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Reportage: "Joop Swart Masterclass"

"World Press Photo", berühmt für seinen jährlichen Preis des besten Pressefotos, veranstaltet einmal im Jahr die "Joop Swart Masterclass". stern.de war als erstes Medium bei einer Masterclass anwesend und gibt einen Einblick in die exklusive Veranstaltung.

Der Raum im Künstlerverein "Arti et Amicitiae" in der Nähe des Amsterdamer Bahnhofes ist weiß getüncht und kahl, mit einem Oberlicht. Unten auf den provisorischen Holztischen liegen die Fotomappen der auserwählten Fotografen, an den Wänden kleben ihre Fotoserien. Die "Joop Swart Masterclass" der World Press Photo - Organisation hat fünf Tage die Räumlichkeiten gemietet und veranstaltet einen Workshop der besonderen Art.

World Press Photo, berühmt für seinen jährlichen Preis des besten Pressefoto, unterstützt und fördert seit 1994 den Nachwuchs im Bereich des Fotojournalismus und veranstaltet einmal im Jahr die "Joop Swart Masterclass", benannt nach dem letzten Vorsitzenden von World Press Photo. Bewerben können sich die Fotografen für diese exklusive Veranstaltung nicht, sie werden empfohlen. World Press Photo hat dafür die Welt in 18 geografische Zonen eingeteilt und so genannte Professionals, wie Bildredakteure, Fotografen und Artdirektoren, beobachten in ihrer täglichen Arbeit junge Fotografen, die sie dann World Press Photo vorschlagen. In der ersten Instanz kommen 115 Fotografen in die Auswahl, die gebeten werden, ihre Portfolios einzureichen. Bei der jährlichen Verleihung des World Press Preises im April in Amsterdam sucht eine Jury die besten zwölf Jung- Fotografen aus, die an der Masterclass teilnehmen dürfen.

Der Begriff "Jung-Fotografen" mag irreführend sein, denn es handelt sich hier nicht um Anfänger im herkömmlichen Sinne. Jeder dieser Fotografen und Fotografinnen arbeitet seit Jahren auf einem professionellen Niveau, ist aber trotzdem noch am Anfang seiner Laufbahn und hat die 30 Jahre nicht überschritten. Ziel ist es, die Fotografen auf ihrem Weg zu unterstützen, ihnen wertvolle Informationen bezüglich ihrer Arbeitsweise, Auswahl der Themen aber auch ihrer Vermarktung zu geben. Deshalb sind bei dem Workshop auch sieben Master anwesend, die seit Jahren in den verschiedensten Bereichen der Fotografie tätig sind und mit ihrer Erfahrung den jungen Fotografen wertvolle Tipps geben können. Jede Masterclass hat ein vorgegebenes Thema, dieses Jahr ist es der Begriff "Ordinary". Die Fotografen hatten sechs Monate Zeit, sich mit diesem Thema fotografisches auseinanderzusetzen. Den Fotografen ist dabei größtmögliche Freiheit bei der Themenwahl gegeben worden.

So konnte sich jeder seiner persönlichen Arbeit widmen und die Ergebnisse spiegeln die unterschiedlichen Ansätze der Fotografen wider. Alfredo D'Amato fotografierte afrikanische Flüchtlinge in Sizilien, Lana Slezic porträtierte Frauen in Afghanistan, Ashley Gilbertson nahm sich das alltägliche Leben in New York zum Thema und Mauricio Lima begleitete einen Pappkarton-Sammler in Brasilien.

Die Ergebnisse ihrer Arbeiten hängen an den Wänden und die Master setzen sich in dieser Woche abwechselnd mit den Fotografen zusammen und besprechen in Einzelgesprächen ihre Arbeiten aber auch ihre gesamten Portfolios. Diese Gespräche sind mitunter sehr emotional, denn die Kritik der Master ist manchmal schonungslos.

Die Reportagen sind Geschichten, die den Fotografen teilweise sehr nahe gehen. Sie haben die Themen aus persönlichem Interesse gewählt. Doch es ist für den Fotografen wichtig zu wissen, wie in der Praxis Bildredakteure, Kuratoren und Artdirektoren die Arbeiten im Gesamt-Kontext sehen. Der Fotograf möchte natürlich seine Fotos veröffentlichen, schließlich muss er ja auch seinen Lebensunterhalt bestreiten. Doch die Ansprüche und Anforderungen der "Weiterverwerter" sind unterschiedlich. Ein Kurator, der eine Ausstellung vorbereitet, sieht eine Fotostrecke anders als ein Bildredakteur, der die Fotos unter Berücksichtigung eines Layouts und eines dazugehörigen Textes beurteilen muss. Um diese und ähnliche Themen geht es auch in den Vorträgen, die die Master in dieser Woche halten. Da spricht beispielsweise der World-Press Gewinner und Fotograf Anthony Suau über sein fotografisches Leben und sein neues Buchprojekt. Emma Reeves, Fotodirektorin von „Another Magazine“ referiert über ihr neues Lifestyle-Magazin und Marta Gili, Kuratorin der Masterclass-Ausstellung, gibt Einblick in ihr Leben als Kuratorin.

Die Anforderungen an die Fotografen sind vielfältig und sie müssen in ihrer Arbeit -und Denkweise flexibel sein. Um als Fotojournalist zu arbeiten, reicht es nicht, eine Idee zu haben und talentiert zu sein. Man muss sich auch vermarkten können und Abnehmer für seine Projekt finden. Dabei spielen neue kleine und innovative Magazine und vor allen Dingen das Internet eine immer größere Rolle.

Die Medienlandschaft hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Die Flut der Bilder überschwemmt den Zuschauer, jedes Ereignis auch im entfernten Winkel der Welt wird dokumentiert und erst die Medienpräsenz macht eine Katastrophe wie den Tsunami oder die Überschwemmungen in New Orleans zu einem globalen Ereignis. Es ist wichtig, diese Geschichten zu erzählen denn nur dadurch können wir Anteil nehmen an dem Schicksal der Menschen. Und es gibt viele ambitionierte Fotografen wie diese zwölf aus der Masterclass, die bereit sind, diese Geschichten zu erzählen.

Die "Joop Swart Masterclass" wurde mit einer Ausstellung in den Räumen des Künstlerverein "Arti et Amicitiae" abgeschlossen, die noch bis 30. Dezember 2005 für interessierte Besucher geöffnet ist.

www.worldpressphoto.nl

Dirk Claus
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