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Güney Artak Er war Kickbox-Weltmeister. Jetzt sorgt er dafür, dass sich die Spieler in der Fußball-Kreisliga benehmen

Kreisligaschiedsrichter Güney Artak
Güney Artak (33), Kreisliga-Schiedsrichter aus Hannover: im Ehrenamt seit 2016, ca. 250 Arbeitsstunden in diesem Jahr
© Maximilian Mann
Der 5. Dezember ist Tag des Ehrenamts. Der stern stellt zehn Menschen vor, die mit ihrem freiwilligen Einsatz die Gesellschaft zusammenhalten. Einer von ihnen ist der Güney Artak. Der 33-Jährige war Kickbox-Weltmeister und pfeift nun Fußballspiele in der Kreisliga.

Wer danach sucht, findet die Meldungen nach fast jedem Wochenende: Polizeieinsatz auf dem Fußballplatz, Tatort Kreisliga, Schiedsrichter bedroht, bespuckt, geschlagen. Die Zahl der Unparteiischen sinkt seit Jahren. Auch weil die Gewalt auf den Plätzen zunimmt, hören manche auf. Güney Artak hat deswegen angefangen. 

"Ich habe immer wieder von abgebrochenen Spielen gehört, bis ich gedacht habe: Ich will helfen, dass sich das ändert", sagt Artak. Er war Türsteher, Personenschützer und Kickbox-Weltmeister, Kampfgewicht 118 Kilo, Beiname "Das Biest". Nun verbringt er seine Sonntage auf den Fußballplätzen im Raum Hannover. Artak pfeift Kreisligaspiele, die sonst kaum jemand pfeifen will. Er sorgt dafür, dass Problemspiele zwischen besonders unfairen Mannschaften kein Problem mehr sind. Dass sie nicht mit einem Polizeieinsatz enden.

Die Stiftung stern unterstützt Vereine, in denen sich ehrenamtliche Helfer für Menschen in Not einsetzen – wie die von Lucas Bornschlegl und Peter Ostendorf. Auch Sie können helfen – mit einer Spende an Stiftung stern, IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01, Stichwort "Ehrenamt".  www.stiftungstern.de
Die Stiftung stern unterstützt Vereine, in denen sich ehrenamtliche Helfer für Menschen in Not einsetzen – wie die von Lucas Bornschlegl und Peter Ostendorf. Auch Sie können helfen – mit einer Spende an Stiftung stern, IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01, Stichwort "Ehrenamt".
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"Die Probleme müssen außerhalb des Platzes gelöst werden"

"Eigentlich ist es traurig", sagt er, "da muss erst ein Typ wie ich kommen, damit sich die Spieler benehmen." Die Fußballer hören ihm auch deshalb zu, weil er Kickboxer war und auch so aussieht. Anderen Schiedsrichtern ist damit nicht geholfen, denn die sind keine Kickboxer, wollen aber trotzdem Spiele leiten, ohne bedroht zu werden. "Wenn ich pfeife, löst das nichts", sagt Artak. "Die Probleme müssen außerhalb des Platzes gelöst werden."

Deshalb geht Artaks Engagement weiter: Er hält Vorträge über Gewalt auf den Plätzen, gibt Workshops und Interviews. Dann fährt er zu Mannschaften, die immer wieder Regeln brechen. In Gesprächen und Übungen versucht Artak, sie zu überzeugen, dass es auch anders geht. Gewaltprävention im Vereinsheim. 

Im Kleinen könne er den Alltag in der Kreisliga so ein Stück weit verändern, sagt Artak. Damit sich im Großen etwas tue, brauche es höhere Strafen für Vereine und Spieler, die Schiedsrichter anfeinden. Solange es die nicht gibt, will Artak nicht aufhören und sich weiterhin sonntags auf Kreisligaplätze stellen.

yks

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