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Fashion Week Berlin: Auf den Pelz gekommen

Pelz kommt wieder in Mode: Ob als Applikation, Accessoire oder als ganze Jacke - auf dem Laufsteg der Berliner Fashion Week waren die Tierfelle in fast jeder Kollektion vertreten. Schuld an dem Pelz-Revival sind vor allem die Kunden.

Von Jens Maier

Pelzgegner haben am Samstagnachmittag an der Berliner Friedrichstraße mit dem Spruch "Mit Pelz von Escada immer hautnah am Tod" vor einer Designer-Boutique demonstriert. Ein paar Meter weiter am Bebelplatz, wo die Fashion Week stattfand, blieben diese Rufe ungehört. Sowohl Gäste der Modenschauen - ein Zuschauer hatte einen ganzen Fuchs um den Hals, als auch Designer setzen wieder ungeniert auf Tierfelle.

In den Kollektionen der großen Namen wie Boss, Joop und Michalsky, aber auch in denen von Nachwuchsdesignern, spielen Pelze im Herbst-/Winter 2009/2010 eine große Rolle. Fast jeder Designer hatte zumindest einen Entwurf mit Pelz im Angebot. Oft werden sie nur reduziert als Accessoires oder für Applikationen eingesetzt, häufig waren aber auch regelrechte Pelzorgien zu bestaunen: üppige Langhaarpelzjacken.

Michael Michalsky zeigte in seiner Show eine opulente Damen-Langhaar-Pelzjacke in lila, bei Joop-Chefdesigner Dirk Schönberger greift auch der Mann zur Pelzjacke - zum Beispiel zu einer beigen Herren-Felljacke. Im Gespräch mit stern.de sagte Schönberger, bei winterlichen Temperaturen seien warme Felle sehr willkommen. Er legte aber Wert auf die Feststellung, dass er Felle und keine Nerze oder Persianer verwendet habe. "Im Prinzip sind das fast Nutztiere", sagte Schönberger über die in seiner Kollektion verwendeten Felltierarten.

Für Tanja Wiemann, Kampagnenleiterin für den Bereich Tiere in der Bekleidungsindustrie bei der Tierrechtsorganisation Peta, sind Felle von Nutztierarten "nicht das kleinere Übel". Generell plädiert Peta gegen jede Verwendung von Tierfellen in der Mode, auch wenn häufig zwischen Tieren wie zum Beispiel Nerzen und Füchsen, die ausschließlich für die Bekleidung getötet würden, und Tieren wie Lamm und Rind, bei denen die Felle ein Abfallprodukt der Nahrungsverarbeitung seien, differenziert wird.

Über die verstärkte Verwendung von Pelzen auf der Berliner Fashion Week zeigte sich Wiemann enttäuscht. "Wir haben im Vorfeld alle deutschen Designer mit der Bitte angeschrieben, bei ihren Kollektionen auf Pelze zu verzichten. Leider ist das nicht umgesetzt worden, das finden wir traurig", sagte sie zu stern.de.

"Freundlicher Pelz" in der Kollektion von Nikolas Gleber

Politisch korrekt will der Berliner Designer Nikolas Gleber seine Pelzkreationen verstanden wissen. "Friendly Fur" (freundlicher Pelz) hat er die Modelle aus deutschem Rotfuchs genannt. Der Grund: Nach Glebers Angaben stammen die Felle nur von Tieren, die getötet wurden, um den Bestand zu kontrollieren. Auch das findet Peta allerdings problematisch. "Dem fertigen Produkt sieht man leider nicht an, ob es ein Fell von einem Tier aus der Zucht, der Landwirtschaft oder freien Wildbahn ist. Jeder Pelz, egal ob nun vom Nerz, Lamm oder Kaninchen spiegelt dieselbe inakzeptable Botschaft wieder: nämlich, dass es in Ordnung ist, Tiere zu quälen und zu töten, um sich mit deren Fellen zu schmücken", sagte Wiemann.

In den 80er Jahren war Pelz vor allem durch Proteste von Tierschutzorganisationen in Verruf geraten. Für Kritik sorgte unter anderem die Haltung der Tiere in Pelztierfarmen und die Verwendung von Tierfallen. Viele Prominente, wie zum Beispiel Brigitte Bardot und Pamela Anderson, treten bis heute in der Öffentlichkeit massiv gegen die Verwendung von Pelzen ein. Trotzdem erfreut sich Pelz seit Ende der 90er Jahre wieder größerer Beliebtheit. Vor allem der reduzierte Einsatz gilt als modisch: zum Beispiel nur als Kragen an Jacken oder an Mänteln.

Gestiegene Nachfrage dank Imagewandel

Die gestiegene Nachfrage ist auch auf ein verändertes Image zurückzuführen. "Früher war ein Pelz ein Statussymbol, das man zweimal im Jahr aus dem Schrank geholt hat. Heute muss er modisch sein und unkompliziert zu jedem Anlass getragen werden können", sagt Wolfgang Jahn, Präsident des Zentralverbandes des Kürschnerhandwerks. "Das Produkt Pelz ist in", erklärt er, schließlich zeigten fast alle weltweit bekannten Designer und Marken Pelz in ihren Kollektionen.

Wie stark die Nachfrage nach Pelz ist, zeigt die kläglich gescheiterte Verzichtserklärung von Modeschöpfer Giorgio Armani. 2007 hatte er angekündigt, künftig bei seinen Kollektionen ganz auf Pelz zu verzichten. Nur ein Jahr später, im vergangenen Herbst, brach er sein Versprechen.