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Vor Freiburger Synagoge Antisemitische Attacke auf jüdische Gemeindevorsitzende: "Diese Vorfälle steigen rasant"





13. Juli 2019, Freiburger Innenstadt: "Sind wir hier in Deutschland oder sind wir hier im Judenland?"


"Mich wundert nicht, dass Hitler euch vergast hat, euch Idioten!"


Die Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde steht vor dem Eingang ihrer Synagoge, um die Mitglieder zum Sabbat zu begrüßen.


Plötzlich beginnt ein Mann, sie zu bedrohen und zu beschimpfen.  


Der Angriff ist eindeutig schwer antisemitisch.


"Ab mit euch! Sonst schlag ich dich tot, du Hure! Ab! Ab!"


Irina Katz steht unter Schock.


Eine Passantin schreitet in die Situation ein und ruft schließlich auch die Polizei.


Katz: "Genau so wie diese Frau sich verhalten hat, ohne zu zögern, ohne wegzuschauen, ist sie hergerannt zu uns und hat sofort ihre Hilfe angeboten. Das wünschen wir uns von der Zivilbevölkerung, dass sie nicht gleichgültig bleibt bei solchem Unrecht und, dass sie sich sofort einmischt."


Laut Polizei handelt es sich um einen Freiburger Obdachlosenszene. Es wurde wegen Diebstahls bereits gegen ihn ermittelt. Noch am Tag des Vorfalls wird der 61-Jährige in eine psychiatrische Klinik eingeliefert.  


Laut Bundesinnenministerium haben antisemitische Angriffe in Deutschland jüngst stark zugenommen.


So wurden im letzten Jahr 1083 antisemitische Vorfälle in Berlin registriert. Das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr. (Quelle: Report Antisemitism)


Es ist nicht das erste Mal, dass Irina Katz einen solchen Angriff erlebt.


Katz: "Ich bin im Jahr 1993 nach Freiburg gekommen und das war in dieser Zeit absolut nicht so. Meine Familie hat die Freiheit in Freiburg und im neuen Deutschland genossen. Der ansteigende Antisemitismus hat vor fünf Jahren oder noch früher angefangen. In der letzten Zeit steigen diese Vorfälle rasant. Wir sind sehr oft im Umkreis unserer Synagoge antisemitischen Attacken ausgesetzt. Wir haben sehr viele Strafanzeigen gestellt, die oft ins Leere laufen. Das finden wir nicht ok. Die Täter sollen zur Verantwortung gezogen werden für das, was sie tun oder getan haben."


Von der Polizei fühlt sich die jüdische Gemeindevorsitzende im Stich gelassen.


Katz: "Wir haben mehrere Male mit der Polizei in Freiburg auf der höchsten Ebene gesprochen. Wir haben um Polizeischutz und wenigstens einen uniformierten Polizisten gebeten. In Freiburg hören wir oft, es gebe keine Bedrohung. Das ist nicht der Fall, das sehen wir auch an diesem Vorfall. Oder wir hören, dass es in Freiburg zu wenige Polizisten gibt."


Die Polizei Freiburg hat sich auf Anfrage des stern noch nicht geäußert.
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"Sind wir hier in Deutschland oder sind wir hier im Judenland?" Die Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde in Freiburg wurde direkt vor ihrer Synagoge antisemitisch beleidigt und bedroht. Leider kein Einzelfall, wie Irina Katz im Interview mit dem stern berichtet.

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