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Das sagt der Bürgermeister "Die Ehre, die unsere Stadt verdient hat": Neues Buchstabieralphabet sieht Q wie Quickborn vor

Quickborn
"Ich finde das ganz ausgezeichnet." Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl freut sich, dass der Name seiner Stadt ins Buchstabieralphabet aufgenommen wurde. Im Bild: der Bahnhofsplatz der 21.000-Einwohner-Stadt.
© hh_oldman / Wikimedia / CC BY 3.0, Maurizio Gamberini / DPA / Picture Alliance
Berlin, Essen, Frankfurt – die neue Buchstabiertafel setzt auf Städte- statt auf Vornamen. Auch die 21.000-Einwohner-Stadt Quickborn kann sich über mehr Bekanntheit freuen. Tut sie das auch? Nachfrage beim Bürgermeister.

A wie Anton hat ausgedient. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat seiner Norm DIN 5009 ("Ansagen und Diktieren von Texten und Schriftzeichen") ein Update verpasst – bekannt ist die Norm als Buchstabiertafel oder Buchstabieralphabet.

Seit Jahrzehnten kennen – nicht nur "Glücksrad"-Fans – die Zuordnungen der Buchstaben zu den (bis auf wenige Ausnahmen) Vornamen. Eingeführt wurde die bisher übliche Form im Wesentlichen durch das NS-Regime 1934 – nicht der einzige Grund, warum die Tafel nun geändert wird. Auch bilde die bisherige Norm durch die ungleiche Verteilung der Geschlechter auf die Vornamen die Gesellschaft nicht richtig ab, wurde kritisiert.

Neue Buchstabiertafel
Städtenamen statt Vornamen: die neue "Deutsche Buchstabiertafel für Wirtschaft und Verwaltung"
© Deutsches Institut für Normung

Künftig werden Städtenamen Pate für die Buchstaben stehen. Statt A wie Anton heißt es dann A wie Aachen oder statt B wie Berta B wie Berlin. Aber auch kleinere Städte haben es auf die Tafel geschafft – deutlich kleinere.

Quickborn in Schleswig-Holstein hat rund 21.000 Einwohner und liegt rund zehn Kilometer nördlich von Hamburg. Die Stadt kann nun auf bundesweite Bekanntheit hoffen: Es heißt fortan nicht mehr Q wie Quelle, sondern Q wie Quickborn, wobei der niederdeutsche Ortsname "schnell sprudelnde Quelle" oder "lebendiger Brunnen" bedeutet – der Name wurde von einer Viehtränke abgeleitet.

Quickborns Bürgermeister zur neuen Buchstabiertafel

Der stern sprach mit Thomas Köppl, dem parteilosen Bürgermeister Quickborns, über die neue Rolle seiner Stadt.

stern: Herr Köppl, mal ehrlich, hatten Sie bei der Entscheidung des DIN Ihre Finger im Spiel?

Thomas Köppl: In erster Linie war es ein Quickborner Bürger, der vorgeschlagen hat, dass seine Heimatstadt dort auf die Liste kommen soll. Aber ganz untätig waren meine Verwaltung und ich auch nicht. Wir haben einen Brief geschrieben, unser Bundestagsabgeordneter hat sich auch dafür eingesetzt, der Landtagsabgeordnete ebenfalls. Am Ende blieb dem DIN eigentlich keine andere Wahl.

Quedlinburg hätte sich auch angeboten.

Das hat viel zu viele Buchstaben, kann sich keiner merken.

Sind sie ein bisschen stolz, dass Quickborn jetzt bekannter wird?

Ich finde das ganz ausgezeichnet. Wir sind die einzige Stadt in Schleswig-Holstein, die es auf die neue Buchstabiertafel geschafft hat. Aber bekannt waren wir schon vorher. Mike Krüger hat lange hier gelebt und mit "Born in Quickborn" sogar musikalisch Spuren hinterlassen. 1974 hat die DDR-Nationalmannschaft hier ihr WM-Quartier aufgeschlagen. Und wir werden regelmäßig im Verkehrsfunk genannt, weil der Stau vor dem Elbtunnel oft hier beginnt. Quickborn wird jetzt endlich die Ehre zuteil, die unsere Stadt schon lange verdient hat.

Was zeichnet Ihre Stadt aus, sodass sie diese Ehre verdient hat?

Wir leben hier mitten im Grünen, vor den Toren Hamburgs. Die Natur mit dem einzigartigen Himmelmoor, das zurzeit renaturiert wird, fasziniert mich immer wieder und zu jeder Jahreszeit. Auch unser Freibad ist immer einen Besuch wert. Dazu haben wir – und das sage ich nicht nur, weil bald Bürgermeisterwahlen sind – die netteste Bevölkerung im ganzen Land. Ich lade jeden herzlich ein, in unsere Stadt zu kommen. Im kommenden Jahr feiern wir übrigens 700 Jahre Quickborn.

Wird sich durch die neue bundesweite Prominenz der Stadt etwas ändern? Was erwarten Sie?

Mal ernsthaft: Die Auswirkungen dürften ja tatsächlich überschaubar bleiben. Aber wir haben schon vor, das Q wie Quickborn im Stadtmarketing offensiver einzusetzen, da ist schon etwas in Planung. Lassen Sie sich überraschen. Schaden wird die größere Bekanntheit jedenfalls sicher nicht. Und vielleicht sind wir dann irgendwann auch nicht mehr die kleinste Stadt auf der Buchstabiertafel.

Quellen: Deutsches Institut für Normung, Stadt Quickborn, Nachrichtenagentur DPA


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