Kaum steigen die Temperaturen, werden die Schlangen vor den Eisdielen länger. Sonne und Eis gehören für viele einfach zusammen. Aber woran erkennt man ein gutes Eis? Und rechtfertigt die Bezeichnung „aus eigener Herstellung“ oder „selbstgemacht“ den hohen Preis pro Kugel?
Wenn die neue Eisdiele an der Ecke aufmacht, erwartet man viel Eis, aber nur eine kurze Zutatenliste und möglichst keine Zusatzstoffe wie Stabilisatoren oder Aromen. Billig ist die Leckerei ohnehin nicht, eine Kugel kostet mittlerweile 1,80 bis 2,50 Euro – selbstgemachtes Eis in guter Qualität hat seinen Preis.
„Selbstgemacht“ kann vieles bedeuten
Aber was heißt das schon, wenn mit „hausgemachtem“ Eis geworben wird? Erst einmal nichts, denn solche Hinweise kann jede Eisdiele beliebig benutzen. Es gibt keine rechtliche Definition oder Regelung für „hausgemachtes“ Eis. Ob Fertigpulver oder Frischzutaten – was genau in unserer Eiskugel steckt, wissen wir als Käufer nicht so genau. Von außen ist nicht zu erkennen, ob echte Milch, Sahne, Zucker und frische Früchte verwendet wurden.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt, vor Ort konkret nachzufragen, woher das Eis stammt und welche Zutaten genau verwendet wurden. Auf den Kärtchen im Eis müssen nur Hinweise auf Allergene und Zusatzstoffe wie Farbstoffe markiert werden.
Das Deutsche Lebensmittelbuch gibt zwar Leitsätze als Mindestanforderung vor: Milcheis sollte zum Beispiel mindestens 70 Prozent Milch enthalten und der Fruchtanteil bei Fruchteis bei mindestens 20 Prozent liegen. Allerdings sind diese Leitsätze für Eisdielen freiwillig.
Emulgatoren und andere Zusatzstoffe
Grundsätzlich sind grellbunte Farben ein Hinweis auf industrielles Eis und Zusatzstoffe. Wenn das Eis besonders imposant in der Vitrine zu Türmen drapiert ist, spricht das eher gegen eine hohe Qualität: Um die Masse so stabil zu halten, werden Emulgatoren eingesetzt. Auch wenn das Eis in der Hand verdächtig langsam schmilzt, ist das ein Hinweis auf Zusatzstoffe. Ein weitverbreiteter Emulgator ist Lecithin (E 322), der als gesundheitlich unbedenklich gilt. Er wird allerdings aus Sojapflanzen oder Sonnenblumen gewonnen. Soja-Allergiker sollten bei der Eiswahl also vorsichtig sein.
Nusseis ohne Nüsse
Besonders bei der beliebten Sorte Pistazie sollte man genauer hinsehen. Eine Recherche des NDR zeigt, dass in Nusseis oft gar keine Nüsse drin sind. Bei Pistazieneis werde häufig Bitteraroma verwendet, das viele Verbraucher fälschlicherweise mit Pistazien verbinden. Farbzusätze sorgen für die grüne Farbe und lassen darin echte Pistazien vermuten. Es lohnt sich, die Hinweisschilder genau zu lesen: Wenn ein Eis „mit Pistaziengeschmack“ vertrieben wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Geschmack nur von zugesetzten Aromen kommt.