Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher hat die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump kritisiert. Als Hansestadt liebe Hamburg den internationalen Handel und die Freihandelsabkommen der Europäischen Union, sagte SPD-Politiker beim traditionellen Matthiae-Mahl im Hamburger Rathaus vor rund 400 Gästen. "Was wir nicht so gerne mögen, sind protektionistische Tendenzen und die aktuelle US-Zollpolitik." Das Festmahl stand unter der Überschrift "Souveränität Europas in der geopolitischen Zeitenwende".
Matthiae-Mahl gilt als ältestes Festmahl der Welt
Das Matthiae-Mahl gilt als das älteste noch gefeierte Festmahl der Welt, soll erstmals 1356 ausgerichtet worden sein. "Der Matthiae-Tag am 24. Februar war der Beginn des Geschäftsjahres der Kaufleute und damit ein guter Zeitpunkt, bestehende Kontakte zu pflegen und neue Verbindungen zu knüpfen oder – um es mit den Worten von Donald Trump zu sagen – neue Deals einzufädeln", sagte Tschentscher.
Eingeladen werden heute immer ein ausländischer und ein deutscher Ehrengast: diesmal waren dies Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Präsident des Europäischen Rates, António Costa. Im vergangenen Jahr waren EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera sowie die "Wirtschaftsweise" Monika Schnitzer ins Rathaus gekommen.
Hamburg spürt jede Sanktion, Blockade oder Handelsbarriere
Die Wirtschaft der Hansestadt sei mit ihrem hohen Grad an internationaler Verflechtung empfindlich für geopolitische Krisen, Schwankungen der Weltwirtschaft und Störungen der Lieferketten, sagte Tschentscher. "Wir spüren jede Sanktion, Blockade oder Handelsbarriere, die aus politischen, militärischen oder protektionistischen Gründen verhängt wird."
USA und China gehörten zu den wichtigsten Handelspartnern. Mehr als die Hälfte der norddeutschen Betriebe exportierten Waren in die USA, jeder fünfte beziehe Güter von dort, sagte Tschentscher. "Nach den Zollbeschränkungen der neuen US-Administration verzeichnete Hamburgs Wirtschaft in den ersten drei Quartalen 2025 bei den Exporten in die USA einen Einbruch von über 60 Prozent." Das sei ein echter Schlag ins Kontor.
Wirtschaft kann Einbruch bei US-Exporten kompensieren
Es gebe aber auch einen positiven Aspekt. Obwohl die US-Exporte der Hamburger Wirtschaft massiv gesunken seien, seien ihre Exporte insgesamt sogar gestiegen. "Das bedeutet, den Hamburger Unternehmen ist es gelungen, den Einbruch im US-Geschäft mit höheren Exporten in andere Länder sogar mehr als zu kompensieren."
"Wir sind bereit und in der Lage, unsere Außenwirtschaft durch neue Handelsabkommen zu diversifizieren und uns neben China und den USA neue Märkte und starke Partner zu erschließen", sagte Tschentscher. Nötig seien verlässliche Partnerschaften und breit aufgestellte ökonomische Beziehungen. Das Freihandelsabkommen und die Partnerschaft mit Kanada seien ein gutes Beispiel dafür. Zudem lobte er das Mercosur-Abkommen mit lateinamerikanischen Staaten und das jüngste Abkommen mit Indien.