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Sommerweine: Die Wohltat in Weiß

Hart sind die Kämpfe am Tage. Abends aber und ohne Rüstung, da suchen wir Erholung. Sehr erfrischend ist dann ein leichter Sommerwein! Er ist wie die Lazarettschwester mit dem lindernden Eisbeutel. Welche Schwestern die besten sind, hat der stern getestet.

Von Christian Wenger

Der ideale Sommertag ist warm, aber nicht heiß, er ist sonnig, ohne zu sengen. Er lädt zu knapper Kleidung und lockt in den Garten und an den See. Der ideale Sommertag macht Durst, er macht Lust auf eine Flasche Wein in einem blanken Eiskübel, von dem Wasserperlen rinnen. Der Sommerwein darin ist weiß oder rosé. Vor allem ist er leicht - er hat eher 10 als 14 Prozent Alkohol, er zeigt feine Frucht- und Blütenaromen, wirkt frisch und spritzig. Bei ihm harmonieren vor allem Süße und Säure, aber auch Frucht und Gerbstoffe. Der Sommerwein hat Eigenständigkeit und Charakter, er zeigt seine Identität durch Mineralik und Typizität der Traubensorte. Er hat Tiefe, Finesse und Eleganz, soll sich auch ohne Essen trinken lassen und Lust auf den nächsten Schluck machen - aber am nächsten Tag keinen dumpfen Kopf.

Für die stern-Leser kämpften sich 23 Juroren (Sommeliers, Önologen, Produzenten, Einkäufer, Händler, Journalisten) durch 227 Flaschen der Jahrgänge 2008 und 2007 - eingesandt von Winzern, Importeuren und Händlern. Deutsche Weine stellten knapp die Mehrheit, die knappe andere Hälfte kam aus Argentinien, Chile, Frankreich, Italien, Libanon, Neuseeland, Österreich, Portugal, Spanien, Südafrika und den USA. Weißweine waren zu 77 Prozent, Roséweine und Blancs de Noirs (weiße oder blassrote Weine aus roten Trauben) zu 23 Prozent vertreten. Probiert wurden Weine zu 3,90 bis 27 Euro für 0,75 Liter, der Durchschnitt lag bei 8,21 Euro.

Die Juroren stellten alles nach hinten, was üppige Restsüße hatte und klebrige Finger hinterließ. Auch Weine, bei denen Kohlensäure Frische vortäuscht oder eine künstliche Fruchtigkeit dominiert, wurden fortgeschoben. Die Tester bewerteten blind nach dem 100-Punkte-System: ab 78 Punkten Bronze, ab 83 Punkten Silber, ab 88 Punkten Gold. Die Siegerweine liegen etwas unter 88 Punkten, eine in diesem Preissegment sehr akzeptable Punktzahl. Gewonnen haben drei deutsche Rieslinge, die auch preislich sehr interessant sind.

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