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Weinregion Bordeaux: Die neue Liebe zur großen Vielfalt

Es ist ein Trugschluss, dass es nur das eine Bordeaux gibt. Denn die französische Region ist sehr vielschichtig, aufregend und keineswegs langweilig. 100.000 Hektar Weinberge machen Lust auf Wein.

Von Dirk Würtz

Das Bordeaux hat grandiose, vielschichtige und aufregende Weine zu bieten. Auf über 100.000 Hektar wird hier Wein gemacht - und das schon seit der Antike.

Das Bordeaux hat grandiose, vielschichtige und aufregende Weine zu bieten. Auf über 100.000 Hektar wird hier Wein gemacht - und das schon seit der Antike.

Man spricht so einfach vom Bordeaux, korrekt natürlich "Bordelais". Aber das gibt es gar nicht, DAS Bordeaux. Als Überbegriff gerade noch einigermaßen tauglich, trifft das Ganze nicht im Ansatz die Vielfalt und die Unterschiedlichkeit dieser enorm großen Region. 100.000 Hektar Weinberge, eine gigantische Menge und die Unterschiede könnten nicht größer sein.

Im Juni 2014 war ich eine Woche mit einer Ente unterwegs, einem 2 CV 6, da hat man einen völlig anderen Blick, einen restlos entschleunigten. Einerseits hat mich das Entchen gewaltig in Zeitnot gebracht, andererseits hat es mir geholfen, den Blick ein wenig zu schärfen. Wenn man mit 60 Stundenkilometer durch die Landschaft rollt, sieht man doch deutlich mehr.

Die Weißwein Region "Entre deux mers"

Ich bin beispielsweise einmal quer durch das "Entre deux mers" gefahren. Eine Region, die es in Deutschland schon etwas schwer hat. Klar, hier wächst viel Weißwein, den haben wir auch. Dennoch lohnt es sich, die Weine aus dieser Region einmal zu probieren. Es gibt gigantische Unterschiede. Auf der einen Seite wächst "da Masse", hergestellt mit den üblichen Methoden. Auf der anderen Seite gibt es Produzenten, wie André Lurton und andere, die sich ernsthaft Gedanken machen, die voll auf Qualität und Herkunft setzen, ohne dabei abzudrehen. Da kann man Weine für unter und um die zehn Euro finden, die tatsächlich "PREISWERT" sind. Glasklare, erfrischende und animierende Weine. Das hat mir wirklich gut gefallen. Gleiches gilt für das "Graves", wo ich zwei wunderbare Weingüter für mich entdeckt habe. Wunderbar harmonische Weißweine mit einer tollen Säure, einem eindeutigen Herkunftscharakter und frei von jeglichem Schnickschnack!

Medoc: Beeindruckende Châteaus, wohin das Auge reicht

Die Fahrt durch das "Medoc" hat mich hingegen sehr nachdenklich gemacht. Was macht man eigentlich dort, wenn man kein Weinguts- oder Hotelbesitzer ist? Natürlich ist es ungemein beeindruckend, die ganzen großen Châteaus zu sehen. Ehrfürchtig stand ich vor "Margaux" und wusste sofort, dass es richtig war, meine Tochter nach diesem Château zu benennen. Aber was, wenn man nicht Margaux, Palmer oder wer auch immer ist?

Viele Probleme trotz großer Weingeschichte

Beim Gespräch mit einigen Menschen, die dort leben, wurde schnell klar, wie viele Probleme es in dieser Region gibt. Analphabetismus ist beispielsweise eines. Das relativiert ganz schnell den Glanz und den Glamour, den dieser Teil des Bordelais zweifelsohne hat. Landschaftlich eher eintönig, ist das "Medoc" ganz sicher eine der Keimzellen der großen Weingeschichten. Nicht nur der adligen und sonstigen Châteaus, die Konzernen oder Investoren gehören.

Da passiert gerade auch viel Neues. Und manch einer der Investoren hat Visionen, wie beispielsweise die Herrschaften auf Château "Malescasse". Eine meiner unbedingten Kaufempfehlungen. So muss Bordeaux schmecken, mit allem was dazu gehört und das Ganze zu einem mehr als fairen Preis.

Wie auch immer: Ich habe meine, in den letzten Jahren etwas eingeschlafene, Liebe zu den Weinen aus dem Bordelais ein wenig aufgefrischt. Dabei, und das ist das Entscheidende, wurde mein Ehrgeiz geweckt: Weine zu finden, die jenseits des teuren Mainstreams sind und viel Spaß machen. Einige habe ich bereits gefunden, andere werden folgen.

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