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Teil 17: Die Zugereiste

Wir stellen eine Vertriebene vor: Als der Merlot seinen Platz im Bordeaux eroberte, musste die Rebsorte Carmenère aus Europa weichen. In Chile macht sie nun eine starke Solokarriere.

Chile, Wein 1

Der Typ

Kraftvoll

Aus sechs Ländern und drei Kontinenten haben wir mittlerweile zwölf Liter Flüssiglektionen gepaukt - einschenken, büffeln und süffeln, so macht Erdkunde richtig Spaß. In dieser Woche ist Chile dran, ein echter Leckerbissen. Bodenschätze wie Salpeter und Kupfer lassen wir heute links liegen, auch die hinreißenden Gedichte des Literaturnobelpreisträgers Pablo Neruda überspringen wir. Dafür werden wir eine der schönsten Botschafterinnen des Landes kennenlernen, die großartige Carmenère, markanteste Rotweinsorte Chiles. Diese Señora ist wirklich ein ganz heißer Tipp!

Schließlich ist Carmenère ein eigenständiger Beitrag Chiles zur globalen Weinkultur, eine eingeborene Schönheit sozusagen mit ganz besonderer Geschichte. Sie floh im 19. Jahrhundert vor dem Emporkömmling Merlot nach Chile, als diese Rebsorte sie aus dem klassischen Bordeaux-Blend verdrängte - bis dahin wurde ein roter Bordeaux meist aus den Sorten Cabernet und eben Carmenère zusammengestellt. In ihrem Asyl an den westlichen Hängen der Anden hat sich die Einwanderin inzwischen trefflich eingelebt - sie mag sogar das extreme Klima: Heiße Tage im Wechsel mit klirrend kalten Nächten, die durch die Nähe des Pazifiks und die luftige Höhe der Anbaugebiete entstehen, geben Carmenère- Weinen Farbkraft, intensive Aromatik und eine herrlich feine Fruchtsäure. Die Vertriebene macht also in ihrer neuen Heimat eine richtig starke Solokarriere. Das haben die Franzosen nun davon!

Unsere vollblütige Reserva von Cono Sur stammt aus dem Colchagua Valley, rund 100 km südlich der Hauptstadt Santiago. In diesem mondänen Weinbaugebiet, einer Subregion der Weinbauzone Rapel, befinden sich einige der angesehensten Kellereien Chiles, darunter die Weingiganten Rothschild aus Frankreich, Torres aus Spanien und Mondavi aus Kalifornien. Das erst 1993 gegründete Weingut Cono Sur liegt mitten in dieser illustren Gegend. Und der Wein ist ein Knaller: Duftkaskaden wallen aus dem Glas, die auch noch den verwöhntesten Rotwein- Aficionado ins Staunen versetzen dürften. Der Cono Sur rollt eine große rote Kugel auf die Zunge, wo sie in unzählige geschmackliche Einzelteile zerbricht. Mit gewaltiger Kraft erobert sie die Papillen im Sturm, ehe sie mit richtig reifen, seidigen Gerbstoffen am Zäpfchen vorbeihuscht.

Fakten Chile

Erster Wein: 1554. Kommerzieller Weinbau seit etwa 1850
Rebfläche: 116 000 Hektar (Rang 9)
<bb>Weinbau: 32. bis 38. Grad südlicher Breite
Bedeutendste Weinbauregion: Maipo
Häufigste Rebsorten: Rot (75 %): Cabernet Sauvignon, País, Merlot, Carmenère. Weiß (25 %): Sauvignon Blanc, Chardonnay, Muskateller
Exportanteil: 60 %

Der Wein

>2006 Carmenère Reserva, Cono Sur, Chile

Stil:

Rotwein der Sorte Carmenère. 14 Monate Barriquelagerung

Farbe:

schwarzrot

Duft:

Heidelbeeren, Schwarze Johannisbeeren, Blüten, Zedernholz

Geschmack:

Schwarzkirschen, Bitterschokolade, Kaffee, Haselnüsse

Herkunft:

Colchagua Valley

Trinktemperatur:

16 Grad. Dekantieren ist sinnvoll.

Glas:

Bordeauxtyp

Trinkzeitpunkt:

Jetzt bis 2010

Essen:

Hauptsache, gegrillt, gebraten oder geschmort: Lamm, Rind, Paprika, Zwiebeln, Knoblauch

Fabian und Cornelius Lange / print
Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.