Brandenburg Müllrose gestattet die freie Liebe


Der Sex-Paragraph im brandenburgischen Müllrose soll gestrichen werden: Der Vize Ordnungsamtsleiter des Ortes kündigte im Gespräch mit stern.de an, die umstrittene Verordnung aufheben zu wollen, durch die Freiluftsex mit 35 Euro bestraft werden sollte.
Von Malte Arnsperger

35 Euro Strafe für Freiluftsex: Diese Verordnung des brandenburgischen Ort Müllrose sorgte vor einigen Wochen für bundesweite und sogar internationale Schlagzeilen. Das war für den 4300-Einwohner-Ort dann aber doch etwas viel Aufmerksamkeit. Denn nun soll der umstrittene Paragraph verschwinden. Dies kündigte Vize-Ordnungsamtsleiter Franks Felske an "Ich habe vorgeschlagen, dass diese Stelle der Verordnung gestrichen werden soll", sagt er stern.de.

Felske war der Erfinder des Sex-Paragraphen. Im März wurde die "Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiet des Amtes Schlaubetal" - zu dem Müllrose gehört - erlassen. In Paragraph 11, der sich mit dem "Störenden Verhalten in der Öffentlichkeit" beschäftigt, wurde neben aggressivem Betteln auch das "Ausüben von öffentlich wahrnehmbaren sexuellen Handlungen" verboten. Damit sei "zum Beispiel Freiluftsex" gemeint. 35 Euro soll der Spaß kosten.

Ein Sexverbot sei nie beabsichtigt gewesen

Grund für dieses Verbot waren zwei Liebespaare, die sich bei einem Sommerfest im vergangenen Jahr nur wenige Meter vom Veranstaltungsgelände vergnügten. So etwas wollte man im beschaulichen Ort nicht mehr sehen, deshalb die Verordnung. Doch ein Sexverbot sei nie beabsichtigt gewesen, versichert Felske nun. "Es gab, gibt und wird nie ein Sexverbot bei uns geben. Die Leute können machen, was sie wollen. Wir wollten nur, dass sie sich eine Stelle aussuchen, wo sie nicht jeder sehen kann." Man merkt dem Beamten die Resignation an: "Doch keiner hat die Stelle in der Verordnung richtig verstanden", sagt Felske. Deshalb plädiert er nun für die Streichung des Sex-Paragraphen. Das kann allerdings eine Weile dauern, schließlich muss sich damit noch das Ortsparlament befassen.

Den Kampf gegen allzu freizügige Vergnügungen in der Öffentlichkeit hat Felske indes nicht aufgegeben: "Auch ohne Verordnung sollen sich die Leute bitte in aller Öffentlichkeit etwas zurückhalten. Das ist eine Selbstverständlichkeit und schließlich ist die Erregung öffentlichen Ärgernisses auch durch das Strafgesetzbuch verboten."

Trotzdem: Müllroser Liebespaare werden die Nachricht aus dem Ordnungsamt sicher gerne hören. Der Sommer kann also kommen, auch im brandenburgischen Schlaubetal...


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