovinz Darfur zu einem Preis.

Die mit je 10.000 Dollar dotierten Auszeichnungen für herausragende Leistungen im Journalismus sowie in Kunst und Kultur sind nach ihrem Stifter, dem Journalisten und Verleger Joseph Pulitzer (1847-1911), benannt.

DPA