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Tinder-Hacker ärgert Männer: "Was hast du zwischen deinen Beinen und wonach suchst du?"

"Hey Schöne, Bock auf Sex?": Viele Frauen sind von den platten Sprüchen der Tinder-Machos genervt. Ein Hacker drehte den Spieß um - und ließ zwei Männer miteinander flirten, ohne dass sie es wussten.

Von Christoph Fröhlich

Tinder ist die angesagteste Dating-App der Welt. Und die oberflächlichste: Vom potenziellen Begleiter bekommt man nicht mehr als ein Foto, das Alter, den Vornamen und die Entfernung zu sehen. Ausgefeilte Verkupplungs-Algorihmen oder liebevoll ausgearbeitete Steckbriefe sucht man vergebens. Hier geht es oft nur um nacke Tatsachen: Findet man jemanden interessant, wischt man nach rechts. Geht der Daumen nach links, heißt es: Danke, der Nächste bitte. Tinder ist wie ein endloser Tresen in einer gutbesuchten Bar.

Ein Hacker knackt Tinder

Wie banal es dort mitunter zugeht, zeigte nun ein kalifornischer Hacker und Programmierer. Weil ihm Freundinnen immer wieder von übergriffigen, beleidigenden Tinder-Nachrichten berichteten, wollte er den Online-Machos eins auswischen: Er schrieb ein Programm, dass den ersten Spruch eines männlichen Users spiegelt und ihn kommentarlos an ihn zurücksendet. Der anonyme Hacker, er nennt sich gegenüber dem US-Portal "The Verge" Patrick, wollte zusehen, wie die Aufreißer auf ihre eigenen Sprüche reagieren.

Doch als er die Dating-App genauer untersuchte, entdeckte er zahlreiche Software-Schwachstellen. Dann kam ihm eine Idee: Er legte mehrere weibliche Fake-Accounts an. Damit die Machos auch anbissen, nutzte er Profilfotos des amerikanischen Youtube-Stars Boxxy - auf dem Bild noch deutlich als Teenie zu erkennen - sowie einer Bekannten, die dem Streich zuvor zugestimmt hatte. Mit Erfolg: Nach nur einem halben Tag hatte der Hacker 40 Hetero-Männer an der Leine.

"Was hast du zwischen deinen Beinen?"

Sobald ein flirtwilliger Mann das Fake-Profil anschrieb, ging der Plan auf: Statt mit seiner Angebeteten unterhielt sich der Interessierte nämlich mit einem anderen Mann, der ebenfalls erwartungsvoll in die Tasten haute. Die Unterhaltung spielte sich also unter zwei Männern ab, die beide glaubten, mit einer gutaussehenden Frau zu chatten.

Meist wärmten sich die Aufreißer mit ein paar Schmuseworten auf (Kostprobe: "Treffen. Grabschen. Blasen. Doggy."), anschließend ging es ans Eingemachte: "Können wir jetzt sofort Sex haben?" oder "Dein zickiges Gesicht schreckt mich nicht ab" sind noch die zurückhaltendsten Postings. Alle Stilblüten gibt es englischsprachig auf "The Verge".

Nach einiger Zeit vermuteten jedoch einige der hinters Licht geführten Chauvis, dass sie nicht mit einer Frau flirteten. Als jemand schrieb, dass er ein fürsorglicher Vater sei, roch der Zweite offenbar Lunte: "Was hast du zwischen deinen Beinen und wonach suchst du?"

Sie verdienen es nicht anders

Der Hacker hat laut eigener Aussage nichts gegen Tinder-User. Er selbst nutzte die App lange Zeit und hat dort sogar seine aktuelle Freundin kennengelernt. Dementsprechend hatte er anfangs auch moralische Bedenken. Er sei jedoch der Ansicht, dass Männer, die sich sofort mit fremden Frauen treffen, ohne sie näher kennenzulernen, es nichts anders verdienen würden.

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