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Europas höchster Wasserfall: Tosende Wohltat für Asthmatiker

Donnernd stürzt das Wasser 385 Meter in die Tiefe: Europas höchster Wasserfall in Krimml ist mehr als ein spektaküläres Naturschauspiel: Auf Asthmatiker wirkt sein feiner Sprühnebel wie Medizin.

Von Dieter Schweiger, Salzburg

An dem dramatischen Schauspiel, das der Krimmler Wasserfall bietet, wenn er über seine letzte Kaskade 140 Meter abstürzt, hat Renate unübersehbar kein gesteigertes Interesse. Mit geschlossenen Augen sitzt sie seit einer halben Stunde am Rande des Tosbeckens – und atmet tief den feinen Dampf der Wassermoleküle ein. Die 48-jährige Bankkauffrau aus Hamburg, die ihren Nachnamen wegen ihres Leidens lieber nicht in den Medien lesen möchte, sucht Heilung an Europas höchstem Wasserfall. Heilung von der Pein, die ihr alljährlich die Blüte von Haselnuss, Birke und Gräsern bereitet – die die Schleimhäute der Bronchien so sehr anschwellen und die Atemmuskulatur verkrampfen lässt, bis sie kaum noch Luft bekommt.

Gegen das allergische Asthma wirkten bei Renate lange Zeit nur Sprays, bis sie zufällig von einer einzigartigen Therapie Arnulf Hartls las. Der Wissenschaftler der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg hatte zuerst im Tierversuch erkrankte Mäuse und später Kinder, die an Asthma litten, drei Wochen lang täglich eine Stunde den feinen Sprühnebel des Krimmler Wasserfalls inhalieren lassen.

Die Ergebnisse, die Hartl in renommierten Fachzeitschriften veröffentlichte, machen Asthmatikern Hoffnung auf eine natürliche Therapie. Die Lungenfunktion wurde gestärkt, das ausgeatmete Stickstoffmonoxid reduziert, das Zykotinprofil verbessert. Bei allen Probanden stellte sich ein anti-asthmatischer Immunstatus ein, so Hartls Ergebnisse.

Vor allem die Höhe, über alle drei Stufen gemessen 380 Meter, und die Wassermenge von bis zu 40.000 Litern pro Sekunde prädestinierten den Krimmler Wasserfall mehr als andere Fälle zu einem "völlig neuen Heilmittel": Beim Aufprall zerstiebt das Wasser in Aerosole, die, 200-mal kleiner als in Asthmasprays, tief in die Lunge eindringen. Zudem sorgt die Vielzahl negativ geladener Ionen im Wasserdampf für eine höhere Schlaggeschwindigkeit der Flimmerhärchen und damit für eine effektivere Reinigung des Atemtrakts.

Verblüffend ist, wie nachhaltig die Wasserfallkur offenbar wirkt: Noch vier Monate nach der Therapie waren unsere Testpersonen nahezu frei von Asthmasymptomen, stellte Hartl fest. So weit ist Renate noch nicht. Sie hat gerade erst ihre fünfte Sitzung am Krimmler Wasserfall hinter sich. "Aber irgendwie fühle ich mich schon besser", sagt sie zuversichtlich und packt ihr Kissen ein. Für heute hat sie genug gegen ihr Asthma getan.

Dieter Schweiger
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