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Fashion Week Berlin Schönbergers unschöner Abgang bei Joop


Es war der erste Tag der Berliner Fashion Week und der letzte offizielle Arbeitstag für ihn: Der scheidende Designer Dirk Schönberger zeigte am Mittwochabend seine letzte Kollektion für Joop. Doch statt zum gefeierten Abschied geriet die Show in der Neuen Nationalgalerie zum Debakel.
Von Jens Maier, Berlin

Gespenstische Ruhe herrschte, wo sonst tosender Applaus üblich ist. Die geladenen Zuschauer, die die Modenschau in der großen Halle des modernen Museumbaus an der Potsdamer Straße im Stehen verfolgt hatten, wirken am Ende der Kollektionspräsentation ratlos und verstört. Das leise Klatschen, es geschieht offenbar nur aus Höflichkeit, kann das Getuschel im Raum kaum übertönen: Das soll's gewesen sein?

In knapp 15 Minuten zeigten blass geschminkte Models im Vampir-Style, wie bei Joop der Winter 2010/2011 aussehen soll. Es war die letzte Kollektion aus der Feder des Designers Dirk Schönberger, der im Dezember seinen Weggang verkündet hatte. Männer tragen wieder Hochwasser in den Hosen und geben in dunkel gehaltenen und schmal geschnittenen Anzügen den Blick auf bunte und farblich auf das Hemd abgestimmte Socken frei. Frauen setzen mit gold schimmernden Glitzerjäckchen und seidig glänzenden Ballonröcken Farbakzente.

Den Vorwurf, nicht tragbar zu sein, muss sich diese Mode nicht gefallen lassen. Doch wo ist die verspielte Leichtigkeit des einst gefeierten Nachwuchsdesigners Schönberger hin? Nichts ist geblieben von der Opulenz, die er noch im Sommer 2008 bei seiner Show im Berliner Szeneclub Berghain zeigte. Es scheint fast so, als sei die Experimentierfreude Schönbergers dem Rotstift der Anteilseigner zum Opfer gefallen.

Gerüchteküche brodelt

Dass sich der sonst erfolgsverwöhnte Designer, der sich einst als Assistent des Belgiers Dirk Bikkembergs einen Namen gemacht hatte, am Ende seiner letzten Show für Joop nicht mal mehr auf dem Laufsteg dem Publikum zeigte, nährt zudem die Gerüchteküche über die Beweggründe seiner Kündigung als Kreativ-Direktor bei Joop. In der offiziellen Broschüre der Fashion Week, in der alle Designer gelistet sind, verschweigt der Konzern seinen Namen sogar, fast so als ob man sich für einen unliebsamen Verwandten schämen müsse.

Dabei hat die zur Holy Fashion Group (Strellson, Windsor, Tommy Hilfiger) und zur Holding Egana-Goldpfeil (Mexx, Esprit, Pierre Cardin) gehörende Joop GmbH Schönberger viel zu verdanken. Als er im Sommer 2007 antrat, hat er den Namen, der von Männerslips über Bettwäsche bis hin zu Badezimmerarmaturen und Möbeln für unzählige Dinge herhalten musste, vor dem Untergang in die modische Bedeutungslosigkeit gerettet. Die Marke mit dem Ausrufezeichen fand dank seiner Kreationen zurück zur Relevanz und zu den für den Umsatz so wichtigen Imagekunden, die eine Marke vor allem aus Prestige tragen.

Worte des Danks bekam Schönberger am Mittwochabend in Berlin dafür nicht zu hören. Das Ende seines Engagements bei Joop hat er dennoch gefeiert. Unter Models und Freunden verteilte er handgeschriebene Einladungen zu einer Abschiedsparty im kleinen Kreis. Den Fans seiner puristischen Kreationen bleibt nur die Hoffnung, dass er mit seiner eigenen Marke bald auf den Laufsteg zurückkehren will. Ganz ohne den Zwang, mit seiner Mode vor allem Investoren gefallen zu müssen.


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