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Streit um Verfassungsrecht: Tödliches Spielzeug - so früh lernen US-Kinder den Umgang mit Waffen

Nach dem Massaker von Orlando ist in den USA der Ruf nach härteren Waffengesetzen wieder lauter geworden. Doch auch das dürfte nichts daran ändern: Viele Amerikaner legen schon in früher Kindheit den Finger an den Abzug.

Ein kleiner Junge übt auf einem Schießstand im Ocala National Forest den Umgang mit einem Revolver. Der Aufpasser hinter ihm scheint von der Treffsicherheit des Kindes begeistert. Ocala, Florida, 2006.

Ein kleiner Junge übt auf einem Schießstand im Ocala National Forest den Umgang mit einem Revolver. Der Aufpasser hinter ihm scheint von der Treffsicherheit des Kindes begeistert. Ocala, Florida, 2006.

In keinem anderen Land der Welt befinden sich mehr Schusswaffen in Privathand als in den Vereinigten Staaten. Schätzungen zufolge sind es mehr als 300 Millionen - das entspricht statistisch fast einer Waffe pro Einwohner. In einer Erhebung des Gallup-Instituts vom Oktober 2015 gaben 41 Prozent der Befragten an, in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe zu leben.

Kritiker machen die laschen Waffengesetze für die regelmäßigen Schießereien mit vielen Toten verantwortlich. Und nach jedem Amoklauf oder Anschlag flammt der Streit um das Waffenrecht neu auf. So wie nach dem Massaker von Orlando mit 49 Todesopfern am 12. Juni. Mehrere Gesetzentwürfe für eine strengere Regelung scheiterten Anfang der Woche im Senat. Den Demokraten gingen die Vorschläge der Republikaner nicht weit genug; diese wiederum kritisierten die Vorhaben der Demokraten als zu strikt. Am Donnerstag beendeten mehrere demokratische Abgeordnete einen 24-stündigen Sitzstreik auf dem Boden des Repräsentantenhauses, mit dem sie eine Abstimmung über schärfere Waffengesetze erzwingen wollten - ohne Erfolg.

Die amerikanische Verfassung gibt den US-Bürgern grundsätzlich das Recht, Waffen zu besitzen und zu tragen. In 30 von 50 Bundesstaaten dürfen sogar Kinder ganz legal Gewehre besitzen. Generation für Generation wird der Umgang mit Waffen vorgelebt und weitergereicht. Dass die Jüngsten der Jungen noch Jahre vor ihrer ersten selbstständigen Autofahrt, vor ihrem ersten Alkoholrausch und bevor sie das erste Mal wählen dürfen bereits mit Schusswaffen hantieren, schreckt Eltern oft nicht ab, wie diese Fotos aus den letzten zwanzig Jahren zeigen.

mad
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