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Mit Städtenamen Zu wenig Frauennamen: Institut plant neues deutsches Buchstabier-Alphabet

Cäsar: Gibts bald nur noch als Statue
Cäsar: Gibts bald nur noch als Statue
© Paolo Gallo/ / Picture Alliance
Die Kritik am deutsche Buchstabier-Alphabet nahm in den letzten Jahren zu. Einerseits beinhaltet es antisemitische Änderungen aus der NS-Zeit, andererseits waren kaum Frauennamen enthalten. Ein neuer Entwurf soll das Alphabet nun modernisieren.

Städtenamen statt Vornamen: Wenn es nach dem Deutschen Institut für Normung (DIN) geht, soll diese Änderung beim deutschen Buchstabier-Alphabet bald Realität werden.

Statt "Cäsar" könnte dann bald "Cottbus" zum Buchstabieren genannt werden, statt "Ida" würde "Iserlohn" zum Einsatz kommen. Für die in Frage kommenden 26 Städte durchaus eine interessante Vorstellung: "Dann ist der Name unserer Stadt in aller Munde", sagte ein Sprecher der Stadt Nürnberg, "Wenn es in den Sprachgebrauch übergeht, ist Xanten in aller Munde", hieß es auch aus der Stadt in NRW.

Buchstabier-Alphabet mit Städtenamen im Überblick

Buchstabe

Bisherige Tafel

Neuer Entwurf

A

Anton

Augsburg

Ä

Ärger

Umlaut-A

B

Berta

Berlin

C

Cäsar

Cottbus

Ch

Charlotte

Chemnitz

D

Dora

Düsseldorf

E

Emil

Essen

F

Friedrich

Frankfurt

G

Gustav

Görlitz

H

Heinrich

Hannover

I

Ida

Iserlohn

J

Julius

Jena

K

Kaufmann

Köln

L

Ludwig

Leipzig

M

Martha

München

N

Nordpol

Nürnberg

O

Otto

Oldenburg

Ö

Ökonom

Umlaut-O

P

Paula

Potsdam

Q

Quelle

Quickborn

R

Richard

Regensburg

S

Samuel (Siegfried)

Stuttgart

ß

Eszett

Eszett

Sch

Schule

Schwerin

T

Theodor

Tübingen

U

Ulrich

Unna

Ü

Übermut

Umlaut-U

V

Viktor

Vogtland

W

Wilhelm

Wuppertal

X

Xanthippe

Xanten

Y

Ypsilon

Ypsilon

Z

Zacharias (Zeppelin)

Zwickau

Das Deutsche Institut für Normung ist in Deutschland die Stelle für industrieweite Regelungen. Ihre wahrscheinlich am weitesten bekannten Normen sind die Papiergrößen wie DIN A4. In der DIN 5009 ist dagegen geregelt, welche Worte beim Diktieren für bestimmte Buchstaben genannt werden sollen. Das DIN-Alphabet wird vor allem in Wirtschaft und Verwaltung genutzt und kommt dort in Ausbildung und Lehrbüchern vor. Neben den Buchstaben gehören zu den 32 Namen auch "Ch", "Sch", "Eszett" und die drei Umlaute Ä, Ö, Ü.

Ungleichgewicht bei den Namen: Männernamen doppelt so häufig wie Frauennamen

Bislang werden im Buchstabier-Alphabet vor allem Vornamen genutzt, darunter sind allerdings 16 Männer- und nur sechs Frauennamen. "Das entspricht nicht der heutigen Lebensrealität", teilte das Institut mit. Wenn man auch noch alle ethnischen und religiösen Gruppen geschlechtergerecht ausgewogen darstellen wolle, wären Vornamen zu kompliziert. Städtenamen seien daher ein guter Kompromiss.

Antisemitische Vorgeschichte des Buchstabier-Alphabets

Das DIN arbeitet auch aus anderen Gründen an den neuen Diktierregeln. Der Antisemitismusbeauftragte Baden-Württembergs, Michael Blume, hatte im letzten Jahr kritisiert, dass in der aktuellen Tafel noch immer Relikte aus der NS-Zeit stecken. Die Nationalsozialisten hatten 1934 alle jüdischen Namen entfernt: Aus David wurde Dora, aus Nathan Nordpol, aus Samuel Siegfried. Auch nach den bisherigen Überarbeitungen nach 1945 blieben Namen wie Nathan weiterhin außen vor.

Bemerkenswert: Aus der Nazi-Änderung zum Buchstaben N könnte jetzt ausgerechnet "Nürnberg" werden, in den Nachkriegsjahren die Stadt der Prozesse gegen Nazi-Größen. Die Stadt teilte mit, gerade aus der Geschichte der Stadt heraus begrüße man den Vorstoß.

Quellen:  dpa, din.de

tvm DPA

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