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Teil 15: Das Beste von der Ziege ...

... ist der Bocksbeutel. Schon Goethe trank aus diesen Flaschen, und auch heute beherbergen sie prima Weine. So wie unseren Silvaner aus dem Frankenland

Ein bisschen kurios sieht sie ja schon aus, die Bocksbeutelflasche. Das merkwürdige Behältnis polarisiert die Weintrinker und ist unter ihnen ähnlich umstritten wie die fränkische Landrätin Pauli in ihrer Partei. Der Bocksbeutel ist der Querschläger im Weinregal, er tanzt mit seiner Form komplett aus der Reihe. Und stapeln lässt er sich auch nicht. Wir mögen das Ding trotzdem! Wenn man genau hinsieht, erinnert der Bocksbeutel wirklich an das Gemächt eines Ziegenbocks - Sie müssen die Flasche nur von der Seite und lange genug anschauen. Früher war der Bocksbeutel ein Echtheitszertifikat für den Wein vom "Würzburger Stein", dem berühmtesten Weinberg Frankens, mit dem sich schon Johann Wolfgang von Goethe die Gurgel ölte. Heute ist die bauchige Flasche mit dem kurzen Hals zum Markenzeichen des Frankenweins geworden. Tipp fürs Servieren: Die Flasche auf die Handfläche legen und über die flache Seite einschenken - dann gluckert's nicht so.

Typisch für Franken ist die Sorte Silvaner, eine urtümliche Rebe mit Rückgrat und einer Vorliebe für das fränkische Bodentrio Buntsandstein, Gipskeuper und Muschelkalk. Der findet sich auch rund um das an einer Mainschleife gelegene Städtchen Volkach. Hier hat sich der Main tief in die Sedimente der maritimen Vergangenheit gefräst und den Volkacher Karthäuser geschaffen. Dieser Weinberg ist das Wohnzimmer unseres Silvaners. Der Winzer Rainer Müller lobt und preist seine Lieblingssorte: "So herzhaft und so fein, dabei tief und mit viel Schmelz." Sein 2006er Silvaner erinnert im Duft an Birnen, Zitronenschale, Hefe und Rosinenbrötchen, auch an Joghurt und Bienenwachs. Über die Zunge fließt er weich und saftig, seine zarte Säure umspielt den Fruchtgeschmack und hinterlässt angenehme, feinherbe Akzente. Dieser ausgemachte Muster-Franke passt zu Spargel in allen Varianten, zu Grüner Soße, Butterbrot und Kabeljau mit Remoulade. Der Wein ist bis 2009 gut trinkbar.

Das Weinbaugebiet Franken, mit Würzburg in seinem Zentrum, bietet den Reben nur in besonders begünstigten Klimazonen ideale Wachstumsbedingungen. Deshalb liegen die besten Weinbauflächen am Main und seinen Seitentälern, in denen die Durchschnittstemperaturen höher sind als in ungeschützten Lagen. Und so vermitteln die Rebflächen Frankens eher das Bild eines Flickenteppichs aus einzelnen Rebinseln als das eines großen, zusammenhängenden Gebiets. In Franken steht die Sorte Müller-Thurgau mittlerweile an erster Stelle - die ist einfacher anzubauen und hat sich in den vergangenen Jahren zum etwas konturlosen Massenprodukt entwickelt. Der geschmacklich erheblich vielschichtigere Silvaner musste dem Profitstreben Tribut zollen - inzwischen werden auf nur noch 20 Prozent der Anbaufläche diese Trauben angebaut, in den besten Zeiten waren es mal über 50. Wir finden: kein Grund, ihn nicht trotzdem zu empfehlen.

Fabian & Cornelius Lange / print