Hamburg Drogenhandel, Aufnahmerituale, Pornos: Mehrere Fehltritte an Bundeswehr-Uni

Bundeswehr
Studierende der Universität der Bundeswehr sollen Drogen konsumiert und gedealt haben (Symbolbild)
© Mike Schmidt / Imago Images
An der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr sollen Studierende gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen haben. Es ist nicht der erste Fehltritt an der Hochschule.

Die Staatsanwaltschaft hat Mitte Januar die Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg wegen möglicher Drogendelikte durchsucht. Wie das Verteidigungsministerium in einer Pressemitteilung bekannt gab, sollen die Drogen dort nicht nur konsumiert, sondern auch innerhalb der Hochschule von Studierenden verkauft worden sein. Die Bundeswehr selbst und zivile Strafverfolgungsbehörden ermitteln in dem Fall.

Inzwischen seien weitere Verdachtsfälle bekannt und es werde von mehreren Beschuldigten ausgegangen. Nach eigenen Angaben hat die Bundeswehr Disziplinarmaßnahmen eingeleitet.

Offenbar große Bandbreite an Drogen an der Bundeswehr-Uni

Dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" zufolge drehten sich die Ermittlungen zunächst um einen Studenten der Bundeswehr-Universität, "der offenbar einen schwunghaften Handel mit Drogen aufgebaut hatte". Er habe erst Kokain an der Hochschule verkauft und später sein Sortiment auf "fast alle gängigen Drogen" vergrößert. 

"Jeglicher illegale Umgang mit Betäubungsmitteln hat in der Bundeswehr keinen Platz", teilte das Verteidigungsministerium zu den Vorwürfen mit. Er stehe im Widerspruch zum Selbstverständnis der Bundeswehr und ihrer gelebten Werte. "Die Bundeswehr verfolgt hier ohne Wenn und Aber eine 'Null-Toleranz-Linie' – arbeits-, disziplinar- und strafrechtlich", hieß es weiter. Jedem Verdachtsfall werde nachgegangen. 

Pornos im Gemeinschaftsraum

Neben den Ermittlungen zu Drogendelikten werden auch Hinweise auf in der Vergangenheit liegende, möglicherweise entwürdigende Aufnahmerituale an der Universität geprüft. "Rituale sind vielfältig und können in den Streitkräften zu Integration und Identitätsstiftung beitragen", so das Verteidigungsministerium. Allerdings dürften sie "die Grenzen der guten Sitten und des Anstandes nicht überschreiten". Sie dürften weder physisch übergriffig, noch ausgrenzend oder diskriminierend sein. Verstöße dagegen könnten auch Straftaten nach dem Wehrstrafgesetz darstellen. Um was es bei den Vorwürfen genau geht, teilte das Ministerium nicht mit.

Helmut-Schmidt-Universität
Hauptgebäude der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg-Jenfeld
© Julian Mieth / DPA

Im vergangenen Jahr waren bereits schwere Vorwürfe gegen die Helmut-Schmidt-Universität laut geworden. Mehrere Soldatinnen der US-Militärakademie West Point hatten ein sexuelles Fehlverhalten von Studierenden gemeldet. Ein deutscher Leutnant soll beispielsweise in der Gemeinschaftsküche seine Hose heruntergezogen haben, als eine Soldatin die Küche betrat. Der Leutnant habe angeblich einem Kameraden eine Narbe an seinem Hoden zeigen wollen, berichtete die "Hamburger Morgenpost"

Auch sollen sich die US-amerikanischen Soldatinnen darüber beklagt haben, dass in der Gemeinschaftsküche pornografische Filme geschaut wurden und auf einem Whiteboard anstößige Zeichnungen und zu einer Penisform angeordneten Magneten befanden. Dem NDR erklärte das Bundesverteidigungsministerium seinerzeit, dass es hierzu interne Untersuchungen in der Bundeswehr-Universität gegeben habe und es um ein Fehlverhalten von Studenten gegangen sei.