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Berliner Fashionweek: Joop Mode im Nazibau


Das Modelabel Joop hat seine Herrenkollektion vorgestellt – in einer außergewöhnlichen Location, dem Berliner Olympiastadion. Damit war Chefdesigner Dirk Schönberger bereits der zweite, der seine Kleider in einem Nazibau präsentierte.

Naziarchitektur die zweite: Nachdem bereits Hugo seine Kollektion im 1934 erbauten Flughafen in Tempelhof gezeigt hatte, nutzte Joop-Designer Dirk Schönberger die unheimlich anmutende Funktionalität der Tiefgarage des Berliner Olympiastadions. Dort war es so düster, dass seine Models wie Lichtgestalten durch die Scheinwerferkegel marschierten. Und das durchaus symbolisch: Immerhin taufte Schönberger seine Kollektion "Neu Bauhaus" – und der Bauhaus-Stil wurde unter den Nazis einst verboten.

Auch bei Joop waren die Farben gedeckt. Ein Motto bei der Berliner Fashion Week scheint zu lauten: drei Farben Grau. Klarheit, Strenge und Geometrie sind die Markenzeichen seiner Männermode. Nie aus Schönbergers Blickpunkt rückt dabei das Kriterium der Verkaufbarkeit. Immerhin muss die Marke Joop seit ihrer endgültigen Trennung von Firmengründer Wolfgang 2001 ihre Rentabilität beweisen, heißt: Die Kleider müssen tragbar und verkaufbar sein.

Bisher beste Inszenierung

Und das waren sie. Auffällig waren doppelreihige Jacketts und geräumige Bundfaltenhosen, Capes oder Rollkragen, die fast bis an die Ohren reichten. Als Accessoires dienten lange Schals und Handschuhe. Schönberger zeigte viel Grau, Blau und Schwarz. Mancher fühlte sich an die Show von Hugo Boss erinnert. Als gesicherter Trend gilt: Männer kombinieren Blau und Schwarz.

Die Show im Inneren des Stadions lockte einige Prominenz an, darunter Schauspieler wie Kostja Ullmann, Anna Maria Mühe, Nadja Uhl und Ben Becker. "Ich guck mal, ob ich hier einen Anzug finde, der mir gefällt", sagte Becker, der mit Melone und blaugetönter Sonnenbrille kam. Und eher uninteressiert mit seinem Hintermann plauderte. Unterlegt war die Show mit harten, elektronischen Beats, die Models traten durch ein Feld aus violetten Neonröhren auf den Catwalk. Die Inszenierung war sicherlich die bisher beeindruckendste der Modewoche, da vergaß man gern die eisigen Temperaturen im Kellergewölbe.

Raucher durften drin bleiben

Und auch die Location für die After-Show-Party konnte sich sehen lassen: In den VIP-Räumen des Olympiastadions trafen sich all jene, die nicht zum Strenesse-Dinner weitereilen musste. Wer blieb, wurde mit dem Blick auf die imposante Stadionkulisse entlohnt. Und musste sich zum Rauchen nur auf die mit Heizpilzen erwärmten Ränge setzen.

Die Berliner Fashion Week endet am Donnerstag. Am Dienstag stehen Schauen der Kunsthochschule Weißensee, von Marcel Ostertag, Macqua und Sinemus auf dem Programm. Michael Michalsky, ein weiterer deutscher Designhöhepunkt, lädt zur Show in das Kulturforum am Potsdamer Platz.

pie, DPA DPA

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