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Faschingszug in Oberbayern "Asylabwehr-Panzer" überrollt Grenze des guten Geschmacks


Bei einem Faschingszug in Oberbayern waren zwei Brüder mit einem "Asylabwehr-Panzer" unterwegs. Die makabere Botschaft sorgt für viel Kritik im Netz - und hat womöglich ein juristisches Nachspiel.

Satire wird an Fasching großgeschrieben und oft stoßen die Narren dabei an die Grenzen des guten Geschmacks - oder walzen diese einfach platt. Mit einem Gefährt in Form eines Panzers und der Aufschrift "Ilmtaler Asylabwehr" sind zwei Brüder offenbar zu weit gegangen und wurden prompt wegen Volksverhetzung angezeigt - die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der Oberilmtaler Carnevalsverein Steinkirchen (OCV) hatte zum 49. Faschingszug geladen: 800 Teilnehmer, 30 Wagen und 40 Fußtruppen sorgten laut Webseite des Vereins für ein "farbenprächtiges Spektakel" auf der sechs Kilometer langen Strecke. Doch nach einem Facebook-Posting des Schauspielers und Politikers Florian Simbeck entlädt sich im Netz die Wut über einen Papp-Panzer, mit dem zwei Brüder an dem Umzug teilnahmen. Auf der einen Seite des Gefährts stand in großen Buchstaben "Asylpaket III" auf der anderen "Imtaler Asylabwehr".

Der lustige Faschingswurm schlängelt sich wieder durch unser Ilmtal (Anmerkung: Bayern, nicht das in Thüringen) und...

Posted by Florian Simbeck on Sonntag, 7. Februar 2016

Simbeck, bekannt als Teil des Komiker-Duos "Erkan & Stefan" und SPD-Mitglied im Kreistag von Pfaffenhofen an der Ilm, prangert im Netz "die Dummheit, Niederträchtigkeit und menschenverachtende Gesinnung einiger Beteiligter" an - und tritt so einen wahren Shitstorm los. Der Faschingswagen sei seine "Monstrosität", die zutiefst widerlich und moralisch verwerflich sei.

Heftiger Protest bei Facebook

Auf  der Facebookseite des Veranstalters des Faschingsumzugs, OCV Steinkirchen, hagelte es heftige Proteste und Kritik. "Wo ist da die Gaudi, wenn ein Panzer namens Asylabwehr mitfährt?", schrieb etwa ein Nutzer. "Das ist nicht lustig, nicht ironisch und auch nicht sarkastisch, sondern einfach nur hasserfüllt und unterbelichtet". Ein anderer nannte den Wagen "beschämend" und ein weiterer Nutzer schrieb: "Dadurch legt Ihr die Lunte für den nächsten Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim." Es gab aber auch Stimmen, die den Verein und den umstrittenen Motivwagen verteidigten. "Soll man an Karneval bestimmte Themen nicht überspitzt darstellen?", fragte ein Nutzer. Satire sei nur dann gut, "wenn sie weh tut und aneckt".

Die örtlichen Polizeibeamten sahen sich nicht genötigt, die Situation zu unterbinden. Laut "Bayerischem Rundfunk" sei der der Wagen trotz Anfangsverdacht der Volksverhetzung nicht angehalten worden, weil die Kunstfreiheit bei dem Faschingsumzug auch immer eine Rolle spiele, so die Beamten.

"Im Nachhinein würde ich die jungen Leute nicht mehr losfahren lassen"

Der Oberimtaler Carnevalsverein sieht sich mit einem Sturm der Entrüstung konfrontiert - obwohl bei der Veranstaltung selbst offenbar kaum jemand an dem Faschingswagen Anstoß nahm. Konrad Moll, der für die Organisation des Faschingszuges verantwortlich war, betonte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung", dass ein Polizeibeamter neben ihm gestanden habe, als das umstrittene Gefährt an ihm vorbeifuhr. Von rechtsradikalem Gedankengut distanziert sich der OCV und räumt ein, dass der Wagen unangebracht war: "Im Nachhinein würde ich die jungen Leute nicht mehr losfahren lassen", so Moll gegenüber dem "Donaukurier". 

Einen rechten Hintergrund soll das Brüderpaar laut Moll nicht gehabt haben: "Wir haben keine Zensur hier beim Faschingszug (…) die wollten doch nur a Gaudi", so Moll zur "Süddeutschen Zeitung". Wie die Mutter der beiden Brüder der "SZ" am Telefon bestätigte, soll der Wagen nicht selbst gebaut, sondern in Frankfurt gekauft worden sein.

Lokomotive mit der Aufschrift "Balkan Express"

Doch die zweifelhafte Aufschrift stamme von den Brüdern. Und offenbar ist die Botschaft ein klares Zeichen des Protests der beiden Urheber: Dem "Donaukurier" soll einer von ihnen in Bezug auf die aktuelle Flüchtlingspolitik gesagt haben: "Wir können das so nicht schaffen". Die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Flüchtlingen seien zu groß. "Ich will nicht, dass wir uns hier in Deutschland verändern müssen", "mir gefällt es so, wie es ist", sagte ein anderer der Beteiligten. 

Die Polizei ermittelt wegen der "Panzerwagen-Affäre" mittlerweile wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Seit dem Wochenende seien zahlreiche Strafanzeigen eingegangen, sagte ein Sprecher der Polizei Ingolstadt am Montag.

Auch in Thüringen befasst sich die Staatsanwaltschaft unterdessen mit einem umstrittenen Karnevalswagen. Der Sender MDR Thüringen hatte zuvor über eine Lokomotive mit den Aufschriften "Balkan Express" und "Die Ploach kömmt" (Die Plage kommt) berichtet, die in der Karnevalshochburg Wasungen zu sehen war. Die dazugehörigen Narren trugen Heuschreckenkostüme. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Meiningen sagte der Nachrichtenagentur AFP, es sei inzwischen eine Strafanzeige eingegangen. Es werde nun geprüft, ob der Verdacht einer Straftat wie Beleidigung oder Volksverhetzung vorliegt.

amt mit Agenturen

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